„Rennweg Süd“: So wird Kelheims „Filetstück“ beim Keldorado aufgeteilt

Das freie Gelände westlich vom Keldorado in Kelheim war eines der heißen Themen im Kommunalwahlkampf 2020. Als Standort für ein neues Seniorenheim ist das Areal längst vom Tisch. Nun soll sich dort eine Schule ansiedeln.
Der Tagesordnungspunkt im Stadtrat am Montagabend war etwas verklausuliert formuliert. Bei der „Entscheidung über die künftige Gliederung der baulichen Nutzung“ im Bebauungsplangebiet „Rennweg Süd“ ging es im Grunde um die Wahl einer von drei Varianten, wie die Gebäude des Sonderpädagogischen Förderzentrums Kelheim (SFZ), das der Landkreis in der Kreisstadt neu bauen will, angeordnet sein sollen und welches Areal der Stadt zur weiteren Beplanung selbst bleibt.
Landkreis fragte Grundstück beim Keldorado an
Bislang findet sich die Eduard-Staudt-Schule in Thaldorf. Nun plant der Landkreis den Neubau. Die Stadt erklärte 2022, dass sie sich diesen am Standort westlich des Keldorados vorstellen könne. Weiterer Teil der Gespräche: Im Gegenzug soll die Kreisstadt das Schulgrundstück in Thaldorf inklusive Liegenschaften erhalten, um sie künftig als Kindergarten zu nutzen. Im Stadtrat ging es am Montagabend darum, „ob wir das Angebot des Landkreises annehmen wollen oder nicht“, so Bürgermeister Christian Schweiger. Schließlich habe auch im Raum gestanden, „dass die Schule nach Saal abwandert“.
Machbarkeitsstudie förderte drei Optionen zutage
Der Landkreis ließ anhand des gemeldeten Raumbedarfs eine Machbarkeitsstudie erarbeiten. Am Montag stellte Stadtbaumeisterin Andrea Rieger drei Standortvarianten im Kelheimer Areal „Rennweg Süd“ vor.
Das neue SFZ braucht mehr Platz. Für Unterrichtsräume, einen Pausenraum, einen Allwetterplatz, eine Einfach-Turnhalle sowie Parkplätze für Lehrer und Mitarbeitende.
Kreisausschuss tagt am 3. Juli
Damit der Landkreis am 3. Juli im Kreisausschuss über das weitere Vorgehen beraten und entscheiden könne, war eine Stellungnahme der Kreisstadt nötig.
Die drei Varianten zeigten, wie Baukörper und Freiflächen angeordnet werden könnten. Variante A zeigte eine Nord-Süd-Anordnung direkt neben dem Keldorado entlang der Straße „Am Altmühlfeld“. Im Westen und Süden bliebe Platz für bis zu acht Einzel- oder Doppelhausparzellen, hieß es. Diese Variante wäre dem Landkreis am liebsten, weil der Flächenbedarf am geringsten ausfiele. Bürgermeister und Stadtbaumeisterin argumentierten allerdings, dass hierbei zum einen eine „Doppelerschließung“ nötig sei. Überhaupt sei dies für die Stadt die ungünstigste Variante.
Christian Schweiger: Variante C am „wenigsten Konfliktpotenzial“
Auch Variante B empfahl Rieger den Stadträten nicht. Hierbei entstünde die neue Schule quasi von Norden her auf dem heutigen Keldorado-Parkplatz und dem sich anschließenden Grund direkt am Rennweg. Die verbleibenden Grundstücke der Stadt fänden sich zwischen Schule und Kegelhalle. Dies sei von der Struktur her ungünstig. „Ich weiß nicht, wer da wohnen wollen würde“, so Rieger.
Blieb Variante C. In dem Fall würde die Schule im Süden im Anschluss an die Kegelhalle gebaut, das Areal zum Rennweg hin, bliebe der Stadt zur weiteren Planung. So könnte etwa Wohnbebauung oder Anderes „zusammengefasst“ im Norden entstehen. Der „Hartplatz“ der Schule sei am weitesten von einer Wohnbebauung entfernt. Auch die Turnhalle würde „viel Lärm schlucken“. Bürgermeister Schweiger sah hier „am wenigsten Konfliktpotenzial“ mit Anwohnern.
Am Ende waren alle Fraktionen überzeugt, dass Variante C „den größten Freiheitsgrad“ für die Stadt verspreche.
Christian Rank: Wurde auch Eduard-Staudt-Schule gefragt?
Christian Rank (Grüne) fragte, ob man auch die Schule gefragt habe, welche Variante sie bevorzuge. Aus einer Reaktion von der Empore war zu entnehmen, dass dies wohl nicht der Fall war. Claus Hackelsperger (SPD) fand es generell „nicht richtig“ Kelheims „Filetstück“ an den Landkreis abzugeben.
Für die Stadt sei zudem interessant, dass Schulturnhalle und Hartplatz auch den Vereinen zur Verfügung stehen könne und dass sich durch den Umzug ans Kelheimer Schulzentrum (auch Donau-Gymnasium und Mittelschule finden sich beim Keldorado) erhebliche Kosteneinsparungen bei der Schülerbeförderung ergeben, argumentierte Schweiger. Er sprach von jährlich 300.000 Euro.
Was letztlich auf der verbleibenden Fläche der Stadt entstehen soll, müsse der Stadtrat im aktuell ruhenden Bauleitplanverfahren diskutieren. Das könne Wohnen sein, aber eventuell auch ein Jugendtreff oder Sonstiges.
Stadt Kelheim kauft im Gegenzug Areal in Thaldorf
Details: Die Entscheidung war in fünf Unterpunkte gegliedert.
Zusage: Einstimmig war der Stadtrat für den Bau des SFZ am „Rennweg Süd“.
Anordnung: Auch für Variante C aus der Machbarkeitsstudie des Landkreises (Anordnung der Schulgebäude auf dem Gelände) votierten die Stadträte einstimmig.
Verkauf: Mit einer Gegenstimme war das Gremium grundsätzlich auch für den Grundstücksverkauf (ca. 7500 Quadratmeter) zum Verkehrswert.
Zusicherung: Einstimmig sicherte der Stadtrat dem Landkreis des Weiteren zu, dass die Stadt den Modulbau plus Halle in Thaldorf nach Beendigung der SFZ-Nutzung vom Landkreis erwirbt, um diese als Kindergarten zu nutzen. Dies gilt nicht für den „nicht mehr nutzbaren Altbau“.
Einzelheiten: Ebenso einstimmig war der Stadtrat dafür, dass „zu gegebener Zeit über weitere Details der Grundstücksgeschäfte“ beraten und entschieden wird.