Verein der Freunde der Universität feierte sein 75-jähriges Bestehen

Bei der Gründung des Vereins der Freunde der Universität Regensburg e. V. im Januar 1948 hatten 18 Mitglieder der Regensburger Stadtgesellschaft ein klares Ziel: eine Universität am Ort zu verwirklichen. Das gelang. Ohne die Bestrebungen des Vereins, sagte Universitätspräsident Professor Udo Hebel laut einer Pressemitteilung der Universität in seiner Begrüßung zum 75.Vereinsjubiläum, „gäbe es uns so nicht“.
Hebel freute sich ebenso wie Vereinsvorsitzender Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, 130 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Hochschule an der Universität Regensburg zur öffentlichen Jahrestagung des Vereins im Vielberth-Gebäude zu begrüßen.
In seinem Festvortrag sprach Professor Jürgen Kühling, Vorsitzender der Monopolkommission, zur „Energiewende im Zeichen der Krise“. Im Anschluss verlieh Helmes den Habilitationspreis 2023 der Freunde der Universität an Privatdozent Simon Lebek, der von der University of Texas angereist war, um die Auszeichnung entgegenzunehmen. Laudator war der Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg, Professor Lars Maier.
Viele Projekte bewerkstelligt
Hebel erinnerte bei der Eröffnung an das Entstehen „unseres ältesten und unmittelbarsten Fördervereins“ und daran, dass mit Unterstützung der Freundinnen und Freunde der Universität in den 56 Jahren seit ihrer Gründung „viele Projekte bewerkstelligt werden konnten, die ohne den Verein nie hätten in die Welt gesetzt werden können“. Noch immer fördere der Verein großzügig, „in Zeiten, wo andere sich zurückgezogen haben“. Er engagiere sich zudem auch bei Veranstaltungen, die Universität und Stadtgesellschaft zusammenbringen, fördere Kunst und Kultur im universitären Kontext, unterstütze das Programm der Deutschlandstipendien und richte einen Habilitationspreis aus.
Darüber hinaus, so der Präsident, gebühre dem Verein Dank dafür, dass seine Mitglieder für unterschiedlichste Anliegen immer ansprechbar seien. „Wir sehen uns nachhaltig unterstützt.“ Hebels Fazit: „Wir überzeugen durch wissenschaftliche Leistungsfähigkeit, Engagement und Übernahme wissenschaftlicher Verantwortung, gemeinsam mit den Freunden der Universität.“
Helmes blickte in seiner Begrüßung auf die Entstehungszeit des Vereins zurück: „Versetzt man sich in die Zeit der Vereinsgründung – wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und exakt fünf Monate vor der Währungsreform –, lässt sich der Stellenwert dessen, was die Gründungsmitglieder angestoßen haben, erst ermessen.“ Die Menschen in Regensburg hatten zu dieser Zeit mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, „trotzdem nahm die akademische Bildung einen hohen Stellenwert ein.“ Im Jahre 1962 – 14 Jahre nach der Vereinsgründung – fiel die Entscheidung zum Bau der Universität in Regensburg, 1967 nahm die 4. bayerische Landesuniversität ihren Betrieb auf.
Helmes skizzierte in seinen Ausführungen die Ziele des Vereins, der aktuell 370 Mitglieder zählt: Die Universität zu unterstützen, „für sie da zu sein“ und den Wissenschaftsstandort Regensburg zu bewerben. Die Gründung der Universität, sagte Helmes, „sie war und ist für Regensburg ein Glücksfall“. Der Vorsitzende kündigte an, dass der Verein künftig neben dem mit 5000 Euro dotierten Habilitationspreis in Zukunft auch einen Preis für studentisches Engagement zu vergeben plant.
Es sei ihm „eine große Ehre und Freude“, bei der Festveranstaltung zu sprechen, freute sich Professor Jürgen Kühling LL.M., Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht, Immobilienrecht, Infrastrukturrecht und Informationsrecht an der Universität Regensburg. Als Vorsitzender der Monopolkommission, einem unabhängigen Beratungsgremium, das die Bundesregierung und die gesetzgebenden Körperschaften auf den Gebieten der Wettbewerbspolitik, des Wettbewerbsrechts und der Regulierung berät, gab der Redner besondere Einblicke in die „Energiewende im Zeichen der Krise“, ein „ambitioniertes, großes Projekt“: 80 Prozent des Stromverbrauchs sollen im Jahr 2030 aus erneuerbaren Energien stammen – 2022 war es erst knapp die Hälfte. Es gehe um „gigantische Herausforderungen der ökologischen Transformation, die alle Sektoren betrifft“.
Kühling veranschaulichte seine Bilanz mit Graphen und Zahlen. „Im Jahr 2045 soll Deutschland CO2-neutral sein. Bis zum Jahr 2030 wollen wir den CO2-Ausstoß um 300 Millionen Tonnen reduziert haben. Bis dahin sind es aber nicht einmal mehr acht Jahre. Und in den letzten acht Jahren haben wir gerade einmal 100 Millionen Tonnen eingespart“ – ein Drittel. „Dabei beziehen sich die Reduktionsziele auf alle Wirtschaftssparten – von der Energie über den Verkehr bis zum Bauen und Wohnen.“
Die öffentliche Gewalt sei umfassend auf die Einhaltung der Klimaziele verpflichtet, erinnerte der Redner an den Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts vom März 2021: „Je später wir mit Maßnahmen beginnen, die teilweise auch unsere Freiheiten hier und da einschränken, umso radikaler werden künftige Maßnahmen sein und die Freiheitsrechte künftig eingeschränkt. Zugespitzt formuliert: Der Verzicht auf ein Tempolimit wird Freiheitsmöglichkeiten in der Zukunft kosten, etwa weil extreme Hitze das Leben deutlich erschwert.“ Vor diesem Hintergrund war Kühlings Botschaft eindeutig: Der Staat müsse von der Rolle des Krisenmanagers, in der er sich durchaus bewährt habe, „zur Rolle des Regel- und Rahmengebers zurückkehren“, den Rahmen und Anreize für Investitionen und Innovationen setzen und dabei Stabilität und Berechenbarkeit gewährleisten.
Fleißiger Preisträger
Der mit 5000 Euro dotierte Habilitationspreis der Freunde der Universität ging 2023 an den Mediziner Simon Lebek. Die Laudatio auf den 28-jährigen Privatdozenten, der derzeit an der University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas, forscht, hielt Professor Lars Maier, Prodekan der Fakultät für Medizin der UR und Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Regensburg. Bereits mit 27 Jahren veröffentlichte Lebek in einem der wichtigsten amerikanischen Wissenschaftsjournale, Science, einen Beitrag mit Erstautorschaft. An der Fakultät für Medizin hofft man, Simon Lebek „zurückzubekommen“, wie der Laudator, der „andauerndes Engagement, Fleiß und Durchhaltevermögen“ des Preisträgers lobte, anmerkte. Bald will Lebek wieder in Regensburg tätig sein und forschen: „Ich freue mich darauf, an meine Alma Mater zurückzukommen, mit neuen Ideen, mit neuen Projekten“, sagte der Preisträger.