Launige und unterhaltsame Zauberflöte

Regensburg. Mozarts Erfolgsoper wird zur Premiere der Schlossfestspiele aufgeführt.
Natürlich hätte es im Vorfeld der Eröffnung der diesjährigen Schlossfestspiele unendlich Vieles und Spannendes zu der engen Beziehung der Zauberflöte und ihrem Librettisten Emanuel Schikaneder mit Regensburg und dem fürstlichen Haus Thurn und Taxis zu erzählen gegeben. Mozarts Erfolgsoper, die ihre Uraufführung am 1. September 1791 in Wien feierte, wurde hier bereits 1794, und dann über viele Jahrzehnte beständig, meist für geschlossene Gesellschaften, aus eigens dafür angefertigten Notenmaterial aufgeführt, das noch heute – nur wenige Schritte vom Schlosshof entfernt – in der Notensammlung der fürstlichen Hofbibliothek ruht.
Schikaneder war von 1787 bis 1789 Theaterdirektor des von Thurn und Taxis angemieteten reichsstädtischen Ballhauses (seiner Zeit am Ägidienplatz). Zu seiner Theatertruppe zählten damals fast alle Hauptakteure der späteren Wiener Uraufführung der Zauberflöte. Als Mitglied der Regensburger Freimauerloge war Schikaneder zudem mit dem Gedankengut, das der Zauberflöte zugrunde liegt, bestens vertraut. Aus dem Gesangsbuch dieser Loge sind sogar nachweislich einige Melodien in die Oper eingeflossen. Und: Schikaneder war ein Regensburger Domspatz.
Entrümpeltes Pathos
Insofern ist es mehr als eine Reminiszenz, dass die drei Knaben bei den beiden Gastspiel-Aufführungen des Mainfranken Theaters Würzburg auch mit solchen besetzt wurden. Und es ist so ungemein schlüssig, dieses besondere Werk Mozarts am Wohnsitz der Fürstenfamilie aufführen zu lassen.
Dies alles aber konnte nicht verhindern, dass die prominent besetzte erste Reihe des Premierenpublikums die Ouvertüre und damit den Beginn der Oper im launigen Gespräch und beim konzentrierten Posieren vor den Fotografen fast verpasst hätte und erst spät verstummte. Dann aber war das Philharmonische Orchester Würzburg unter der Leitung von Gábor Hontvári aus dem fürstlichen Ballsaal zu hören und überzeugte vom ersten Moment an mit einem launigen, höchst differenzierten und historisch informierten Zugriff auf die Partitur. Mal elegant, dann wieder zupackend mit Verve, aber genauso mit höchster Sensibilität und feinster Artikulation der Holz- und Blechbläser. Die Sprechszenen kommentierte gewitzt das Hammerklavier mit einem Füllhorn Mozart‘scher Zitate.
Unter der Regie von Andreas Wiedermann entschied man sich zudem für eine moderne Dialogfassung, die den freimaurischen und huldvollen Pathos der Urfassung kräftig entrümpelt und vor allem im zweiten Aufzug dafür sorgt, dass auch der Nichtkenner der verschwurbelten Handlung halbwegs folgen kann. Die spielt in der schlichten Originalausstattung der Würzburger Inszenierung von Aylin Kaip, die sich in ihrer Bildsprache auf den Zauber einiger goldenen Halbrundungen und einer kleinen runden Projektionsfläche als zentrierten Mittelpunkt des Geschehens verlässt. Dazwischen turnen die Priester zusammen mit den Helden umher, gehen ab, ziehen wieder von dannen und ringen manches Mal doch gehörig lange um die letzte richtige Position, ehe es weitergeht.
Wird gesungen, dann macht das richtig Laune, obwohl es Roberto Ortiz als Tamino lange am richtigen Schmelz in der Stimme fehlen lässt und als edler Prinz lange nicht so richtig überzeugen kann. Er fängt sich sängerisch und schauspielerisch allerdings im zweiten Aufzug auch deshalb, weil die heraufkommende Nacht der zunehmend auftrumpfenden Lichtregie hilft, die Szenerie atmosphärisch gehaltvoller und kraftvoller zu gestalten und auszuleuchten.
Auch mit Hinrich Horn als Papageno muss man erst warm werden. Er ist auf den ersten Blick kein typischer Basso Buffo, findet aber über die Strecke zu seiner Rolle und spielt sich mit den drei – sängerisch bestens besetzten – Domspatzen dann förmlich die Bälle zu.
Quirlige Papagena
Die Besetzung des Monostatos ist mit Mathew Habib in der sängerischen Anlage ebenso eher untypisch, allerdings überdreht er herrlich die Rolle des devoten und jähzornigen Bewachers von Pamina. Die wurde bestens dargeboten von Akiho Tsujii, leicht im Timbre und mühelos in der Höhe. Das gilt genauso für Claire Swale in der Besetzung einer quirligen Papagena, die den Papageno zum Ende doch ziemlich aus der Reserve lockt. Dem gegenüber steht Ulrich Schneider als hochseriöser Sarastro in bester Old-Style-Manier. Von ihm versteht man jedes Wort bis in die letzten Reihen. Seine Tiefe ist nicht allzu profund, aber er sorgt mit seinem Rollenverständnis für eine Autorität, die den ganzen Bühnenraum einnimmt. Genauso klassisch ist auch Judith Spießer als Königin der Nacht angelegt, brilliert souverän in den berühmten Koloratur-Arien ihrer Rolle und lässt nicht den geringsten Zweifel an ihrem außerordentlichen Können.
Am Ende wird sie nicht von den Strahlen der Sonne vernichtet, sondern versöhnt sich mit dem Widersacher Sarastro zu den letzten Klängen einer Oper, die seit ihrer Uraufführung nichts an ihrem ungeheuren Zauber verloren hat und mehr mit Regensburg zu tun hat, als hinlänglich bekannt ist.