Neue Verbindung zwischen Sinzing und Regensburg: Bald schwebt die Fahrradbrücke ein

Von Micha Matthes · 29. Juni 2023 um 05:00

Am 4. August gipfelt in Sinzing ein Megaprojekt. Der westliche Landkreis bekommt eine neue Verbindung über die Donau: Eine 244 Meter lange Stahlbrücke für Fußgänger und Radfahrer.

Die Teile dafür werden im Werk der Brückenbaufirma in Sengenthal vorgefertigt. Die kleineren Brückenteile für den Bereich des Sinzinger Ufers werden per Tieflader über die Straße angeliefert und vor Ort zusammengebaut. Die beiden großen Teile werden über die Wasserstraße der Donau herangeschafft.

Die Größe der Schleusenkammern setzt das Limit für die Größe der einzelnen Abschnitte. Die Schiffe müssen mit ihrer Fracht zunächst nach Regensburg und dort wenden. Anschließend gehen sie im Bereich der Prüfeninger Donaufähre in Warteposition. Das größte Brückenteil wird knapp 100 Meter lang und etwas weniger als 200 Tonnen schwer sein.

Bahnstrecke und Wasserstraße: Mehrere Sperrungen nötig

Dieses Monstrum muss vom Wasserspiegel aus 15 Meter hochgehoben und auf die bestehenden Bahnbrückenpfeiler neben der Bahnspur abgesetzt werden. Dabei wird eine Spannweite von mehr als 80 Metern überbrückt. Ein Schiff mit speziellem Schwerlastkran wird dazu extra aus Duisburg anreisen. Gegen 21 Uhr geht es in Position, dreht sich zwischen den mittleren Brückenpfeilern ein und wird dort verankert.

Für den gewaltigen Kraftakt müssen sowohl die Schifffahrt als auch der Bahnverkehr an dem betroffenen Freitag ab 21 Uhr bis in die Nacht hinein ruhen. Der eigentliche Einhub findet wahrscheinlich zwischen 22 und 23 Uhr statt. Damit die Herkulesaufgabe gelingt, müssen bei der Millimeterarbeit aber auch noch Wetter, Wind und der Wasserstand mitspielen. Am Samstagabend, 5. August, wird sich das Schauspiel dann noch einmal wiederholen. Dann setzt der Kran das zweite Teil mit einer Länge von knapp 83 Metern von der Donau aus ein.

Das dritte Segment wird dann auf dem Landweg in sechs Einzelteilen angeliefert. Sie werden an der Uferseite von Sinzing zusammengefügt. Eine Menge Erde wurde dafür bereits bewegt, Bäume und Sträucher gerodet. Der Unterboden wurde herausgebaggert, zwischengelagert und in dem Freiraum ein großer befestigter Platz angelegt. Dort stemmen sich auch bereits gewaltige Fundamente für einen weiteren Kran an Land in den Boden. Ein Behelfspfeiler, auf dem das dritte Segment beim Einbau kurz zwischengelagert werden muss, wird noch gebaut. Eingehoben wird dieses letzte Teilstück voraussichtlich eine oder zwei Wochen nach den ersten beiden Segmenten. Auch dafür ist wieder eine Sperrung der Bahnstrecke nötig.

Wichtige Donauquerung zwischen Stadt Regensburg und Sinzing

Sind dann alle Teile an ihrem Platz, sollen anschließend alle Hilfskonstruktionen wieder rückgebaut, die Erde zurücktransportiert und die Auenlandschaft unter der Radbrücke wiederhergestellt werden.

Die Betonarbeiten auf den Pfeilern für die neuen Sockel, auf denen die Brücke letztlich aufliegt, sind fast fertig. Die an die Brücke anschließenden Radwege ebenfalls. Nur die Feinschicht – die letzten drei Zentimeter Asphalt – wurde noch nicht aufgetragen, damit der Belag nicht noch von den schweren Baufahrzeugen beschädigt wird. Diese Schicht soll dann im Oktober kommen. Komplett fertig wird die Radstrecke über die Donau erst im Dezember. Bis dahin müssen dann noch Teile verschweißt, Lager und Schwingdämpfer eingestellt und eine Pulverbeschichtung aufgetragen werden.

Wer von Sinzing aus über die Donau will, hat drei Alternativen: Die Autobahnbrücke, die parallel verlaufende Eisenbahnbrücke Sinzing mit dem 1,25 Meter breiten Fußgängersteg und die Eisenbahnbrücke bei Mariaort mit einem ebenso schmalen Steg. Ansonsten bleiben nur Umwege oder unregelmäßig fahrende Fähren. Der derzeitige Fußgängersteg bei Sinzing wird damit zu einer der wichtigsten Donauquerungen zwischen der Stadt Regensburg und dem westlichen Landkreis.

Eisenbahnbrücke Sinzing: Bis zu 1200 Passanten pro Tag

„Die Verbindung nutzen Erholungssuchende und Freizeitsportler aus der Stadt genauso wie Berufspendlern und Schüler aus dem Landkreis“, sagt Patrick Grossmann, Bürgermeister von Sinzing. „Aufgrund der geringen Breite und dem niedrigen Geländer ist der Steg aber eigentlich nur für Fußgänger zugelassen.“ An Wochentagen würden den Steg rund 600 Fußgänger und Radler nutzen, an Wochenenden seien es bis zu 1200 Personen pro Tag. Allerdings seien die Zahlen schon etwas älter und der Radverkehr habe in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Mit vier Metern Breite bietet die neue Brücke natürlich wesentlich mehr Platz. „Das Projekt wird in Sinzing freudig erwartet, weil damit eine wesentliche Lücke im donauüberschreitenden Geh- und Radwegenetz geschlossen wird“, sagt Grossmann. Es sei auch ein hervorragendes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit.

Bereits im Dezember 2014 hatten Regensburg und Sinzing einen ersten Vertrag zur gemeinsamen Planung geschlossen, den enormen Umfang und die Schwierigkeiten eines solchen Vorhabens wohl erahnend. Die Kosten der Gesamtmaßnahme betragen laut Pressemitteilung der Stadt rund zwölf Millionen Euro. Der Freistaat schießt 6,4 Millionen Euro zu. Stadt und Gemeinde teilen sich den Rest.

Arbeiter bereiten den Uferpfeiler auf Prüfeninger Seite für den Einhub der Brücke vor.
Die Sockel, auf denen die Brücke dann aufliegen soll, sind fast fertig. Foto: Stadt Regensburg
Direkt neben der Eisenbahnstrecke werden die Teile der Radbrücke auf die Pfeiler gesetzt. Foto: Ingenieurbuero Sabine Wiederer
Der aktuelle Fußweg neben der Brücke ist eigentlich zu schmal für die Nutzung durch Radler.