Die großen Pläne des Waldmünchner Pflegestifts im Hotel gegenüber

Von Petra Schoplocher · 28. Juni 2023 um 05:00

Bernd Pirner erinnert sich genau an seinen ersten Reflex: Was will ich mit einer Gaststätte? Gefolgt ist er ihm nicht. Stattdessen ist der Pflegestift-Chef mittlerweile Herr des Kupferdachls und einer stattlichen Anzahl Hotelzimmer. Was sie allerdings nicht bleiben sollen.

Der Skepsis der ersten Anfrage, ob sich sein Arbeitgeber, die Dienste für Menschen g(emeinnützige) GmbH ein Engagement im Kupferdachl nach dem tragischen Tod des Wirts Toni Meier Ende 2020 vorstellen könne, ist längst Begeisterung gewichen. Sie ist zu spüren, als Pirner am Montag Abend vor einer „überraschend und stolz machenden“ Anzahl Interessierter die noch weiter reichenden Pläne erläutert.

Kupferdachl-Kauf war der Türöffner

„Die Räumlichkeiten haben sich nahezu aufgedrängt“, sagt Pirner; Er meint das Hotel, schließt aber die Gaststätte mit ein. Deren Kauf sei erster Schritt und Türöffner gewesen. Der zweite folgt nun: Aus den Hotelzimmer (nur die wurden gekauft, Gemeinschaftsflächen wie die frühere Rezeption bleiben Gemeinschaftsflächen) werden Pflegezimmer.

23 Hotelzimmer werden umgebaut

23 an der Zahl, zwei davon sind für eine Doppelbelegung konzipiert. Damit verdoppelt sich das „kleine Haus“ (Bernd Pirner) mit seinen 35 Betten annähernd. Hinzu kommen Funktions- und Gemeinschaftsräume, Bewohnerbad, Umkleiden und Co. Weil die Einheiten alle bereits über ein Bad verfügen, muss in die Substanz kaum eingegriffen werden. „Ideal“, beteuert der Heim- und Regionalleiter.

„Gesundes Wachstum“

Pirner spricht von „Wachstum in gesunder Größe“. Befeuert durch die Nähe zur bestehenden Einrichtung und letztlich bestärkt durch die erfolgreiche Suche nach Personal. So sind die Fachkräfte für die Expansion bereits eingestellt („So viel Holz kann ich gar nicht klopfen, als dass ich die schon habe“).

Klar ist damit: „Da gehen wir gewaltig in Vorleistung.“ Weil Schüler im September fertig würden, der neue Bereich aber frühestens im November fertig wird. Weil Fachkräfte einen Eintrittstermin und diesen im Sinne der Planungssicherheit auch bräuchten.

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Bernd Pirner hat sich vom ersten Moment an eine Menge Gedanken gemacht. Und erkannt: Wenn das Stift renoviert werden soll, dann ist „jetzt“ der richtige Zeitpunkt. Schließlich haben knapp 25 Jahre intensive Nutzung vor allem an Böden und Wänden Spuren hinterlassen.

Nur noch große Doppelzimmer

Umfunktioniert werden dann auch die derzeit acht (zu kleinen) Doppelzimmer für Alleinbelegung. Zwei soll es künftig noch geben, im neuen Bereich (dessen Name sich finden wird) und mit rund 36 Quadratmetern auch angemessen groß.

Folglich werden die ersten Bewohner im Hotel „eigene“ sein, „vielleicht plus ein paar neue“. Sind die beiden Etagen im Stift dann renoviert, könnte man das Vorhaben konzeptionell(er) angehen und zunächst die geringeren Pflegegrade in den „Neubau“ umziehen – nach entsprechenden Absprachen.

Die Belegungs-Strategie

Nach und nach werde sich dies mischen, schließlich nehme die Pflegebedürftigkeit meist zu. „und wir werden sicher niemanden deswegen zurückverlegen“. Wegen der räumlichen Trennung werde es künftig erstmals zwei Bereichsleitungen geben, erklärt er.

