Frauenarzt Nikola Damjanac erklärt erste Schritte, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen

Immer mehr Paare mit Kinderwunsch kommen in seine Praxis; und sie werden im Schnitt älter, sagt Nikola Damjanac, Frauenarzt und Leiter der Pfaffenhofener Praxis Hörner und Kollegen. Kein Wunder, in Deutschland ist laut Bundesfamilienministerium fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Im Interview erklärt Damjanac, was er als Frauenarzt tun kann und in welchen Fällen eine Behandlung in der Kinderwunschklinik Sinn ergibt.
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Was ist das erste, was sie ein Paar mit Kinderwunsch fragen?
Nikola Damjanac: Wenn sie jung sind, frage ich, wie lange sie es schon probiert haben. Ist die Antwort kürzer als ein Jahr, beruhige ich sie. Denn ein Jahr sollte man sich als Paar geben.
Wie kann man in diesem einen Jahr seine Chancen erhöhen?
Damjanac: Man kann zum Beispiel über Tests den Eisprung berechnen. Die Frau sollte Folsäure einnehmen. Ansonsten hilft Sport treiben, sich gesund ernähren, auf Alkohol oder Zigaretten verzichten. Wichtig: Das gilt auch für den Mann und somit die Spermiumqualität. Einfluss hat auch ein normaler Body Mass Index, hier ist es interessant, dass eine besonders magere Frau auch schlechtere Chancen hat, schwanger zu werden, weil dann der Eisprung ausbleiben kann.
Wenn das Jahr um ist: Was können Sie tun?
Damjanac: Das kommt auf das Alter der Frau an. Je älter, desto schwieriger. Die Qualität der Eizellen nimmt im Laufe der Jahre ab. Einer 40-jährigen Frau würde ich beispielsweise raten, sich direkt an die Kinderwunschklinik zu wenden.
Und wenn die Zeit noch nicht so drängt?
Damjanac: Wir können in der Frauenarztpraxis auch einiges tun. Als erstes ist jedoch der Mann an der Reihe, weil hier die Abklärung am einfachsten ist. Der Urologe überprüft seine Fruchtbarkeit mit einem Spermiogramm, das um die 80 Euro kostet. Sollte das Ergebnis schlecht sein, muss das nichts bedeuten, der Wert kann variieren. Manchmal hilft es, auf die Ernährung zu achten, und in ein paar Monaten noch ein Spermiogramm zu machen.
Was, wenn das Spermiogramm ein gutes Ergebnis zeigt?
Damjanac: Dann beschäftigen wir uns mit der Frau. Der weibliche Körper ist sehr komplex, die Diagnose deshalb schwieriger. Mit der Ultraschalluntersuchung schaue ich die Harnblase, Scheide, Gebärmutter, Eierstöcke und Eileiter genauer an. So kann ich beispielsweise feststellen, ob irgendwo Zysten, Myome oder Polypen sind. Dann nehmen wir Blut ab und schauen uns die Hormone näher an. Verschiedene Hormonwerte können uns helfen, andere Probleme aufzuspüren: Wir können beispielsweise die Testosteron, Östrogen- und Progesteronwerte testen, sowie das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH). Stellen wir Probleme im Zusammenhang mit der Schilddrüse fest, können wir meist sehr einfach mit Tabletten gegensteuern.
Wie geht es mit der Behandlung weiter, wenn all diese Probleme gelöst sind?
Damjanac: Dann können wir mittels einer Bauchspiegelung herausfinden, was ich im Ultraschall nicht sehe. Diese Operation wird unter Narkose durchgeführt und von der Kasse übernommen. So kann ich sehen, ob die Eileiter durchgängig sind, denn nur dann kann das Spermium überhaupt in die Eizelle gelangen. Chlamydien können die Eileiter beispielsweise zumachen. Chlamydien können wir mittels Antibiotika behandeln. Wenn die Eileiter mit Flüssigkeit gefüllt sind, entfernt man sie heutzutage operativ, weil man weiß, dass die Flüssigkeit sonst Richtung Gebärmutter fließt und toxisch für die Eizelle ist. Sind die Eileiter undurchlässig, kommt nur noch die künstliche Befruchtung in der Kinderwunschklinik infrage.
Alternativ kann man auch mittels Kontrastmittel und Ultraschall ohne Operation herausfinden, ob die Eileiter durchlässig sind. Das muss privat bezahlt werden und man weiß danach nicht so viel wie bei einer Operation. Ob etwa eine Bauchfellendometriose vorliegt, sehe ich nur mit der Operation. Ich kann Verwachsungen auch, wenn sie noch nicht weit fortgeschritten sind, im selben Eingriff entfernen. Auch Wucherungen in der Gebärmutter lassen sich möglicherweise entfernen.
Außerdem können wir mit Hormonen die Reifung der Eizelle oder den Eisprung stimulieren.
Was empfehlen Sie, wenn die Schwangerschaft weiter ausbleibt?
Damjanac: Zehn Prozent der Paare wissen am Ende nicht, woran ihr Kinderwunsch scheitert. Wenn ich mit meiner Behandlung durch bin, bleibt, wenn die Paare das wollen, nur noch eine Kinderwunschklinik.
Das Gespräch führte Desirée Brenner.