Alex Harrieder: Schwandorfs Olympionike und Bronze-Gewinner

Von Johannes Berner · 19. Juli 2023 um 13:30

Als Deutschlands Athleten bei den Special Olympic World Games im Juni an den Start gingen, drückte eine Familie aus Schwandorf besonders die Daumen – und das aus gutem Grund: Der Sohn von Peter und Brigitte Harrieder, Alexander Harrieder, ist begeisterter Basketball-Spieler und seit jeher fester Bestandteil der deutschen Basketball-Nationalmannschaft für Menschen mit geistiger Behinderung.

Auch bei den zurückliegenden Special Olympics in der Bundeshauptstadt war der Schwandorfer hautnah mit seiner Mannschaft vom Freizeitclub der Lebenshilfe Amberg dabei. Obendrein durfte er sich auch über eine Medaille freuen. „Es war eine einmalige Sache in Berlin. So etwas werden wir wohl nicht mehr erleben“, erklärt Brigitte Harrieder, die ihren Sohn eine Woche lang vor Ort bei den Spielen unterstützte.

Knapper Sieg im Finale

Am Ende setzte sich der 28-Jährige mit seiner Mannschaft mit dem Adler auf der Brust knapp im Finale gegen den Irak (13:12) durch und sicherte sich so vor vielen Zuschauern auf dem Messegelände den dritten Turnierrang. „Die Spiele waren auch das Highlight für die Athleten. Es war toll, als Alex einen Korb geworfen hat. Er hatte immer eine Freude“, erzählt Brigitte Harrieder.

Mitgefiebert wurde auch von Schwandorf aus. In der Familiengruppe auf WhatsApp liefen die Drähte heiß. Stündlich habe man sich auf den Laufenden gehalten. Aber auch außerhalb des sportlichen Charakters oder der Trainingseinheiten am Messegelände wartete auf die Sportler ein buntes Rahmenprogramm, das von den Veranstaltern auf die Beine gestellt worden war. Bereits nach der Ankunft wurden die Oberpfälzer etwa im Friedrichspalast empfangen, begrüßt, trafen weitere Sportler und knüpften erste Kontakte.

Hoher Besuch von Nowitzki

Ein Höhepunkt beim Aufenthalt in Berlin war ein Treffen mit Ex-NBA-Star Dirk Nowitzki, der sich Zeit für die Athleten nahm und geduldig Autogramme verteilte. Untergebracht war Harrieder mit seinen Teamkollegen und Athleten aus aller Welt im am Alexanderplatz gelegenen Park Hotel Holiday Inn im Herzen der Metropole. Insgesamt blieb der Aufenthalt in bester Erinnerung. „Das war aufregend“, erklärt Harrieders Mutter.

Auch nach den Spielen in Berlin warteten auf die Mannschaft des Schwandorfers eine Reihe von Ehrungen. Neben Zeremonien und Feierlichkeiten in den Jura-Werkstätten und der Lebenshilfe Amberg, wurden die Bronze-Gewinner auch beim Bayerischen Sportpreis in München am vergangenen Wochenende in der BMW-Welt ausgezeichnet. Sogar Ministerpräsident Markus Söder gratulierte persönlich und lud die Sportler zu sich zu einem Termin in die Bayerische Staatskanzlei ein.

Für Harrieder waren die Special Olympic World Games nicht das erste internationale Großturnier, bei dem er mit von der Partie war. Seit 2017 gehört Harrieder, der bei den Naabwerkstätten in der Holzabteilung für die Fertigung von Paletten zuständig ist, fest zur deutschen Mannschaft bei den Inklusionsturnieren. 2019 nahm er bereits an den Special Olympic World Games in Abu Dhabi teil. Seine Mutter erinnert sich noch gut an einen Anruf seines Trainers zurück. „2017 erhielten wir einen Anruf, ob Alex Probleme mit dem Fliegen habe, weil sein Trainer die Mannschaft gerne bei den Olympischen Spielen in Abu Dhabi anmelden würde.“

Für seinen Traum von den Weltspielen trainiert Harrieder dreimal pro Woche. Während er am Montag und Donnerstag mit der Inklusionsgruppe Schwandorf Tigers in der Großen Kreisstadt spielt, geht es am Freitag zum Training des Freizeitclubs nach Amberg. Zusätzlich traf sich die Auswahlmannschaft im Vorfeld der Spiele in Berlin zu zwei Trainingslagern im Campus in Herzogenaurach, in dem sich auch die deutschen Fußballnationalmannschaften auf große Turniere vorbereiten.

Für Harrieder steht der sportliche Erfolg aber über allem. Der Schwandorfer lässt seine Bronzemedaille nicht aus den Augen und präsentiert sie stolz in der Arbeit, den Nachbarn oder beim Einkaufen. Inklusion sei in Schwandorf laut seiner Mutter Brigitte sehr weit. In vier Jahren träumt der 28-Jährige von der Teilnahme an den Special Olympic World Games in Australien. Es wäre dann bereits die dritte Teilnahme des Schwandorfers an den Olympischen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung. Dann würde auch in der Familiengruppe der Harrieders und in der großen Kreisstadt wieder eifrig mitgefiebert werden.