Hilfsprojekt aus Regensburg für die Ukraine: Die Space-Eye-Backstube rollt

Die Menschen in der Ukraine leiden seit vergangenem Jahr unter dem Krieg. Viele sind nun bettelarm. Die Regensburger Hilfsorganisation Space-Eye versorgt einige von ihnen jetzt mit frischem Brot.
Der Dieselmotor der Zugmaschine tuckert langsam aus. Die rollende Backstube macht wieder Halt. Hier, in Nikopol, warten bereits Dutzende Menschen darauf. Sie eilen aus ihren Häusern. Es gibt Hilfspakete. Und frisch gebackenes Brot. Umsonst. Ein Junge nimmt einen Laib in die Hand. Er will nicht mehr bis zuhause warten und beißt sofort hinein. Seine Mutter lacht übers ganze Gesicht.
Frisches Brot für Menschen in der Ukraine. Dieses Ziel hat sich die Regensburger Hilfsorganisation Space-Eye gesetzt. Nun hat die Aktion begonnen. Die Regensburger Fotografin Sabine Franzl hat den Startbesuch einer Delegation aus der Oberpfalz begleitet. Sechs Personen machten sich am 6. Juli auf den langen Weg nach Apostolowo, das in der Nähe des durch Bomben und die Sprengung des Kachowka-Staudamms in etlichen Teilen völlig zerstörten Nikopol liegt. Fast zwei Tage waren sie unterwegs. Am Abend des 7.Juli kamen sie an – und dann ging es sofort an die Arbeit.
In einem alten Militärwagen
Bereits im Frühjahr war in Deutschland die Idee entwickelt worden. Eine rollende Backstube, die im Kern wie eine ganz normale Bäckerei funktionieren sollte, das schwebte Space-Eye vor. Rund 15000 Euro wurden für das Projekt veranschlagt, sagt Vorstandsmitglied Hans-Peter Buschheuer. Ein passendes Objekt war auch schnell gefunden: ein alter Militärwagen, der vor Ort für den neuen Zweck umgerüstet wurde.
Space-Eye kümmert sich seit Jahren um Menschen in Not. Die Organisation ist unter anderem in Flüchtlingslagern aktiv, betreibt Seenotrettung und unterhält seit Beginn des Krieges auch vielfältige Hilfsprojekte in der Ukraine. Nun wird die rollende Backstube umgesetzt. „Wenn man die Freude in den Augen der Menschen sieht, wenn sie das Brot abholen, weiß man, wie wichtig solche Aktionen sind“, erzählt Franzl.
Auf rund zehn Quadratmetern sind in dem Wagen alle notwendigen Geräte zusammengequetscht: Die metallenen Wände sind vollgestellt mit Industrieöfen, Knetmaschine und Lagerschränken. An der Decke hängt ein Wasserspeicher und neben der Tür steht eine kleine Arbeitsfläche aus Holz. Im Idealfall können hier rund 80 Brote pro Stunde gebacken und verteilt werden. „Eigentlich funktioniert das wie in einer ganz normalen Bäckerei, nur auf die Größe eines LKW-Anhängers reduziert“, sagt Buschheuer.
Seit vergangenem Jahr ist bereits Krieg in der Ukraine. Franzl hat nun zehn Tage vor Ort erlebt, wie die Menschen mit dieser Tragödie umgehen. „Sie haben sich daran gewöhnt“, erzählt die Fotografin. Wenn Flugalarm ertönt, löse das keine Panik mehr aus, es sei vielmehr zum alltäglichen Klang des Krieges geworden. Die Menschen in den Städten versuchen, so gut es geht, ganz normal weiterzuleben, sagt Franzl. Schule und Geschäfte haben weiter offen. Für die Menschen, die durch den Krieg ihre Arbeit verloren haben, wird es allerdings immer schwieriger, sich selbst zu versorgen. Alte Menschen, Mütter mit ihren Kindern, viele müssen in bitterer Armut leben. Für sie ist es ein Segen, wenn es kostenloses Brot gibt.
Helfer werden angelernt
Space Eye ermöglicht dies nun. Von Anfang an dabei war Bäckermeister Reiner Dietl. Er hatte schon im Frühjahr den Wagen vor Ort geprüft. Nun reiste er wieder mit in die Ukraine, um die Helfer aus der Region ins Brotbacken, es gibt Weizenmischbrot mit Roggensauerteig, einzuweisen.
Einer dieser Menschen ist Sergij. Er arbeitete bis zum Krieg als Fassadendämmer. Nun hat er aber praktisch keine Aufträge mehr. „Die Leute lassen ihre Fassaden natürlich nicht mehr dämmen, weil sie ja gar nicht wissen, wie lange ihr Haus noch steht“, sagt Franzl.
Sergij und seine Frau Tatjana werden nun in der rollenden Backstube arbeiten. Und es sollen noch viele weitere Helfer ausgebildet werden, um einen konstanten Betrieb zu ermöglichen. Denn eines steht über allem: Die rollende Backstube soll nicht bloß ein paar Tage da sein, sondern so lange wie es nötig ist. „Es ist kein Gerät, das mal kurz benutzt wird und dann verrottet“, sagt Franzl.

