Der „Kick, nicht erwischt zu werden“ wird in Bad Kötzting zum teuren „Spaß“

Bad Kötzting. Bürgermeister Markus Hofmann und Bad Kötztings stellvertretender Polizeichef Josef Weindl sind mit Blick auf die Toilettentüren zufrieden: „Stark“ steht da zu lesen, zumindest, wenn weiß, was der Schriftzug bedeuten soll. Zufrieden sind die beiden aber nicht, weil sie selbst künstlerisch an den Türen am Sinocur tätig gewesen sind, sondern weil herausgefunden werden konnte, wer der „Künstler“ war.
Neben den beiden Türen hat ein 19-Jähriger Rimbacher denselben Schriftzug auch noch an einem Stromverteiler, einem Wartungsschacht und sowie an einem Unterstand des vor kurzem geräumten Verbrauchermarktes in der Nachbarschaft des Sinocur angebracht. Alles innerhalb kurzer Zeit um 1 Uhr Morgens am 19. Mai dieses Jahres.
Stadt treibt Geld auch
ein
Der entstandene Schaden dürfte wohl um die 1000 Euro liegen, schätzen die beiden beim Pressegespräch am Mittwochvormittag vor Ort. An sich nicht die Riesensumme – doch in Summe ein großes Problem, das alle Gemeinden in der Region betrifft.
Es ist erst wenige Wochen her, da hatte die Polizeiinspektion die Bürgermeister aller elf Gemeinden in ihrem Schutzgebiet zum Sicherheitsgespräch ins Bad Kötztinger Rathaus eingeladen. Besprochen wurden dabei viele Themen, die nicht in allen Orten gleich schwer gewichtet wurden – bis auf das Thema der Sachbeschädigungen. Viele Bürgermeister hatten sich damals in der Art geäußert wie: „Früher hab’ ich mir gedacht, das ist nicht so schlimm, aber jetzt zeige ich alle Beschädigungen an, auch die kleinste.“
Ein Weg, den die Stadt schon seit Jahren eingeschlagen hat, und weshalb der Fall des 19-Jährigen eben doch wichtig sei, so der Bürgermeister. „Wir zeigen alles an und verfolgen unsere Ansprüche auch“, sagt er, und außerdem: „Wir haben das Geld auch noch von jedem wieder bekommen, wenn der Täter ermittelt werden konnte – im schlimmsten Fall muss das Geld halt abgestottert werden.“
Ein Verhalten, das Wirkung zeige, wie Weindl und Hofmann sagen. Seit rund einem Jahr habe es keinen Fall rund um das Sinocur gegeben, der hätte angezeigt werden müssen. Dass die Wachsamkeit trotzdem nicht nachgelassen hat, das musste der junge Mann in diesem Fall nun erfahren.
Da sei zum einen der Wächter, der niemals schlafe am Sinocur: Da es seit der Eröffnung vor sieben Jahren immer wieder Sachbeschädigungen gegeben hatte, war es für die Stadt rechtlich kein Problem, die Genehmigung für Überwachungskameras auf jeder Etage zu bekommen. Die hatten erst vor rund einem Jahr sogar zur Verurteilung eines Mannes Geführt, der einen anderen unter einer Kamera brutal zusammengeschlagen hatte.
Täter bis dahin unauffällig
An diese Kamera hatte der Mann sicher nicht gedacht, als er sich an sein nächtliches Werk machte. Die Kamera habe ein sehr gutes Bild aufgezeichnet, das Weindl „nur den richtigen Leuten“ habe zeigen müssen – und schon war der bis dahin polizeilich unbekannte 19-Jährige plötzlich doch bekannt. Ein Vorteil für den Täter: Noch bevor die Polizei bei ihm klingeln konnte, stellte er sich selbst auf der Inspektion und gestand alles. Das werde ihm vor Gericht wohl positiv ausgelegt, schätzt Weindl. Den Schaden begleichen müsse er aber natürlich trotzdem.
Fast schon komisch-tragisch wirkt dabei die Begründung, die der 19-Jährige für seine Tat angab: Er habe sich durch „den Kick, nicht erwischt zu werden, stark gefühlt“, sagt Weindl.
Taten der vergangenen Jahre
Historie: Vor über 30 Jahren wurde der Kurpark in den Auwiesen eröffnet, und seitdem kommt es auch immer wieder zu Sachbeschädigungen in diesem Bereich – seit 2016 das Präventionszentrum Sinocur eröffnet worden war, häuften sich auch hier die Fälle von Sachbeschädigungen.
Laternen: Eine der teuersten Beschädigungen liegt schon über zehn Jahre zurück. Damals wurden mehrere Laternen im Kurpark regelrecht zerstört, der Schaden lag damals bei weit über 10 000 Euro.
Die Sonne: Ebenfalls rund 10 000 Euro Schaden gab es Anfang 2020. Damals war auch die Sonne des Planetenweges auf dem Hügel im Kurpark zerstört worden, die Täter wurden gefasst.
Körperverletzung: Vier Jahre im Gefängnis verbüßt seit vergangenem Jahr ein damals 43-Jähriger, der einen 50-Jährigen ebenfalls unter einer Kamera im Sinocur schwer verletzt hatte. Um für noch mehr Sicherheit zu sorgen, wurde eine Sicherheitswacht installiert, die auch im Kurpark präsent ist.
