Geschäftsführer-Wechsel: Die Gesichter und Geschichten hinter der Waldmünchner kifas

Von Petra Schoplocher · 17. Juli 2023 um 19:00

Abkürzungen erleichtern ja mitunter das Leben. So geht kifas schon leichter über die Lippen als „KAB-Institut für Fortbildung und angewandte Sozialethik“. Das hilft zwar bei der Aussprache, bringt inhaltlich aber nur bedingt Klärung: Wer sind die und was machen die eigentlich?

Kifas „sitzt“ im wahrsten Sinne des Wortes in der Hofgartenstraße in unmittelbarer Nähe zu Festspieltribüne und Jugendbildungsstätte (Jubi), zugleich Vermieterin. Aber nicht mehr lange: Die gemeinnützige GmbH hat Großes vor und zieht noch in diesem Jahr in zwei Stockwerke des ehemaligen Seilerbauer am Marktplatz.

Ein Schritt, der dringend nötig ist, erklärt Susanne Nock, seit wenigen Woche eine der beiden neuen Geschäftsführer. Aktuell müssen sich in einem Erdgeschossraum fünf Personen einen Schreibtisch teilen, veranschaulicht sie.

Zehn fest Angestellte

Eng und wenig umständlich geht es – bei allem Charme des Gebäudes – auch oben zu. Fünf Kräfte in der Verwaltung sorgen dafür, dass Seminare und Co. laufen. Hinzu kommen fünf hauptamtliche und hochqualifizierte Referenten.

Seminare und Fortbildungen, sie sind das Kerngeschäft der KAB-Einrichtung. Deswegen wundert der Schwerpunkt nicht: Vieles dreht sich kirchliche Organisationen, von der Caritas über Krankenhäuser, Alten- und Kindereinrichtungen, Pfarreien, Bildungshäuser... Gerade die Vielfalt der Kunden macht für Nock einen besonderen Reiz aus, resultieren aus ihr doch interessante, schöne „Begegnungen“ und Gespräche.

Sprachrohr für Mitarbeiter

Als inhaltlicher Schwerpunkt (wenngleich der für jedes Jahr neu gesetzt wird) hat sich das Thema Mitarbeitervertretung (das kirchliche Pendant zu Betriebsräten) herauskristallisiert. Ein riesiger Themenkomplex, angefangen von deren Rechten und Pflichten bis zu Fragen der Eingruppierung, Belangen Schwerbehinderter, Altersteilzeit oder -vorsorge. Er mündet in praktische Anleitungen wie Konfliktmanagement oder Verhandlungstaktiken und den Bereich Gesundheit. Im Angebot zudem: Rechtspraxis, für die sich die gGmbH Fachanwälte als Referenten an die Seite holt.

Letztlich profitieren beide Seiten

Neben dem Anspruch, Wissen, Beratungen und Handreichungen zu liefern, geht es immer darum, zu Mitbestimmung und Teamentwicklung („mit bewegen, mit gestalten, mit entscheiden“) zu ermutigen. Stichwort Firmenkultur. „Wenn‘s mir da gut geht, bleib‘ ich da auch...“

Bestes Beispiel: Susanne Nocks Co-Geschäftsführer Peter Weisser, der für die inhaltiche Ausrichtung verantwortlich zeichnet. Der Riedenburger ist ein Jubi-Urgewächs, kümmert sich seit Jahren um Inhalte, Aufbau und Akquise der Seminare. Nock obliegt die kaufmännische Geschäftsführung, wie zuvor.

Kirchennaher Kundenstamm

Wenngleich der Kundenstamm eher kirchlich-nahe ist, bedeutet das nicht, dass es die kifas gGmbH nicht schon mit Weltkonzernen zu tun hatte. Konfliktberatung, Moderation (für beides werden Einrichtungen auch besucht), politische Arbeit. Ideen, zwei Parteien an einen Tisch holen: Ein Steckenpferd. Wohl auch, weil die Verantwortlichen beide Seiten sehen (können).