Peu à peu und nach Personallage werde man das Haus belegen – wie stets nach dem Grundsatz „die Region zuerst“ (was im Übrigen auch für die am Umbau beteiligten Firmen gelte). Die Häuser schnell mit schwerstpflegebürftigen (und finanziell lukrativen) Patienten voll zu bekommen, sei bei der bundesweit hohen Nachfrage kein Problem, „aber das ist nicht unser Ansatz“.

Wer bezahlt das Alles?

Sorgen – die auch aus dem Publikum zu vernehmen waren – , dass Angehörige oder Betreute aufgrund der Baumaßnahme zur Kasse gebeten werden, erteilt er eine Abfuhr. Allerdings „werden Kostensteigerungen kommen“, sagt er nicht zuletzt mit Hinweis auf gestiegene Personalkosten (Furth im Wald ist an den Öffentlichen Dienst-Tarif angeschlossen) sowie die allgemeinen Preiserhöhungen.

Das Geld für den Umbau komme aus dem, was das Gesamtunternehmen erwirtschaftet. Das war schon immer so, erklärt Pirner, und genau das Wertvolle an der gemeinnützigen GmbH, die nicht Gewinnoptimierung oder Investoren unterworfen ist. „Wir wissen, wo das Geld hinfließt.“

Blick auf die Konkurrenz

Auch Bernd Pirner hat seine Überzeugungen. Als das Kupferdachl zu haben war, gab es „natürlich“ Überlegungen in Richtung Tagespflege oder ambulantem Dienst. Zwar belebe Konkurrenz das Geschäft, aber es müsse ja nicht sein, dass man sich am Ort gegenseitig Personal und Kunden wegnehme, erklärte er rückblickend.

Noch einmal Konkurrenz: „Wenn wir es nicht gemacht hätten, dann vielleicht ein anderer“, unterstreicht er, um entsprechende Anfragen wissend. Einen Mitbewerber direkt vor der Nase? Nein, damit hätte er nicht leben können.

Kupferdachl als Bindeglied

Das Kupferdachl, das der Chef als Bindeglied und Begegnungsstätte verstanden wissen will, wird diesem Ruf an dem Informationsabend voll und ganz gerecht. Anlieger, Nachbarn und Interessierte reden sich Sorgen und Nöte von der Seele: Parkplatzprobleme, Schallschutz, mangelnde Übernachtungsmöglichkeiten für auswärtige Angehörige, Energiekosten und -unsicherheiten.

Als Rückenwind für das Projekt sieht Bürgermeister Markus Ackermann den guten Besuch – rund 60 Frauen und Männer. Waldmünchen sei froh und dankbar um diese qualitätvolle Einrichtung mit ihrer hervorragenden Reputation. Und um die strategische, mit Leidenschaft vorangetriebene Initiative.

ECKDATEN ZUM PROJEKT

Geschichte: Das Haus der gemeinnützigen GmbH „Dienste für Menschen“ besteht seit 1999. 2016 kam das Heim in Furth im Wald dazu, 2021 kaufte Dienste für Menschen das Kupferdachl, das seit Mai für alle Bürger geöffnet ist.

Kapazität: Aktuell bietet das Pflegestift 35 Plätze, im Hotelbereich kommen bis Jahresende 25 hinzu.

Kosten: Die Investition im „mehrfach sechstelligen Bereich“ wird nicht auf die Bewohner umgelegt.

Vor dem Hoteleingang: (von rechts) Nachhaltigkeitsbeauftragte Sonja Bierl, Heimleiter Bernd Pirner, Pflegedienstleiterin Nadine Pirner, (Palliativ- und Pflegefachkraft Andrea Lintl, „die Mutter des Kupferdachl“ Margarete Eiber, Architektin Yvonne Schrattenthaler und Bürgermeister Markus Ackermann.
Das Zeichen der Diakonie hat Bernd Pirner schon mal symbolisch an die Wand „gemalt“. Die Philosophie dahinter wird im Haus gelebt.
Von guter Substanz und freundlich, aber in die Jahre gekommen. Die Zimmer werden renoviert und gemäß ihrer neuen Anforderungen ausgestattet.