Dachstuhl, Fassade und Fresken-Sicherung: In Steinbühl beginnt die Sanierung von St. Nikolaus

Die Sanierung der südlichen Stützmauer auf dem Friedhof ist abgeschlossen, nun beginnt auch die der Nikolauskirche. Eine erste Veränderung für die Steinbühler gibt es bereits: Seit dieser Woche – und bis zum Ende der Baumaßnahme – finden die Gottesdienste gegenüber im Pfarrheim statt. Auch Beerdigungen und Taufen werden jetzt dort oder in der Stadtpfarrkirche in Bad Kötzting abgehalten. Über den Beginn der vorbereitenden Maßnahmen zur Kirchensanierung hat die Kötztinger Umschau mit Architekt Franz Steinberger und Pfarrer Thomas Winderl gesprochen.
Laut Steinberger liegen die Baugenehmigung sowie die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis für die Sanierung vor, so dass nun zeitnah die ersten Schritten der Außensanierung erfolgen können. Begonnen wird zum einen mit der Sanierung des Dachstuhls, dessen Statik Mängel aufweist. Wo es geht, sollen dabei alte Materialien wiederverwendet werden.
Zum anderen müssen die wertvollen gotischen Fresken im Chorraum gesichert werden, wofür nächste Woche im Altarraum ein Gerüst aufgestellt wird. Zur Erklärung: Die Freskomalerei ist eine Technik der Wandmalerei, wobei die Farbpigmente in den noch feuchten Putz eingearbeitet werden. Löst sich die Putzschicht vom Mauerwerk, gehen auch die Fresken kaputt. Diese Hohlräume sollen wieder geschlossen, der Putz mit der Wand verbunden und damit die unwiederbringliche Zerstörung der Fresken verhindert werden.
Holzwurm wird bekämpft
Auch die Außenfassade, die Risse aufweist, wird saniert. Im Herbst sei die Begasung der Innenausstattung geplant, um den Holzwurm zu bekämpfen, informiert Steinberger. Der Sockel der Madonna aus der Stadtpfarrkirche, der ebenfalls vom Holzwurm befallen ist, wird gleich mit begast. Wenn alles gut läuft und die Witterung mitspielt, ist die Außensanierung der Expositurkirche Ende des Jahres abgeschlossen.
2024 soll es mit der Innensanierung weitergehen – die sei jedoch „weder terminlich noch ausführungstechnisch“ geplant. Das Innere der Kirche werde Stück für Stück saniert, um die Kostensicherheit zu gewährleisten. Hintergrund: Taucht während der Sanierung etwa ein bislang unbekannter Schaden auf, wird die Sanierung teurer als ursprünglich berechnet. Wird schrittweise saniert, lassen sich die Kosten besser kalkulieren.
Thomas Winderl verweist darauf, dass das Innere der Kirche nach der Sanierung eine Einheit bilden soll. Dem entspricht zum Beispiel, dass die geschwungene Empore, die die Seitenfenster verdeckt, durch eine kleinere, rechteckige, die die Fenster wieder freigibt, ersetzt wird. „Momentan wirkt die Kirche wegen der Empore eher zweigeteilt.“ Auch an der Neugestaltung des Presbyteriums wird laut Winderl festgehalten. Er geht noch einmal auf den vieldiskutierten schwarzen Stahl ein, aus dem der neue Altar, Ambo und Taufstein gefertigt werden. Die Diözese bezuschusse die Altarraum-Neugestaltung nur zu einem gewissen Teil. Andere Materialien wie Stein seien aber zu teuer, Stahl sei eine kostengünstigere und beständige Alternative.
Kosten- und Mehraufwand
Natürlich gibt es einen Termin, den Architekt, Pfarrer und Co. im Auge haben: den Pfingstritt 2024. Dass die Pfingstreitermesse auch 2024 in Steinbühl stattfindet, ist keine Frage – nur eben nicht in der Kirche, sondern als Außengottesdienst. Die Renovierung so zu planen, dass nur am Pfingstmontag die Kirche genutzt werden könne, sei mit einem erheblichen Kosten- und Mehraufwand verbunden, sagt Thomas Winderl, „das wäre kostentechnisch nicht zu verantworten“. Das Pfingstritt-Komitee sei über die Änderung bereits informiert. Der Pfingstritt ist auch der Grund, warum die Nikolauskirche überhaupt saniert wird. Weil sie wegen des Ritts von überregionaler Bedeutung ist, bezuschusst die Diözese die Maßnahme mit 50 Prozent. Für alle anderen Sakralbauten innerhalb der Pfarreiengemeinschaft Bad Kötzting schließt der Pfarrer eine Sanierung in diesem Umfang aus. Ob Pfarr- oder Veitskirche, die St. Anna-Kapelle, Weißenregen, Wettzell oder Schönbuchen: Eine Generalsanierung wie in Steinbühl wird es aus Gründen der Finanzierbarkeit nach aktuellem Kontostand dort nicht geben.
Die finanzielle Seite
Zuschüsse und Kosten: Die Kosten des derzeitigen Bauabschnitts, im Zuge dessen die Außenfassade saniert und die Fresken gesichert werden, belaufen sich auf 600000 Euro. Wie teuer die Sanierung des Kircheninneren wird, lässt sich laut Architekt Franz Steinberger noch nicht beziffern. 50 Prozent der Sanierungskosten werden von der Diözese übernommen – jedoch nur für das Innere der Kirche, die Fassade und den unmittelbaren Umgriff, wozu auch die Friedhofsmauer gehört. Die Südseite der Stützmauer wurde vor kurzem saniert, wofür es 16000 Euro Zuschuss von der Bayerischen Landesstiftung gab (wir berichteten). Anders sieht es bei Leichenhaus und Friedhof aus: Eine Instandsetzung der Friedhofswege und ein eventueller Abriss und Neubau des Leichenhauses müssten durch die Rücklagen aus den Grabgebühren finanziert werden. Ob das finanzierbar ist, „steht noch in den Sternen“, sagt der Pfarrer.
Überregionale Bedeutung: Zuschüsse für die Kirchensanierung wurden bei unterschiedlichen Stellen beantragt – Bund, Landesamt für Denkmalpflege, Bezirk, Landkreis, Stadt Bad Kötzting –, aber zum Teil noch nicht gewährt. Pfarrer Thomas Winderl betont: „Die Nikolauskirche ist als Zielkirche des Pfingstrittes von überregionaler Bedeutung. Nur deshalb wird sie saniert.“ Auch verfüge die Kirchenstiftung Steinbühl über gute finanzielle Rücklagen, die eine Sanierung in dieser Größenordnung möglich mache. Wie hoch der finanzielle Beitrag der Kirchenstiftung sein wird, lässt sich erst am Ende der Maßnahme beziffern, wenn auch sicher ist, welche Zuschüsse es geben wird.
