Jahrhundert-Theater rückt näher: Heiße Probenphase für „Stadt der Seligen“

In knapp vier Wochen ist die Premiere der „Stadt der Seligen“ im Steinbruch in Marching. Seit Anfang Mai laufen die Hauptproben und der Aufbau des Bühnenbildes. Bei der Probe Nummer 24 war schon die einzigartige Atmosphäre vor steil aufragenden, rauen Felsen zu spüren.
Die Probe beginnt: Die „Kascheme“ – das Wirtshaus der Steinmetze – ist schon in Betrieb. An anderen Bühnenelementen mit Requisiten aus dem dreizehnten Jahrhundert wird noch gearbeitet. In kurzer Hose, mit Strohhut und Sonnenbrille spielen sieben Akteure in der prallen Sommerhitze auf der Steinblock-Bühne eine Szene aus dem ersten Akt.
Angespannte Stimmung bei der Probe
„Stop, Stop... du hast den Satz zu früh gesagt“, schreit Steffi Kammermeier auf die Bühne, verlässt ihren Platz unter einem Sonnenschirm, geht auf die Bühne und gibt den Darstellern Anweisung über ihre Sprecheinsätze, Körperhaltungen und Blickrichtungen.
Plötzlich ist ein Schimpfen aus den Tiefen des Steinbruchs zu hören, Ulrich der Grill von Marching taucht zwischen den Felsbrocken auf. Steffi Kammermeier will, „dass der ganze Steinbruch in die Geschichte mit einbezogen wird“ und lässt die handelnden Personen aus verschiedenen Richtungen in die Handlung eintreten.
Im Laufe des Nachmittags wird der Schatten am Rande des Zuschauerbereiches immer breiter. Dort sitzen die weiteren Akteure und warten geduldig auf ihren Einsatz. Beate Riepl, eine erfahrene Laienschauspielerin der Schwoagara Dorfbühne, erfreut sich an der traumhaften Kulisse. „Das hat etwas von Urlaub und wirkt total entspannend auf mich.“
Die beiden Stadträte Alfred Bogner und Wolfgang Mayer haben schon vor 35 Jahren Bauerntheater gespielt. „Wir haben gewusst, dass es viel Aufwand wird mit den Proben. Wir haben aber nicht gedacht, dass es ein halbes Jahr vor der Aufführung beginnt und so intensiv wird. Aber das 750-jährige Jubiläum unserer Stadt ist einmalig und es ist schon etwas Besonderes, aktiv bei diesem Theaterstück dabei zu sein.“
Dass so viele „illustre Mitglieder mit unterschiedlicher Schauspiel-Erfahrung“ auf der Bühne stehen, ist für Regisseurin Steffi Kammermeier, die bislang nur mit Profis zusammengearbeitet hatte, eine neue Erfahrung.
Handysucht im Mittelalter?
Das von ihr selbst ausgedachte Stück hat sie mit vielen Charakteren „wie aus dem richtigen Leben“ gespickt: Eine prunksüchtige Ehefrau, eine naiv-kecke Magd, handysüchtige Burschen, ein derber Wirt, ein besserwisserischer Gschaftlhuber und ein Minnesänger. Insgesamt 42 Rollen beleben das unterhaltsame historische Volksstück. Günter Schweiger ist als Verantwortlicher für das Stück auch eine Art Casting-Chef.
Zurück bei der Probe: Ruhig und gelassen verfolgt Schweiger das „Treiben“ im Steinbruch. Als Regisseurin Kammermeier eine Pause mit Wurstsalat ansetzt, pocht er aber, zügig weiter zu machen, denn „es wollen heute noch Alle dran kommen“. Die anspruchsvolle Regieführung fordere sehr viel Disziplin der Schauspieler, stellt er fest. Weil das Stück extra für Neustadt geschrieben wurde, sei es „quasi eine Welt-Uraufführung.“ Vom Bühnenbild über die Requisiten bis zu den Regieanweisungen musste alles neu erfunden und erdacht werden.
In den verbleibenden 16 Proben wird die „Stadt der Seligen“ immer mehr Gestalt annehmen. Beleuchtung und Tontechnik werden die nächsten Herausforderungen an die Akteure sein.
Das einmalige Theaterstück verspricht, in insgesamt neun Veranstaltungen an drei Wochenenden zu einem eindrucksvollem historischen Ereignis zu werden. Beim Festumzug am großen Festwochenende am 8. Juli zeigen sich die 42 historischen Figuren zum ersten Mal in ihren eindrucksvollen Gewändern.
Aufführungstermine und Tickets
Ort: Das Stück wird unter freiem Himmel im Steinbruch Marching aufgeführt – Zum Drosselfels 20, 93333 Neustadt an der Donau.
Termine: Gespielt wird am 29. und 30. Juli sowie am 4., 5., 6., 11., 12., 13. und 19 August. Beginn ist um 20.30 Uhr, Einlass ist um 19 Uhr.
Tickets: Karten gibt es online bei www.okticket.de oder bei okticket-Verkaufsstellen in der Region für 25 Euro oder ermäßigt für 18 Euro.




