Weltrekordversuch am Haidplatz: Extremkünstler will 1000 Warhols drucken

100 Quadratmeter Haidplatz unter riesigen Papierbahnen: Das, was der selbst ernannte Extremkünstler Michael Werner am 12. August auf dem Haidplatz vorhat, klingt zwar ziemlich nach Christo. Tatsächlich hat diese Aktion aber weniger mit dem Großmeister der Verpackungskunst zu tun, als mit dem der Popart, Andy Warhol.
Werner will im Rahmen des städtischen Jahresthemas „Höhenflug“ live 1000 Porträts von Andy Warhol produzieren und damit einen Rekord nach Regensburg holen. Zwischen 10 und 20 Uhr können ihm die Regensburger an diesem Tag dabei zusehen. Um es ganz deutlich zu sagen: Es ist Werners erklärtes Ziel, Warhol zu übertreffen. Der fertigte selbst viele Porträts an – zum Beispiel von Elvis Presley oder Marilyn Monroe. „Er schaffte nie mehr als 250 Stück auf einem Bild, da geht mehr“, findet Hardcorekünstler Werner.
Als Vorlage dient ihm ein spätes Selbstporträt von Andy Warhol mit zerzaustem Haar, das 1986 entstand. Werner entschied sich für dieses Werk als Inspirationsquelle, weil er sagt: „Jeder der Warhol kennt, kennt auch dieses Bild.“ Regensburger Kunstfans sowieso: Denn eines dieser Exemplare hängt im Museum Brandhorst. Es sei vor zehn Jahren im Auktionshaus Sotheby's in New York für 32,5 Millionen Dollar versteigert worden. Bei dem Motiv habe Werner nun beispielsweise die Frisur neu designt und mit einigen Punktmustern Highlights gesetzt.
Riegel geben Energie
Für Siebdruck hat er sich entschieden, weil auch Warhol viel mit dieser Technik arbeitete. „Das ist ziemlich nahe am Original“, verdeutlicht er. Zudem könne er auf diese Weise schnell viele Bilder produzieren. Der Extremkünstler wird die Drucke wie von der Tarantel gestochen zu Papier bringen müssen, um sein Pensum zu schaffen: zwei pro Minute. Das werde er in den verbleibenden Wochen bis zu seinem Versuch noch üben. Zu Hause, unter Idealbedingungen, wo ihn weder Wind noch Wetter stört, schaffe er die notwendigen zwei Portraits pro Minute bereits. Diese Fingerfertigkeit will er nun noch ausbauen.
Für Essen bleibe ihm während des Versuchs kaum Zeit, da müsse er zwischendurch auf Iso-Drinks und Energie-Riegel zurückgreifen, um produktiv und fit zu bleiben, so Werner weiter. Neben dem Durchhaltevermögen ist der Extremkünstler auch auf das Wetter angewiesen, Regen oder starker Wind können den Rekordversuch gefährden.
Die 1000 Warhol-Konterfeis sollen auch ein Portrait der Gesellschaft sein, die Werners Ansicht nach nach Wettbewerb giert und ihre Freude am Übertreffen der Leistungen anderer hat. Ob ihm die Aktion rein quantitativ gelingt oder nicht – das Schönste für Werner wäre es, wenn der ein oder andere Passant diese Idee hinter seinem Projekt mit einem Augenzwinkern erkennen würde.
Legeprobe mit Plakaten
Zum Versuch werde er die auf Papierbahnen gedruckten Portraits im Bereich des Brunnens auf dem Haidplatz ausrollen. Die Fläche wird in Richtung Süden und Osten anwachsen. Dabei achtet Werner auch darauf, dass am Rand genug Platz für Passanten im Auto, auf dem Rad oder zu Fuß bleibt – und vor allem für die Rettungskräfte. „Kunst soll niemanden behindern“, erklärt er.
Die Papierbahnen will er mit Metallstangen fixieren. Sollte ein Windhauch diese Gewichte wegrollen, wird er seine Arbeit unterbrechen müssen, um das zu richten. „Das wird mir dann Zeit kosten“, argwöhnt er. Bei einer ersten Legeprobe mit den Werbeplakaten für die Aktion auf dem Haidplatz hat er schon bemerkt, dass sich der beim kleinsten Hauch wie ein Windkanal verhält, was sich als Verhängnis erweisen könnte. „Da werde ich viele Metallstangenbrauchen“, ahnt der Extremkünstler.
Komplett fern ist Christos Arbeitsweise Werner aber auch nicht. Als die Europäische Union im Jahr 2004 erweitert wurde, startete der Extremkünstler eine Aktion, um den Neuen in der Europarunde einen Willkommensgruß zu schicken. Inspiriert hatte ihn dazu ein Projekt Christos. Der hatte zu diesem Zeitpunkt in Amerika und Asien 3000 riesige Sonnenschirme aufstellen lassen. Werner bat die Menschen, ihm Fotos von Sonnenschirmen zu senden. Schließlich konnte er 10000 von ihnen in einer Collage verarbeiten.