Sensationeller Erfolg für das Goliath: Regensburg hat jetzt sein erstes Fünf-Sterne-Hotel

Von Christian Eckl · 6. Juli 2023 um 11:50

Sternstunde im Goliath: Stephanie und Peter Birnthaler feiern spontan den Ritterschlag. Seit Mittwoch ziert ein fünfter Stern den Eingang ihres Hotels im Herzen der Regensburger Altstadt.

Regensburg, das Juwel an der Donau, bietet Besuchern eine Fülle an Übernachtungsmöglichkeiten – aber nur ein Haus der obersten Kategorie. Das Hotel Goliath darf sich seit Mittwoch mit fünf Sternen schmücken, als erstes und einziges Hotel in der Welterbestadt.

„Als die Email der Deutschen Hotelklassifizerung am Vormittag eintraf, bin ich fast vom Stuhl gefallen.“ Stephanie Birnthaler, die das Haus mit ihrem Mann Peter Birnthaler führt, strahlt am Mittwochabend im Foyer aus jeder Pore. An die 60 Freunde des Hauses sind spontan gekommen, um auf die Auszeichnung der Sonderklasse anzustoßen. Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) las die Information in der Tiefgarage am Salvatorplatz in München nach einer Tagung des Städtetags. „Das ist für mich die Nachricht des Tages“, sagt sie am Abend bei der improvisierten Feier.

Der fünfte Stern sei die verdiente Anerkennung für ein Unternehmerpaar, das mit Hingabe und Herzblut seine Rolle als exzellente Gastgeber wahrnehme. „Ich dachte: Wahnsinn! Das wir das in Regensburg zustande bringen“, so Freudenstein, und: „Diese Auszeichnung bedeutet auch einen Wirtschaftsfaktor.“ Denn wer hier wohnt, der kaufe auch in Regensburg ein, gehe hier aus, entwickle vielleicht Geschäftsideen.

Freude im Goliath über fünften Stern: Rede auf dem Bierkistl

Das Ehepaar Birnthaler erfüllt seit 2007 seinen Gästen jeden Wunsch und bietet im Haus in der Goliathstraße entspannten Luxus. Die Immobilie, in der früher Carlson Kleidung verkaufte, hatte die Familie Rödl übernommen. Stephanie Birnthaler, die für eine kleine Rede im Foyer voller Menschen auf ein Bierkistl gestiegen ist, dankt Thomas Rödl für die Bereitschaft, immer wieder zu investieren. Die 41 Zimmer sind alle individuell, raffiniert und geschmackvoll ausgestattet. Als sich die Hotelchefin an Hedi Winderl wendet, die Frau mit dem Sinn fürs Schöne, die das Hotel eingerichtet hat, brechen ihre Emotionen durch, ein paar Tränen glitzern.

Im Mittelpunkt steht an diesem Abend aber das Team. Während die Branche händeringend nach Mitarbeitern sucht, kann das „Goliath“ auf ein eingespieltes, engagiertes Team bauen. „Wir haben keine Personalsorgen“, sagt Birnthaler. „Wir haben so einen wertvollen Mitarbeiterstamm, Menschen, die unsere Vorstellung von Gastfreundschaft leben. Das ist uns gerade in den Coronajahren bewusst geworden, und das war auch entscheidend, dass wir uns den Schritt zum fünften Stern zugetraut haben.“

Das Hotel Goliath, bislang eine Adresse der Klasse vier Sterne superior, hätte sich längst als Fünf-Sterne-Haus klassifizieren lassen können, erzählt Peter Birnthaler. „Wir haben uns und unseren hohen Anspruch ja nicht verändert.“ Die Branche hat sich allerdings schon verändert: Regensburgs Hoteliers ächzen unter dem Bettenüberhang; zahlreiche Häuser haben in den vergangenen rund zehn Jahren neu eröffnet. Und: Die Anerkennung als Hotel der obersten Luxusklasse hält eine bestimmte Klientel, Geschäftsreisende etwa, eher von einer Buchung ab. Geschäftsreisen aber sind, vor allem seit den Coronajahren, rückläufig.

Auch vor diesem Hintergrund fiel der Entschluss, sich in Regensburg mit seinem reichen Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten um den fünften Stern zu bewerben. Birnthaler: „Wir möchten zeigen, dass wir uns abheben.“ Dass die Deutsche Hotelklassifizierung Stern Nummer fünf aber so prompt gewährt, sei eine Riesenfreude. „So schnell hatten wir das nicht erwartet.“

Müde von Parkplatz-Debatte in Regensburg

Die Birnthalers selbst sind an Regensburgs Bettenangebot nicht ganz unschuldig. Die Unternehmer führen auch das Hotel David, 23 Zimmer roher Luxus in einer Immobilie, deren Geschichte bis zu Regensburgs Wurzeln zurückreicht und die für Sanierung und Ausstattung sogar einen Denkmalpreis erhalten hat, sowie das Hotel Dock 1 im Stadtosten. In München betreibt das Paar außerdem noch erfolgreich das Hotel Miano. Den Schritt in die Landeshauptstadt machte es auch, weil es der Regensburger Debatten über Verkehrsberuhigung und Parkplätze müde war.

„Heute Sternstunde“ steht am Mittwoch am Eingang zum Goliath, fünf goldene Sterne funkeln unter dem Schriftzug. Einige Gäste kommen mit Sterne-Symbolen. Swetlana Panfilow, die Lebensgefährtin von Konzertveranstalter Reinhard Söll, hat eine große „5“ als Luftballon dabei. Und das Team legt sich ins Zeug, hat in wenigen Stunden Hunderte Portiönchen feinen Fingerfoods gezaubert. An Bord ist bereits die Küchenmannschaft, die die Gäste unter Regie von Birnthalers und von Herbert und Monika Schmalhofer bei den Schlossfestspielen verwöhnen wird. Die jungen Profis kommen teilweise von auswärts, etwa aus einem Münchner Drei-Sterne-Lokal. Am 14. Juli ist Premiere in St. Emmeram.

Viele Freunde des Hauses feierten den Stern im Goliath