Ein Paradies (nicht nur) für Piepmatze: Rodinger haben zweifach zertifizierten Garten

„Wir müssen eigentlich gar nicht in den Urlaub fahren. Schöner als in unserem Garten können wir es kaum haben“, berichten Ursula und Thomas Groth. Das Rodinger Paar hat viel Arbeit und Liebe in das blühende Schmuckstück gesteckt, das gleich zweifach zertifiziert ist − als Naturgarten und als besonders vogelfreundlich.
Die Liebe zu Vögeln und anderen Tieren war bei ihr schon immer da, erzählt Ursula Groth, im Garten ihres Hauses in der Eichendorffstraße sollte dies auch zum Ausdruck kommen. Überall verteilt hängen und stehen das ganze Jahr über Futterstellen für die Vögel, ebenso Wasserschüsseln. Trinken können die Tiere auch im Teich. „Es ist richtig schön, sie dabei zu beobachten, wie sie sich waschen und trinken“, hat die Gartenbesitzerin einen Lieblingsplatz in ihrem grünen Reich.
18 Arten in nur einer Stunde gesichtet
Das Angebot wird von den Piepmatzen sehr gerne angenommen: Bei der „Stunde der Gartenvögel“, die der Landesbund für Vogelschutz einmal im Jahr durchführt (Ursula Groth war bei diesem Verband lange in der Vorstandschaft tätig), zählte sie innerhalb von nur 60 Minuten 18 verschiedene Arten – „und das sind nur die, die wir auch wirklich gesehen haben“, erläutert sie. Auch in unseren Breiten seltene Arten wie der Mittelspecht waren schon im Garten der Groths zu Gast, „es hat sogar schon Fotos oder Tonaufnahmen gebraucht, damit wir beim Landesbund für Vogelschutz nachweisen konnten, dass die Tiere wirklich da waren“, berichtet die Gartenliebhaberin.
Exoten finden sich auch bei den Pflanzen, so haben etwa zwei große Trompetenbäume ihre Heimat in Roding gefunden. „Mit dem Klima hier kommen sie sehr gut zurecht, der Frost macht ihnen nichts aus“, erzählt Thomas Groth.
Die beiden Zertifikate für den Garten zu bekommen, war gar nicht so einfach, berichtet das Paar. Ein ganzes Bewertungsteam des Landesbundes für Vogelschutz war zu Gast, 17 Kriterien mussten erfüllt werden. So darf etwa keine Chemie zum Einsatz kommen, ebenso wenig darf ein Mähroboter seine Runden drehen. Dafür ist unter anderem für einen zertifizierten Naturgarten Pflicht, ein „wildes Eck“ anzlulegen, in dem die Natur mehr oder weniger sich selbst überlassen bleibt.
Igel über den Winter gebracht
Sie Tierliebe der Groths hört nicht bei den Vögeln an. So stehen über den ganzen Garten verteilt insgesamt elf Igelburgen. Seit drei Jahren überwintert Ursula Groth auch Igel. Im vergangenen Jahr waren es gleich fünf Jungtiere, denen sie so das Überleben ermöglichte. Die kleinen Igel wogen teilweise nur 200 Gramm, brauchen aber etwa das Dreifache an Gewicht, um den Winterschlaf zu schaffen. „Ich habe sie dann aufgepäppelt, und alle haben überlebt, das war wirklich schön“, berichtet Ursula Groth, auch wenn es viel Mühen gekostet hat – unter anderem auch, weil die Igel durch die gestiegenen Temperaturen im Winter mittlerweile oft aufwachen und dann Wasser sowie Futter brauchen. „Das schöne Erlebnis aber, wenn sie den Winterschlaf überstehen, macht die Arbeit locker wieder wett“, unterstreicht die Tierliebhaberin.
Eine große Aufwertung ihres Gartens sehen die Groths in ihrem Teich. Es sei unglaublich gewesen, welche Vielfalt an Tieren sich dort in kürzester Zeit entwickelt habe, berichten sie. Sich einen Teich anzulegen, kann das Paar daher nur jedem anderen Gartenbesitzer raten, „der muss auch gar nicht groß sein“.
„Gibt nichts Schöneres“
Der große Garten macht sehr viel Arbeit, vor allem auch momentan durch das Gießen wegen der hohen Temperaturen. „Früher habe ich bis zu sechs Stunden am Tag im Garten gearbeitet, das schaffe ich nicht mehr“, sagt die 76-jährige Ursula Groth.
Sie und ihr 80 Jahre alter Mann haben sich deshalb auch eine Hilfe geholt, damit der Garten in Schuss bleibt und zu jeder Jahreszeit etwas blühen kann, „anders ginge es nicht mehr“.
Die Beiden sind sich aber einig: Die Mühen sind es wert, „es gibt nichts Schöneres, als draußen zu sitzen, Garten und Natur zu genießen und den Vögeln zuzuhören.“
Drei Kernkriterien zur Zertifizierung
Vorgaben: Um einen zertifizierten Naturgarten zu bekommen, müssen drei Kernkriterien erfüllt sein.
• Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide (erlaubt sind Pflanzenschutzmittel, die der EU-Bio-Verordnung oder den Kriterien des „Natur im Garten“-Gütesiegels entsprechen)
• Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger
• Verzicht auf Torf

