BRK-Frauenarbeitskreis: Die Seelen des Seniorennachmittags in Waldmünchen

Es ist der vielleicht am meisten unterschätzte Programmpunkt des Heimatfestes, der Seniorennachmittag. Weniger, weil die Festhalle voll ist, sondern weil diese gemeinsamen, unbeschwerten drei Stunden vielen Menschen eine Menge bedeuten. Stunden, die es ohne den Frauenarbeitskreis des Roten Kreuzes (so) nicht gäbe.
Sie sind es, die sich um Marken, um Bewirtung, um saubere Tische, kurz: das Wohlergehen kümmern. Die die Vorarbeit leisten für hunderte von Besuchern aus Stadt und Umland (für das eigens Bustransfers eingerichtet sind). Zeit, ihr Engagement einzuordnen.
Zunächst die Fakten: Angesprochen fühlen sollen sich alle über 70 Jahre, kontrolliert wird aber nicht. „Wir handhaben das großzügig“, betont Karin Betz, die zusammen mit ihrer Co-Vorsitzende die Veranstaltung managt. Die Kontrollen, sie gelten auch für die Mengen. „Mei, wenn einer a dritte Halbe mag...“. Dafür würde ein anderer nur ein Getränk wollen, schon gleicht sich alles wieder aus.
Kleinere Einheiten für 70 plus
Beim Seniorennachmittag hätten sich 0,5-Liter-Einheiten bewährt, ebenso Bratwurstsemmeln statt Grillhähnchen. „Die Älteren mögen und schaffen nicht mehr soviel“, verdeutlicht die BRK-lerin. Noch dazu, wenn es heiß sein sollte.
500 Bier- und 1000 Essensmarken halten die Verantwortlichen vor (die nur in diesen drei Stunden von 14 bis 17 Uhr gelten) vor, bisher haben sie immer „gut“ ausgereicht. Die Kosten trägt die Stadt Waldmünchen, die sich zudem um die Abrechnung kümmert – ein Gemeinschaftsprojekt.
Im Vorjahr sei noch eine gewisse pandemiebedingte Zurückhaltung spürbar, erinnert sich das gleichberechtigte Führungsduo. Üblicherweise ist die Festhalle – eingeladen sind alle Senioren, nicht nur aus dem Stadtgeiet – nämlich voll. Entsprechend stark sind die zwölf, 14 Helfer eingespannt. Betz und Manner sind voll des Lobes für das Team: „Das klappt immer, wenn Arbeit anfällt, sind sie immer da.“
Kerngeschäft des Frauenarbeitskreises unter dem Dach der BRK-Bereitschaft ist die Betreuung der Blutspendetermine. Die – nebenbei bemerkt – ohne deren Engagement nicht stemmbar wären: Die Ehrenamtlichen kümmern sich um Anmeldung und Verpflegung.
Vielleicht ist ihnen deshalb die Betreuung des Heimatfest-Nachmittags „zugeflogen“. Über die Historie wissen die beiden Waldmünchnerinnen nichts genaues. Betz kam 1997 zum Roten Kreuz, „da war die Veranstaltung schon etabliert“. Ihre Kollegin denkt, dass sie noch weiter zurückgeht. Möglich auch, dass die Stadt die Organisation selbst innehatte und sich dann an das BRK wandte.
Wichtiger als der Blick zurück ist der nach vorne. Ein paar Mitstreiterinnen könnten sie schon noch gut gebrauchen, lächeln die beiden. Und bringen noch ein gutes Argument an: „Wir haben eine schöne Gemeinschaft.“ Die bringt sich zudem ein, wenn Kuchen und Torten gefragt sind, bei Jubiläen oder dem Marktplatzfest, bei dem sie zusätzlich den Verkauf „schmeißen“.
Am heutigen Freitag ist Bedienen und Kümmern die Hauptaufgabe. Besondere Stunden, weil es der „größte Einzelauftrag“ ist, und „die drei (Ehe)Männer des Frauenarbeitskreises“ mithelfen. Vorbereitet wird ab 13.30 Uhr, „damit wir g‘schickt sind, wenn die Ersten kommen“, sagt Karin Betz, die dem Arbeitskreis seit 2017 vorsteht und sich im Vorjahr ihre Freundin Irmgard Manner an die Seite geholt hat.
Die Zeit drängt
Nach dem offiziellen Ende um 17 Uhr ist das Team noch einmal gefragt: Bis um 18 Uhr sollte ab- und aufgeräumt sein, schließlich will die jeweilige Kapelle um 19 Uhr loslegen.
Die Senioren gelöst und unbeschwert zu sehen, sei schön, unterstreicht Karin Betz, der wie Irmgard Manner nicht das eine positive, wohl aber ein schlimmes Erlebnis im Gedächtnis geblieben ist. 2019 wurde einer der Senioren vor der Festhalle angefahren, die beiden Frauen waren als eine der Ersten an der Unglücksstelle. Besondere Tragik: Der Rentner starb später. „Da muss ich jedes Mal dran denken“, sagt jede für sich. Schwer, da den Bogen zurück zu einem fröhlichen Nachmittag zu kriegen...
Den aber möchten die BRK-ler der Generation Ü 70 bescheren. „Der Umgang ist sehr familiär“, berichtet Karin Betz die Bedienungen werden mitunter beim Vornamen gerufen. „Du, Karin, bringst mer noch a Halbe?!“ Aber klar doch, gerne!
