Auf der Insel der Glückseligen: Wieso es im Regensburger Freibad keine Randale gibt

Jürgen Kriha ist seit 23 Jahren Bademeister in Regensburg. Randalen wie in Berlin gibt es bei ihm und seinen Kollegen nicht. Ein Ortstermin im Wöhrdbad, das viele Regensburger noch „RT“ nennen und das zu den schönsten Freibädern weit und breit gehört.
Die Pappelallee wiegt im Wind, ein Stammgast sucht gerade seine Holzliege am Pool. Jürgen Kriha schaut auf den Bildschirm. Kameras zeigen das Kinderbecken, die Erlebnisrutsche, das Schwimmerbecken und die Kasse. „Alles ruhig“, sagt Kriha zufrieden. Während sich in Berliner Freibädern die Polizei formiert, um Tumulte zu unterbinden, sagt der Regensburger Bademeister ganz ruhig: „Sowas kennen wir hier überhaupt nicht.“
Baden in den Regensburger Bädern ist sicher. Seit 23 Jahren ist Kriha nun Bademeister, seit 18 Jahren ist er immer im Sommer im Wöhrdbad. Viele Regensburger nutzen das Bad, das früher mal zur Regensburger Turnerschaft gehörte und seit 1984 von der städtischen Tochtergesellschaft betrieben wird, als ihren Swimmingpool im Grünen. „Wir haben viele Stammgäste aus Stadtamhof und der Altstadt“, erzählt der Bademeister. „Man kennt sich hier.“ Da habe sich auch nicht viel verändert, seit er vor 18 Jahren im Freibad auf der Donauinsel angefangen hat. Manche Stammgäste kommen nicht mehr, etwa die rothaarige Dame, die immer vor dem Kiosk vor dem Umbau saß. „Manchmal wechseln auch ganze Cliquen“, sagt Kriha. „Die gehen dann vielleicht an einen See oder an die Donau. Aber andere kommen.“
Im Mai laufen vier Millionen Liter Wasser ins Becken
Jedes Jahr wieder ist für ihn die schönste Zeit der Mai: Da wird alles vorbereitet für die kommende Saison. Die Edelstahlwanne wird gereinigt. Vier Millionen Liter werden befüllt, Rewag-Wasser natürlich, wenige Meter von der Liegewiese des Bades entfernt ist ein Brunnen. Vier Tage dauert es, bis das Bad bereit ist für den Saison-Start.
Der Tagesablauf eines Bademeisters sieht so aus, wenn er Morgenschicht hat: Schon bevor das Bad um sieben Uhr früh öffnet, schaut Kriha nach, ob sich nachts nicht jemand heimlich ins Bad geschlichen hat. Oft kommt das nicht vor.
Der Pool im Grünen
Dann prüft er das Wasser und holt Äste und Blätter aus dem Becken. Als nächstes prüft er die technischen Einrichtungen. Dann kommen schon die ersten Badegäste. Gerade morgens und abends kommen die Sportschwimmer, manche vor dem Büro, andere danach. Die Spätschicht geht bis 22.30 Uhr. „Da wird nochmal gereinigt.“ Auch die Grünanlagen haben die Bademeister im Blick.
Auch das Turmspringen hat System. Im Wöhrdbad gibt es ein Ein-Meter- und ein Drei-Meter-Brett. Stündlich wird gewechselt, welches Brett für Springer offen steht. „Das machen wir, damit sich auch die Schwimmer orientieren können und nicht ständig ausweichen müssen.“
Nachwuchsprobleme hat das Stadtwerk nicht, was die Bademeister anbelangt. Der Beruf macht Spaß. „Probleme haben wir nur bei den Saisonarbeitskräften. Das hat sich mit Corona verändert“, sagt Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk.
In Urlaub fährt der Bademeister nur ganz selten
In Urlaub fährt Bademeister Kriha übrigens sehr selten. „Regensburg ist so schön, da muss man nicht wegfahren“, lacht er. „Ich gehe auch nicht in andere Bäder.“ Denn das Wöhrdbad sei auch noch eines der schönsten Bäder weit und breit.
Die Berichte über Tumulte in Berliner Freibädern beunruhigen Kriha sehr wohl, aber eigentlich eher aus Mitgefühl für seine Kollegen dort. „Das ist schon heftig, was da passiert“, sagt er. „Bei uns gibt es sowas aber Gott sei Dank nicht.“ Natürlich müssen auch die Bademeister in Regensburg immer wieder Verwarnungen aussprechen. Aber das ist die Ausnahme. „Natürlich gibt es bei uns auch manchmal Badegäste, die über die Stränge schlagen. Denen sagen wir dann schnell, wie der Hase läuft und was nicht möglich ist.“
Auge zu bei Beckenspringern
Beckenspringer ermahnen die Bademeister natürlich schon. „Bei fast 3000 Besuchern, die an einem heißen Wochenende hier ins Bad kommen, ermahnen wir natürlich nicht jeden, der mal ins Becken springt.“ Gerade die Sportschwimmer könnten ja auch gut abschätzen, dass sie niemanden gefährden. „Wichtiger ist da, dass wir jedem Kind mit Schwimmflügeln Eltern zuordnen können, die aufpassen.“ Wenn es heiß ist und die Gästezahl steigt, dann nimmt auch das Aggressionspotenzial zu. „Bei Temperaturen über 30 Grad werden manche Besucher etwas genervt.“ Das merke vor allem der Kollege, der an der Kasse sitzt. „Auch bei Eltern und Kindern merkt man das.“ Da würden sich schonmal Eltern über fremde Kinder beschweren, weil die angeblich das ihre getaucht habe. Aber auch diese Situationen seien wirklich die Ausnahme.
Das gilt auch für die anderen Bäder. Stadtwerk-Sprecher Gottschalk sagt, dass man im Westbad aufgrund der Größe einen Sicherheitsdienst vorhalte. „Wenn es an den Wochenenden besonders heiß wird und mit einem großen Gästeaufkommen zu rechnen ist, wird der auch verstärkt.“ Vorfälle gab es bisher aber überhaupt keine.
Schon mal ein Leben gerettet
Die wichtigste Aufgabe der Regensburger Bademeister ist also nicht, Konflikte oder gar Eskalationen zu verhindern. Das wichtigste ist die Sicherheit. Kriha schildert, dass wenn es heiß ist und viel los, nicht gewartet wird, wenn die Rutsche benutzt wird. Ein junger Badegast verletzte sich am Kopf und kam bewusstlos im Becken an. „Da läuft dann die Rettungskette schnell an“, erzählt der Bademeister. Die geht so: Den Bewusstlosen aus dem Wasser ziehen, reanimieren. Doch auch das sei sehr selten der Fall.
In ein, zwei Jahren wird Regensburg mit dem Sportpark Ost ein weiteres Bad bekommen. Während in anderen Städten Bäder schließen, investiert Regensburg. Die Insel der Glückseligen, sie liegt nicht nur am Wöhrd. In Sachen Bäder leben alle Regensburger auf einer.
