Leinen los: Flüchtlingsschiff MS Rossini fährt nach Donaustauf

Von Micha Matthes · 21. Juli 2023 um 13:00

Am 2. August legt die MS Rossini um 14 Uhr ab und verlässt Bach an der Donau wieder. Sechs Monate diente sie dort als Notunterkunft für bis zu 200 Flüchtlinge – und sorgte in dem kleinen Ort mit 1800 Einwohnern für enorme Aufregung.

Viele Bürger hatten bereits im Vorfeld große Bedenken um die Sicherheit und kämpften vehement dafür, das Schiff möglichst schnell wieder loszuwerden. Eine Bürgerinitiative (BI) hatte sich gegründet. Nicht nur Mitglieder der Feuerwehr sorgten sich um ihr großes 150-jähriges Gründungsfest. Sogar über ein Ablegen der MS Rossini für die Festtage wurde gesprochen. Jetzt ist das Ende dieser sechs aufregenden Monate absehbar. Atmen die Bacher nun auf?

Gründungsfest der Feuerwehr Bach lief ohne Probleme

Das Ablegen des Schiffes sei schon ein Gesprächsthema, sagt die Verkäuferin eines lokalen Geschäfts am Donnerstag. Aber die Leute stünden dem unterdessen ziemlich neutral gegenüber. „Keiner sagt: Gott sei Dank – ist dagegen oder dafür. Man hat einfach drüber geredet und das war es.“ Als das Schiff kam, sei das Thema „total brisant“ gewesen. Dann seien Stück für Stück Ängste weggebrochen. „Das Feuerwehrfest lief im Juni ohne Probleme ab und seither hört man von den Leuten nichts mehr“, sagt die Verkäuferin. „Jetzt ist es so, als wäre es das Normalste auf der Welt und hätte schon immer dazugehört.“ Auch die Angst, in dem kleinen Ort von den vielen Gästen „überrannt“ zu werden, habe sich nicht bestätigt. In der Früh sähe man etwa stündlich kleine Gruppen vom Schiff auf ihrem Weg zum Bus vorbeigehen. „Eigentlich ist es richtig ruhig.“ Viele könnten ein wenig Deutsch, ansonsten verständige man sich mit Händen und Füßen.

Die BI Bach behält sich vor, eventuell nach den Sommerferien Bilanz zu ziehen. In ihrer letzten Mitteilung Ende April hatte sie aber noch mehrere Probleme angesprochen – unter anderem, „dass rund um die Uhr die Lärm- und Abgasbelästigung durch die Schiffsdiesel die Anwohner 24/7 malträtiert“. Die Unterbringung gestalte sich „bis auf wenige Zwischenfälle (z. B. wurde Frauen nachgepfiffen) weitestgehend konfliktfrei“. Es habe Polizei- und Notarzteinsätze im Zusammenhang mit dem Schiff gegeben. „Das reicht von lautem nächtlichen Feiern auf dem Spielplatz bis zu Auseinandersetzungen an Bord.“

Polizei Wörth: „Keine nennenswerten Einsätze“

Matthias Löffler, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Wörth, spricht hier von „keinen nennenswerten Einsätzen“. Für die PI habe sich auch „keine herausgestellte Zusatzbelastung“ ergeben. Die für die Polizei „wahrnehmbaren Reaktionen der Bevölkerung waren, nach anfänglicher Skepsis, durchwegs positiv“ – ebenso die Rückmeldungen und Gespräche mit den Personen an Bord.

Gemeinderätin Gertraud Rißmann versuchte von Anfang an zu vermitteln. Sie bestätigt, dass die Lärmbelästigung und der tägliche Lkw-Lieferverkehr zum Schiff die Anwohner sehr gestört habe. Sie sagt aber auch: „Ich habe das Gefühl, dass sich die Meinung der Bürger positiv gewandelt hat.“ Deutlich entspannt habe die Lage, dass auf dem Schiff viele Familien – und nicht wie befürchtet nur Männer – untergebracht worden seien. Die Bewohner des Schiffes seien im Ort freundlich aufgefallen, einige hätten sogar beim Feuerwehrfest mitgefeiert. Auch von der „Spielplatzparty“ hat sie gehört. „Das sollte man aber nicht überbewerten, weil das machen unsere jungen Leute auch.“ Die Polizei sei immer sofort zur Stelle gewesen. Zu Gewalt sei es nie gekommen. Daher ziehe sie ein positives Resümee. Und das will sie den Donaustaufern weitergeben: „Es geht! Wenn es so gut läuft, wie in Bach, gibt es überhaupt kein Problem.“ Allerdings müsse die Bundespolitik dringend handeln. „Man kann keine Leute auf einem Schiff unterbringen, ohne zu wissen, wo sie danach hin sollen. Das ist keine Lösung für die Menschen hier und für die Menschen auf dem Schiff.“

191 Flüchtlinge: MS Rossini derzeit in Bach fast voll ausgelastet

Aktuell befinden sich 191 Personen an Bord. Ursprünglich hatte der Landkreis zugesagt, in Bach nicht mehr als 150 Menschen unterzubringen. Es werde angestrebt, wieder zu diesem Zielwert zurückzukehren, so wie dies über fast den gesamten Belegungszeitraum der Fall war, sagt Hans Fichtl, Pressesprecher im Landratsamt. „Die sehr angespannte Unterbringungssituation hat die zwischenzeitliche Annäherung an die Maximalbelegung des Schiffes (200 Personen) notwendig gemacht.“ Ob die Bewohner am 2. August an Bord nach Donaustauf mitfahren dürfen, werde derzeit noch versicherungsrechtlich geklärt. Ansonsten müsse der Reeder einen Busunternehmer für den Transport beauftragen.

In dieser Woche hatte es noch einen Abstimmungstermin für die Verlegung der MS Rossini gegeben. Anwesend waren Vertreter der Gemeinde, der Reederei, der PI Wörth, des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes sowie des Landkreises. „Wir werden ungefähr eine Stunde bis nach Donaustauf brauchen“, sagt ein Geschäftsführer der Reederei der MS Rossini. Insgesamt werde es wohl zwei bis drei Stunden dauern, bis das Schiff dann am zweiten Anleger (von Richtung Regensburg aus gesehen) festgemacht sei und alle Anschlüsse stehen. Ein Informationstermin für die Bürger in Donaustauf ist laut Landratsamt bislang nicht geplant.

Flüchtlingsschiff legt in Donaustauf an: Wasser wird angeliefert

Der Kreisbrandrat wird mit der örtlichen Feuerwehr noch eine eigene Begehung in der ersten Augustwoche durchführen. Es werde Sondernutzungserlaubnisse für das Aufstellen von Müllcontainern sowie für die Anlieferung von Trinkwasser geben. Zudem werde es ein befristetes Halteverbot gegenüber des Stegs geben, um keine Gefahrenstelle für Fußgänger, Radfahrer und Bewohner entstehen zu lassen. Auch in Donaustauf werden die Motoren wohl dauerhaft laufen. Für die begrenzte Nutzungsdauer sei es seitens des Landratsamtes derzeit nicht geplant, eine Wasser- oder Stromleitung zum Schiff zu legen. Nach Ankunft des Schiffes werde vom Landratsamt beauftragtes Personal (in der Regel Dolmetscher) den Bewohnern wichtige Anlaufstellen im Hauptort wie Bushaltestellen, Supermärkte und Bank zeigen.