Geniales Miteinander im Audimax Regensburg

Von Claudia Böckel · 22. Juni 2023 um 19:00

Regensburg. Der langsame Satz aus dem Gassenhauer-Trio Beethovens war die Zugabe nach dem oft nicht so sehr geschätzten Konzert für Violine, Violoncello, Klavier und Orchester in C-Dur, op. 56.

Und gleich hier muss man sagen: Klaviertrio mit modernem Instrumentarium und moderner Spielweise möchte man nicht mehr hören, wenn man Isabelle Faust, Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout einmal gehört hat, wie sie mit einem Hammerflügel der Firma Blüthner von 1859 und Streichinstrumenten mit Darmsaiten und historisch informierter Spielweise dieses Adagio zelebrieren, die mit feinsten Abschattierungen, mit ausschwingenden Melodiebögen Beethovens Ideen ausloten und auf unerhörte Weise nah an der Musik dran sind. Jeder moderne, noch so gute Konzertflügel übertönt die Streicherkollegen, die ihrerseits sich ins Zeug legen müssen, um bestehen zu können. Und hier: Entspannteste Musizierlust und ein geniales Miteinander, natürlich auf höchstem Niveau. Besser geht es nicht.

Gespannt wie eine Feder

Für das Beethoven-Festkonzert bei Odeon hatte man zu den drei Solisten das Kammerorchester Basel eingeladen. Mit der Schola Cantorum gibt es in Basel eine Tradition der Historischen Aufführungspraxis, die sich ausgebreitet hat. Die Musiker und Musikerinnen sind nicht nur historisch informiert, sie wissen alle genau, mit welchem Zugriff sie welche Musik spielen. Mit Giovanni Antonini, Gründungsmitglied und Leiter von „Il Giardino Armonico“, einem der führenden Alte-Musik-Ensembles, hatten sie einen Dirigenten, der ohne Dirigentenstab, dafür mit dem ganzen Körper und der ganzen Seele die Musik vorlebt. Gespannt wie eine Feder steht er am Pult, muss niemanden mitziehen, weil alle mit so viel Freude und Engagement am Werk sind, wie man es nur selten erlebt.

Sehr geheimnisvoll der Beginn des Tripel-Konzerts, die Solisten agieren durchsichtig und gefühlvoll, keiner sieht sich selbst im Vordergrund. Der Ansatz ist kammermusikalisch, ist ein musikalisches Miteinander bis ins kleinste Motiv hinein. Das Orchester steht nicht als Tutti-Register extra, sondern ist aufs Innigste mit den Solisten in Kontakt. Feinste Klanggespinste, raffinierteste Bläsersoli vom Orchester zwischendrin, dazu Glanzlichter der Solovioline, Sonores von Sol Gabetta und als Hintergrundfolie ein wunderbarer sanfter Klavierklang.

Präzise bis zum letzten Paukenschlag

Den Beginn machte eine Schauspiel-Ouvertüre von Joseph Martin Kraus. Alles sehr frisch, man setzte auf Gegensätze und sorgte schon da für beste Stimmung. Beethovens Achte op. 93 nach der Pause atmete von Anfang an Weite, die Musik klang durchsichtig und zupackend zugleich, geschmeidig, zu unerhörten Steigerungen sich aufschwingend, Geräuschhaftes kultivierend, zerfasert manchmal, dann wieder schlank und präzise bis zum letzten Paukenschlag mit den härtesten Schlägeln, die man sich vorstellen kann. Eine Sternstunde war dieses Konzert, brachte einen zum Lachen, weil man Beethovens Witz so genau traf, und zeigte, wie diese Musik zu Anfang des 19. Jahrhunderts geklungen haben mag.