Mieten, Bauen, Kaufen: So entwickelt sich der Immobilienmarkt im Landkreis Neumarkt

Von Petra Schlierf · 15. Juli 2023 um 05:00

Ein eigenes Haus in Zeiten gestiegener Zinsen? Diesen Traum zu finanzieren, ist nicht mehr so einfach. Im Landkreis Neumarkt wurde zuletzt deutlich weniger gebaut. Doch wohin geht der Trend? Wird der Hauskauf bald günstiger?

Wohnraum wird ein knappes und daher wohl teures Gut bleiben. Die gestiegenen Zinsen haben zwar zuletzt Bewegung in den Immobilienmarkt gebracht, zu deutlich geringeren Kaufpreisen wird das aber nicht mehr führen, vermuten Immobilienexperten von Sparkasse und LBS, die den Markt im Neumarkter Raum gestern im Rahmen eines Pressegesprächs beleuchtet haben. Die Mieten könnten in nächster Zeit sogar noch steigen.

Wieder Alternativen zu Betongold

Erwin Bumberger, Vorstandsvorsitzender der LBS Bayern, sprach von einer Zeitenwende und meinte damit die Aufgabe der Nullzinspolitik der EZB vor einem Jahr. Mehr als zehn Jahre hatten sich Anleger mehr und mehr in Immobilien geflüchtet, weil andere Anlageformen kaum mehr Rendite brachten. Mit der immensen Nachfrage stiegen die Preise – manch einer sprach bereits von einer Blase.

Seit die Zinsen wieder steigen, sind Immobilien nicht mehr das Nonplusultra für Investoren. Es gibt wieder Alternativen, um gespartes Geld zu investieren.

Derzeit erleben die Sparkasse und die LBS einen echten Bausparboom, da die Sicherung eines niedrigen Zinses den Kunden wieder attraktiv erscheint. Bei der Baufinanzierung könne man nämlich laut Bumberger von einer Vervierfachung sprechen: Noch Anfang 2022 habe die LBS Finanzierungen bei zehnjähriger Zinsbindung von einem Prozent abgeschlossen, heute liege man bei vier Prozent.

Der „historisch einzigartige Zinssprung der EZB“ führte letztlich dazu, dass „nicht mehr jeder Eigenheimwunsch erfüllt werden kann, der auf dem alten Zinsniveau realisierbar gewesen wäre“, sagte Bumberger. Bayernweit habe das Transaktionsvolumen entsprechend abgenommen: von noch 72 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 65,7 Milliarden 2022.

Um diese knapp zehn Prozent seien auch die Preise gesunken. Im laufenden Jahr werde es wohl noch weniger sein, erwartet der Experte. Insbesondere die Bauträger seien sehr zurückhaltend geworden, „weil sie ihre Wohnungen nicht mehr vom Plan weg verkaufen wie die warmen Semmeln“, so Bumberger.

Hoher Zuzug nach Neumarkt erwartet

Diese Tendenz ist auch im Landkreis Neumarkt deutlich zu beobachten, ergänzt Wolfgang Meier, Vorstandsmitglied der Sparkasse Neumarkt-Parsberg. Nach einer Spitze des Transaktionsvolumens von 500 Millionen Euro im Jahr 2021 lag man 2022 bei knapp 400 Millionen.

Vom Platzen einer Immobilienblase wollen beide aber nicht sprechen, eher vom einer „Normalisierung der Preise, einer gesunden Korrektur“, wie es Bumberger ausdrückte.

Eine Immobilienblase habe Meier schon deshalb nicht gesehen, weil das bedeutet hätte, dass am Bedarf vorbei gebaut worden wäre. Das aber sei explizit nicht der Fall, denn die Nachfrage werde weiter hoch bleiben, insbesondere im Landkreis Neumarkt.

Nach Zahlen des Bundesamts für Statistik wird die Bevölkerung im Landkreis nämlich bis 2041 um rund neun Prozent zunehmen. Für diese geschätzt 12400 Menschen mehr muss Wohnraum her. Und der wird auch im Landkreis Neumarkt noch nicht in diesem Umfang gebaut. „Wir sehen heute schon, dass die Mieten anziehen“, sagte Bumberger. Und diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen, vermutet er.

Energetischer Zustand ist wichtiger Faktor für den Preis

Eine Immobilie zu bauen wird wohl auch weiterhin teuer bleiben, erwartet Erwin Bumberger. Etwa 50 Prozent der Kosten sind Personalkosten, die eher steigen als abnehmen. Bei den Baupreisen habe sich die Lage etwas normalisiert, doch sei auch hier der energetische Aspekt ein immer kostenträchtigerer. „Und auch der Grundstückseinkauf spielt eine große Rolle. Wer ein Grundstück hat, ist in der Regel nicht bereit, deutlich von den Preisen runterzugehen, die es bisher gab“, so der Experte. All das werde aus seiner Sicht dazu führen, dass die Preise nicht noch sehr viel weiter sinken.

Wie teuer sich ein Haus oder eine Wohnung verkaufen lässt, entscheidet heute übrigens ein neuer Faktor mit, erklärt Bumberger: „Wenn heute eine Immobilie nicht in einem energetisch guten Zustand ist, gibt es gleich einen entsprechenden Abschlag. Vor zwei, drei Jahren war das nebensächlich.“

Analysierten den Immobilienmarkt: Erwin Bumberger, Vorstandsvorsitzender der LBS Bayern, und Wolfgang Meier, Vorstandsmitglied der Sparkasse Neumarkt-Parsberg. Foto: Schlierf