Kapitän Geipl und Co.: Der SSV Jahn und seine neuen Führungsspieler

Andreas Geipl hat das Rennen um das Kapitänsamt beim Fußball-Drittligisten SSV Jahn Regensburg für sich entschieden. Der Rückkehrer fühlt sich richtig wohl in seiner neuen Rolle. Neben dem 31-Jährigen sollen auch die weiteren Mitglieder des Mannschaftsrats als Führungsspieler fungieren. Und nicht nur die.
Mit den beiden Vizekapitänen Benedikt Saller und Konrad Faber sowie Keeper Alexander Weidinger hat es auch ein Trio in dieses Gremium geschafft, das dem Jahn nach dem Abstieg die Treue gehalten hat. Erstgenannten hatten die meisten Jahn-Fans auf dem Zettel als Nachfolger des nach Heidenheim abgewanderten Benedikt Gimber. Es setzte sich aber ein anderer der großen Favoriten durch. Und das war vor allem dem Auswahlprozess zu verdanken. Die Mannschaft durfte entscheiden. Jeder gab einen Zettel, auf dem fünf Namen standen, ab. Und dann wurde ausgezählt. „Wir haben das aus dem Trainerteam heraus zusammen mit Achim Beierlorzer so entschieden“, erklärt Coach Joe Enochs. „Bei so vielen neuen Spielern fanden wir es wichtig, dass die Mannschaft das entscheidet.“ In der Vergangenheit habe er das unterschiedlich gehandhabt, verrät der US-Amerikaner zum Prozedere.
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Andreas Geipl beerbt Benedikt Gimber
Mit Florian Ballas hat sich ein weiterer Neuer viele Stimmen gesichert. Der Defensivmann ist auch Teil des Mannschaftsrats.
„Die Jungs können sehr stolz auf sich sein, weil sie gezeigt haben, dass sie vorangehen wollen“, lobt Enochs den im neuen Team beliebten Fünferpack.
Geipl freut sich nach eigenem Bekunden „riesig“, dass er so viel Zuspruch erhielt und nun Kapitän der Regensburger ist. „Ich bin als Führungsspieler geholt worden, aber dass ich dann auch noch gleich von der Mannschaft als Kapitän gewählt werde, darauf bin ich schon sehr stolz.“ Geipl folgt damit auf Benedikt Gimber, Marco Grüttner, Markus Palionis und Sebastian Nachreiner, die in der jüngeren Jahn-Vergangenheit die Binde trugen.
„Ich muss das Amt so gut fortführen, wie das meine Vorgänger gemacht haben“, erklärt der Oberbayer, der in der Oberpfalz eine zweite Heimat gefunden hat. Geipl, der bereits zwischen 2014 und 2020 beim Jahn gespielt hat, kennt die aufgeführten früheren Jahn-Kapitäne aus gemeinsamen Schlachten noch persönlich. „Ich bin froh drum, dass ich nun Kapitän bin. Wir haben einen super Mannschaftsrat, sind eine gute Truppe.“
Am Freitag, beim 3:0 im Testspiel gegen den sächsischen Oberligisten Plauen, durfte der frischgekürte Spielführer die Binde zum ersten Mal in offizieller Funktion tragen. „Es fühlt sich schon gut an, wenn du das Team als Kapitän aufs Feld führen darfst und für die gesamte Mannschaft Sprachrohr bist“, sagt Geipl und lächelt. „Ich hoffe, dass ich das Amt gut ausführen werde.“
Neidische Blicke erntete er nach eigenem Bekunden nicht. Bei der Abstimmung hat er ausgerechnet Saller hinter sich gelassen. Seinen Spezl und Teamkollegen, der zuvor bereits Vize war, damals enttäuscht war, dass Ex-Trainer Mersad Selimbegovic Gimber den Vorzug gegeben hatte, nun aber hoffte, dass er endlich an der Reihe ist. Geipl erklärt, dass er bereits vor der Abstimmung beispielsweise mit Saller und Ballas ganz grundsätzlich gesprochen habe. „Da waren wir uns einig, dass es letztendlich relativ egal ist, wer es wird. Denn im Endeffekt muss jeder vorangehen. Das ändert jetzt nichts daran, dass Benes Wort genauso zählt wie meins“, sagt Geipl, der mit seinem Spezl, mit dem er schon zahlreiche Schafkopfrunden absolviert hat, auch neben dem Platz viel Zeit verbringt. Saller hatte die Binde nach Geipls Auswechslung am Freitag übernommen. „Wir älteren Spieler haben immer ein offenes Ohr für die Jungen, werden für sie da sein“, benennt Geipl eine seiner Hauptaufgaben. „Alle werden sich da einbringen, nicht nur der, der die Binde trägt.“
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Geipl glaubt auch nicht, dass nun einer beleidigt oder enttäuscht ist. „Ich hätte mich für Bene genauso gefreut, wenn er es geworden wäre. Ich freue mich, dass ich den Rückhalt der Mannschaft habe.“
Auch dem Regensburger Trainer Enochs ist vor allem eines wichtig, zu betonen: „Ich kann aus eigener Erfahrung als Spieler sagen, dass nicht nur die, die im Mannschaftsrat sind, Verantwortung übernehmen.“ Als weiteren Spieler, der es nicht dorthin geschafft hat, der für das Team mit seiner Erfahrung aber auch von elementarer Bedeutung ist, nennt er Christian Viet, der sehr wahrscheinlich zusammen mit Geipl die künftige Doppel-Sechs bilden wird. „Wir erwarten sehr viel von ihm“, sagt Enochs, der noch weitere Akteure in seinem Team hat, die über Führungsqualitäten verfügen.
Der Jahn lädt zum Fangespräch
Das trifft in jedem Fall auf Alexander Bittroff zu. Der 34 Jahre alte Neuzugang aus Magdeburg ist der älteste Spieler im Kader und hat 182 Spiele in der 2. Liga sowie 138 Partien in der 3. Liga auf dem Buckel. Zahlen, die für sich sprechen.
Das ist aber auch das Alter, wo es nach intensiven Einheiten schon mal eher zwickt als bei den Jungspunden. Sowohl Bittroff als auch Geipl (31) können ein Lied davon singen. „Ein Trainingslager ist immer anstrengend“, fasst Geipl die Tage in Bad Gögging zusammen. Der Jahn habe viel und hart trainiert.
Das sieht der Mann, dem sie das zu verdanken haben, genauso: „An den fünf Tagen hatten wir neun Einheiten. Das ist sehr intensiv“, weiß Enochs.
In Summe sei er sehr zufrieden damit, dass sie sich entschieden haben, wieder im Landkreis Kelheim ihre Zelte aufzuschlagen. „Die Bedingungen waren top. Das Hotel und Essen waren top. Die Plätze in Sandharlanden waren überragend. Obendrein hatten wir eine kurze An- und Abreise“, erklärt Enochs, der am kommenden Mittwoch (ab 19 Uhr) auch dem traditionellen Fangespräch, das am Trainingsgelände der Regensburger am Kaulbachweg stattfindet, beiwohnen wird. Neben dem Trainer stehen dort auch Hans Rothammer, Philipp Hausner und Achim Beierlorzer für alle Fragen rund um den Jahn zur Verfügung.



