Donaustauf bereitet sich auf Flüchtlingsschiff vor

Von Micha Matthes · 27. Juni 2023 um 17:38

Fünf Wochen bleiben den Verantwortlichen noch. Die MS Rossini kommt ab August für sechs Monate nach Donaustauf und die Vorbereitungen dafür laufen an.

Nun werden die Bürger informiert, Helfer organisiert und es wird über die nötige Infrastruktur nachgedacht. Die Reaktionen auf die Verlegung des als Notunterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge genutzten Flusskreuzfahrtschiffes fallen derweil gelassen bis durchwachsen aus.

Sein Telefon stehe nicht mehr still und er erhalte Anfeindungen, hatte Thomas Schmalzl, Bürgermeister von Bach (CBV), einen Tag nach Bekanntwerden der Entscheidung für die dortige Anlegestelle im Januar gesagt. Natürlich muss man bedenken, dass Bach bezüglich der schwimmenden Notunterkunft eine Pionierrolle zukam und der Ort (1200 Einwohner) wesentlich kleiner ist als Donaustauf (4400 Einwohner).

Gemeinde informierte die Bürger

Trotzdem ist die Stimmung in Donaustauf anders. Am Montag machte nun dort die Nachricht von der Verlegung der MS Rossini die Runde. Bürgermeister Jürgen Sommer (SPD) war nach eigenen Angaben seither viel im Ort unterwegs. Die Reaktionen auf das Schiff? „Gar keine“, sagt Sommer gestern. „Die kommen wohl erst, wenn es wirklich da ist.“ Bis dahin sehe er der Sache gelassen entgegen. Der Helferkreis habe sich gemeldet und mit ihm ein Treffen vereinbart. Ansonsten habe die Gemeinde „alles getan, was möglich war, um die Bürgerschaft darauf hinzuweisen“. Pressemitteilungen wurden herausgegeben und online gestellt, Aushänge an Infotafeln gemacht. Darin auch der Aufruf: „Sollten Sie bei der Betreuung der asylsuchenden Menschen mithelfen wollen, freuen wir uns über eine entsprechende Rückmeldung.“

Helferkreis in Donaustauf will Flüchtlinge begrüßen

2013 hatte Donaustauf als eine der ersten Gemeinden im Landkreis eine größere Anzahl von Asylsuchenden aufgenommen. Der Asyl Arbeitskreis „MUMM“ (Mut- und Mitmacher) entstand und besteht bis heute. In Donaustauf leben aktuell mehrere geflüchtete Familien und Frauen. Jetzt kommen noch einmal 30 Personen hinzu. „Damit werden dann 47 fest in Donaustauf wohnen“, sagt Anja Beckerle, die den Helferkreis leitet. „Das sind sehr moderne Leute, die ganz arg bemüht sind, Deutsch zu lernen, Anschluss zu finden und hier Fuß zu fassen.“ Zum Teil hätten sie auch vorher schon auf der MS Rossini gelebt. Wenn das Schiff im August nach Donaustauf komme, seien das natürlich viele Leute auf einmal. „Wir können mit unseren zwölf Mann vom Helferkreis nicht 147 Personen betreuen. Aber das müssen wir auch nicht. Es gibt eine Crew, Dolmetscher, das Landratsamt und die Leute können sich auch selbst gut helfen“, sagt Beckerle. „Wir werden sie unterstützen. Wenn sie angekommen sind, werden wir sie erst mal als neue Nachbarn begrüßen und fragen, wo wir weiterhelfen können.“ Beckerle will den Ort vorstellen und dabei helfen, sich zu orientieren. In einem zweiten Schritt werde ausgelotet, welche Hobbys die Leute haben. „Wir sprechen dann Vereine gezielt an und stellen Kontakte zwischen den Interessierten und Vereinen her.“

Donaustauf: Wo legt das Flüchtlingsschiff MS Rossini an?

Die zuständige Fachabteilung werde nun in Absprache mit allen beteiligten Stellen die notwendigen Schritte einleiten, damit das Schiff nach Donaustauf umziehen kann, sagt Hans Fichtl, Pressesprecher im Landratsamt. Detailfragen dazu könnten noch nicht beantwortet werden. Vier Anlegestellen gibt es in Donaustauf zwischen der Abzweigung Wörther Straße und der Walhalla. Wenn man den Ort Richtung Osten verlässt, wird die MS Rossini am zweiten oder am dritten Steg zu finden sein, sagt Fichtl. An welchem genau, müsse noch mit der Eigentümerin besprochen werden.

Wolfgang Weigert, 2. Bürgermeister von Donaustauf (CSU), hat die Stimmung bei den Bürgern anders erlebt als Sommer. „Mein Eindruck ist, dass sich die Begeisterung stark in Grenzen hält, dass man aber ein Stück weit abwartet“, sagt er. Erschließungssituation und Stromversorgung an der Donau seien nicht optimal. „In 100 Metern ist die nächste Wohnbebauung. Für die Anwohner wird es unangenehm, wenn die Schiffsmotoren permanent laufen.“

Marktrat Florian Eckert (Bürgerliste) hat noch wenig Reaktionen erhalten. Sein Eindruck: „Die Befristung auf sechs Monate trägt dazu bei, dass es als notwendige Sache mitgetragen wird.“ Das Beispiel Bach habe gezeigt, dass es vertretbar ablaufe. „Wenn es aus der Bevölkerung Unmut gibt, werden wir vermitteln.“ In seinem Umfeld fielen die Reaktionen positiv aus, sagt Marktrat Nicolai Bube (Grüne). „Die Infrastruktur ist in Donaustauf besser. Wir haben den Helferkreis.“ Er habe das Schiff in Bach besucht und sei von der Unterbringungssituation beeindruckt – „viel besser als eine Turnhalle zu belegen.“