Willi Späth trainiert seit 35 Jahren Ritter und Pferde für den Further Drachenstich

Wer Ritter für den Further Drachenstich ist, kommt an Willi Späth nicht vorbei. Seit mehr als 35 Jahren trainiert er Ross und Reiter. Sein Credo lautet: Üben, üben und nochmal üben, damit Mensch und Tier eine Einheit bilden.
Seit Jahrzehnten sorgt Willi Späth dafür, dass der Reiterkampf mit dem Drachen und dem dazugehörigen Lanzenstich reibungslos über die Bühne gehen: „Bis jetzt ist der Drache jedes Mal gestorben“, sagt der 75-Jährige. Bis es soweit ist, fließt allerdings viel Wasser den Chamb hinunter.
Die Auswahl des Pferdes ist entscheidend
Den Anfang macht die richtige Auswahl des Tieres. „Man kann nicht jedes Pferd brauchen, es muss eines mit starken Nerven sein.“ Lucky Luke, Lee, La Belle und Chamb sind einige treue Gefährten, die ihn und die Ritter über die Jahre begleitet haben. Er hat dabei, wie er sagt, „immer die richtige Wahl getroffen.“ Das gilt auch für Sam und Goya, die im Wechsel über den Stadtplatz galoppieren und Ritter Alexander Pongratz bei seinem Kampf mit dem Lindwurm zur Seite stehen. „Das ist eine gewaltige Herausforderung für beide“.
Das Pferd muss mit ganz viel Geduld und Einfühlungsvermögen auf seine Aufgabe vorbereitet werden. Während Goya eine leicht zu führende Stute ist, fordert Sam den ganzen Mann. „Er will genaue Anweisungen, was er zu tun hat, sonst wird das nichts“, weiß der Trainer. Der achtjährige Hengst stammt aus Herdenhaltung, hat nichts anderes gekannt. Er hat sogar vor Regenschirmen gescheut. Da muss viel Arbeit geleistet werden, um ihn an verschiedene Situationen, Gegenstände und Geräusche zu gewöhnen. „Ich musste meine ganze Trickkiste auspacken, um ihn dorthin zu bekommen, wo er heute ist.“ In Späths Augen machen die meisten Leute den Fehler, dass sie die Tiere überfordern. „Man muss ihnen Zeit lassen, sich zu gewöhnen.“ Eine große Hilfe bei der Ausbildung ist Späth dabei Julia Kaufmann. „Die ist ganz vernarrt in Sam.“ Was man nicht üben kann, ist die Situation während des Festspiels: die vielen Menschen, der Trubel, Lautsprecher, Schauspieler und Statisten. „Aber es ist wichtig, dass die Pferde ruhig bleiben.“ Das bedeutet eine große Verantwortung für den Ritter. Er muss im Vorfeld viele Übungsstunden absolvieren. Harmonie zwischen Mensch und Tier ist wichtig, findet Späth, noch wichtiger ist aber die Routine. „Wenn der Ritter beim Schauspiel einen gravierenden Fehler macht und diesen vielleicht sogar wiederholt, dann war es das. Das Pferd wird ihm nicht mehr vertrauen.“ Deshalb könne der Ritter nicht mit der Einstellung: „So will ich es machen“ in den „Kampf“ gehen. Es gibt demnach keinen starren Ablauf, an den sich der Reiter halten kann. Vielmehr müsse er sich auf die jeweilige Situation einstellen und dann in Sekundenschnelle die richtige Entscheidung treffen. „Erst denken, dann handeln“, ist wie in den meisten Lebensbereichen das Mittel der Wahl. Und wie läuft es aktuell mit Ritter Alexander Pongratz? „Die Stichproben sind gut gelaufen, er kommt mit beiden Pferden gut zurecht.“ Wer seine Vita hört, erkennt, dass Willi Späth weiß, wovon er spricht. Er ist mit Pferden aufgewachsen, kennt den Umgang mit den Tieren seit 65 Jahren. Vor 52 Jahren hat er sein erstes eigenes Pferd bekommen. Sein Großvater hat es ihm geschenkt. Damals hat er mit seiner Frau Annemarie Haus gebaut. „Wir hatten Schulden und dann auch noch ein Pferd“, lacht er. Seine Frau hat nie sonderliches Interesse an Pferden gehabt, „aber sie hat mich machen lassen.“ Mit dem Drachenstich ist es 1982 losgegangen. Uli Dimpfl hat seine Zusage, als Ritter zu fungieren, damals an die Bedingung geknüpft, dass er ein schwarzes Pferd will. „Nur ich hatte eines.“ Und so wurde La Belle zum ersten Festspiel-Pferd aus dem Hause Späth. Bis heute sind es die Rösser aus seinem Stall geblieben. Die Ausnahme machen einige Jahre, in denen Ritter ihre eigenen Vierbeiner verwendet haben.
Willi Späth hat keine Zeit für andere Hobbys
Zeit für ein anderes Hobby bleibt Späth nicht. „Wir machen keinen Urlaub und leben sparsam.“ Er würde sich gerne einen Hund zulegen oder mal mit einem 125-er Chopper durch die Landschaft cruisen. Für beides bleibt keine Zeit, beziehungsweise wäre das mit dem Motorrad im Moment gar nicht möglich. Vor einigen Tagen ist er gestürzt und hat sich die Schulter gebrochen. „Naja, nächstes Jahr vielleicht“, sagt er. Oft wird er gefragt, wie lange er das mit seinen Drachenstichpferden noch machen will. Dann sagt er: „So lange ich kann, mache ich es, weil es mir Spaß macht, und weil ich eine Aufgabe brauche.“