Das Gerüst um ein Seminar

Zurück zum Tagesgeschäft, was passiert da also? Die Damen im Büro kümmern sich um Anmeldungen, Tagungshäuser, Zusendung der Lehrgangsunterlage, Buchungen. Kurz: Darum, dass Referenten, Zeit und Raum zusammenpassen, von Zeil am Main bis ins Bistum München-Freising oder nach Passau. Sie tragen Sorge, dass Anfragen beantwortet und auf aktuelle Entwicklungen reagiert wird.

Lesen Sie hier: Kreativ auch im Ehrenamt

Gerade darin sind Nock und Co „verdammt gut und verdammt schnell“, ist Eigenlob erlaubt, zumal dies einer der Erfolgsfaktoren ist, So hatte das Haus bereits innerhalb von zwei Wochen nach Ausbruch der Corona-Pandemie Online-Seminare zum Thema Home-Office im Portfolio. Die neue aufgelockerte Grundordnung: Die Tinte auf den Papieren war kaum trocken und kifas hatte schon Angebote.

Online „auf zack“

Die Website ist tagesaktuell, ein monatlicher Newsletter informiert. Den in Zeiten von Abstandsregeln und Co. eigenen und eigens eingerichteten Kursraum gibt es immer noch, er wird gut und gerne in Anspruch genommen.

Mehr als 100 Veranstaltungen umfasst das 2023er- Programm. Viele in einem virtuellen Kursraum mit eigener digitaler Plattform. Unter dem Strich sind es 1600, 1700 Menschen, die jedes Jahr direkt oder indirekt mit kifas in Verbindung treten und buchen. „Eine Zahl, mit der wir uns nicht verstecken müssen.“

Der Name Alois Nock

Die kifas-Geschichte, sie ist untrennbar mit dem Namen Alois Nock verbunden. Gemeinsamer Nenner: Die KAB, einer der Träger der Jubi, deren Leiter Nock war. Ihn beauftragte der kirchliche Verband mit dem Aufbau eines neuen Sozialinstituts, nachdem er sich nach zehn Jahren als Mieter im Kloster Strahlfeld zurückzog. Der Waldmünchner tat, was gewünscht war: Er regelte das.

Wenngleich das Tagesgeschäft nun andere wuppen,Vieles ist gleich geblieben. Kompetenzen schulen, verfeinern, mehr Beteiligung generieren, den alltäglichen Umgang verbessern. Und dabei die Menschlichkeit im Blick haben. Vielleicht das wichtigste Ziel überhaupt, ausgeschrieben oder nicht.

kifas -KAB-Institut für Fortbildung und angewandte Sozialethik

Geschichte: Die 100 prozentige Tochter der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) wurde 2003 in Waldmünchen gegründet. Alois Nock leistete nicht nur die Aufbauarbeit, sondern blieb 20 Jahre Geschäftsführer.

Wechsel: Susanne Nock und Peter Weisser treten auf Beschluss der Gesellschafter – das Gemeinnützige Sozialwerk der KAB Deutschlands sowie die sieben bayerischen KAB-Diözesanverbände – seine Nachfolge an.

Herzstück: kifas organisiert Seminare, einen Teil davon als Online-Schulungen und bietet Beratungsleistungen an – überwiegend im kirchlichen Umfeld.

Größe: Über eigene Referenten und die Verwaltung in Waldmünchen hinaus greift das Institut über rund 25 Referenten aus verschiedenen Fachbereichen zurück.

Informationen: Mehr über die Menschen hinter kifas und die inhaltliche Arbeit findet sich unter www,kifas.org.

Bis Jahresende, „vielleicht“ schon früher, sollen die zwei Stockwerke fertig sein.
Das Büroteam, das dafür sorgt, dass das Räderwerk kifas läuft: Susanne Nock und Janine Ippisch (vorne) sowie Tanja Biegerl und Linda Ruhland (hinten, von links). Es fehlt Maria Lommer
So (kreativ) kann es in kifas-Seminaren zugehen. Auf dieser Pinnwand heißt es, Ziele setzen. Foto: Weisser