Schüler, die sich würgen: Brandbrief warnt vor gefährlichem Internet-Trend

Nicht an allem sind die Sozialen Medien schuld. Aber dass irrwitzige Trends zum Massenphänomen werden, daran dürften die Plattformen einen großen Anteil haben. Jetzt besorgte ein Brief Regensburger Eltern, der vom Jugendamt kommt und vor einem brandgefährlichen Trend warnt, den man kaum mehr als makabres Spiel abtun kann: Die sogenannte Blackout-Challenge.
„Aktuell ist Fachkräften in einigen Schulen aufgefallen, dass mehrere Kinder und Jugendliche die sogenannte ,Blackout-Challenge‘ nachahmen“, heißt es in dem Brief, der auch der MZ vorliegt. Er datiert auf Anfang Juni. „Bei diesem ,Spiel‘, das auch ,Pass-Out-Game‘ oder ,Choking-Game‘ genannt wird, schnürt man sich selbst oder mithilfe anderer die Luft ab“, heißt es weiter, „meistens durch Würgen oder heftiges, schnelles Atmen“. Der Sauerstoffmangel könne dann zu einer sekundenlangen Ohnmacht führen. „Das Phänomen birgt viele Risiken“, schreiben die Vertreter der Regensburger Jugendamts weiter an die Eltern, „die von Kindern und Jugendlichen stark unterschätzt werden“. Es könne unter anderem zu Knochenbrüchen oder bleibenden Schädigungen im Gehirn führen.
Blackout-Challenge an Regensburger Schule: Sozialarbeiter meldete Fall
Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes erläuterte gegenüber der MZ: „Wir wollen Eltern keine Angst machen, sondern klar sagen: Schaut Euch das Verhalten Eurer Kinder im Internet an“, sagte Esther Christmann, Medienpädagogin in der Jugendschutzstelle. Wer Beobachtungen bei seinen Kindern mache, die auf solche „Spiele“ hindeuten würden, der solle unbedingt mit seinen Kindern das Gespräch suchen.
Ein Jugendsozialarbeiter hat an einer Schule in Regensburg Beobachtungen gemacht, die den Schluss nahelegen, dass auch Schüler die „Blackout-Challenge“ nachgeahmt hätten. „Das sind Einzelphänomene“, betont Christmann. „Aber wir arbeiten präventiv und reagieren deshalb in solchen Zusammenhängen mit einem Elternbrief – auch bei diesem Phänomen.“
Immer wieder verschickt die Jugendschutzstelle Elternbriefe, die vor aktuellen Phänomenen warnen. Zuletzt informierte die Stelle im Mai, dass in verschiedenen Schulen in Regensburg „pornografisches und möglicherweise auch kinderpornografisches Material im Umlauf“ sei. Das betreffe Kinder in der Grundschule ab der 3. Klasse und auch Schülerinnen und Schüler in höheren Klassenstufen an weiterführenden Schulen.
Auch hier empfahlen die Jugendschützer den Eltern, das Gespräch zu suchen: „Wir bitten Sie deshalb mit Ihren Kindern über das Thema zu sprechen und Inhalte dieser Art vom Smartphone zu löschen.“ Doch die Mitarbeiter des Amts für Jugend und Familie gaben auch zu bedenken, dass diese Gespräche sorgsam getätigt werden sollten. „Ein offenes und wertschätzendes Gespräch kann für Verständnis sorgen“, heißt es in dem Elternbrief, der ebenfalls der MZ vorliegt, „während Verbote eher dazu führen, dass Kinder ihre Erlebnisse für sich behalten“. Das könne gerade bei den Jüngeren dazu führen, „dass Kinder ihre Erlebnisse für sich behalten“. Doch wenn Kinder pornografisches Material gesehen hätten, sei dies verstörend, verängstigend und verunsichere. Es benötige Hilfe.
Blackout-Challenge: Spiel um Leben und Tod
Das Gespräch empfehlen die Jugendschützer auch bei der nun auftretenden Challenge. „Wenn man das Gefühl hat, das Kind hat ein schädigendes Verhalten beobachtet oder macht es selbst, dann sollten Eltern das Gespräch suchen. Wenn man das Gefühl hat, es geht in dem Bereich, wo man das selbst nicht mehr in den Griff bekommt, dann kann man sich Beratung und Hilfe holen“, sagt die Mitarbeiterin der Jugendschutzstelle.
Ob die Mediennutzung und Soziale Medien das Familienleben und auch die Kinder verändern, könne man pauschal nicht sagen. Aber: „Eine ständige Mediennutzung verändert, wie Familie funktioniert“, sagt Christmann. „Es gibt sicher Familien, bei denen man das Gefühl hat, die Mediennutzung geht auf Kosten der Kommunikation.“
Ein konstruktiver Umgang mit Medien, das sollten Eltern im Gespräch mit ihren Kindern auch üben. „Man lernt den Kindern ja auch das Fahrradfahren und lässt sie nicht einfach drauf losfahren“, sagt Christmann. So sei es auch mit Handy und Internet. „Mein Wunschalter liegt hier bei zwölf Jahren“, so die Jugendschützerin.
In dem Elternbrief zur „Blackout-Challenge“ wird klar, warum Schulen und Eltern beunruhigt sind. „Die Blackout-Challenge kann aber auch zu einem extrem gefährlichen ,Spiel‘ um Leben und Tod ausarten“, heißt es in dem Brief an die Eltern, „wenn ein bestimmter Punkt der Ohnmacht überschritten wird“. Es werde von den Kindern als „Kick“ oder um „high“ zu werden praktiziert.
„Vor allem über TikTok“ – eine umstrittene, aus China stammende Video-Plattform – „kommen Kinder leicht an Videos, die Aufnahmen von diesem gefährlichen Spiel zeigen und Nervenkitzel versprechen“, heißt es weiter in der Warnung des Jugendamts.
Christmann sagte, auch als die umstrittene Netflix-Serie „Squid Game“ populär war, beobachtete man in Regensburg auch in Grundschulen Nachahmungseffekte. Im Nachhinein sei dies aber in der Summe „nicht dramatisch“ gewesen.