Musik, Tanz und Schauspiel in den Gassen der Altstadt

Zum Abschluss der Regenburger Spielzeit gibt es ein einzigartiges Nachhaltigkeits-Experiment.
„Gut beschuht“, mahnte Theaterintendant Sebastian Ritschel an, sollte man schon an den „Wahrheiten“-Wochenenden Anfang Juli sein. Weniger im Hinblick darauf, dass es ein extrem weiter Weg bis zur Wahrheit ist, als vielmehr um den Stadtparcours zu verschiedenen Spielstätten in der Altstadt ohne Blessuren zu bewältigen. „Auch ein Regenschirm…“, setzte Klima-Agentin und Projektleiterin Johanna Loher bei der Vorstellung des StadtraumProjektes im ehemaligen Gloria-Kino an, als schon von allen Seiten abgewunken wurde: „Ach was, es regnet nicht!“
Die durch den Klimawandel wesentlich mit verursachte Trockenheit mag diese Einschätzung realistisch erscheinen lassen. Und sie führt direkt zu einem weiteren wichtigen Aspekt des Projektes – das „Wahrheiten“-Wochenende als Nachhaltigkeits-Experiment. Gefördert vom Fonds Zero der Kulturstiftung des Bundes, ist es als klimaneutrales Projekt angelegt. An zwei Wochenenden, 1. und 2. Juli, sowie 8. und 9. Juli (18 Uhr), präsentieren sich alle Sparten des Theaters mit Musik, Performances, Schauspiel und Tanz an verschiedenen, teils leerstehenden Spielorten in der Altstadt.
„Alice im Wunderland“ sucht nach dem passenden Outfit
Loher, Ritschel, der Kaufmännische Vorstand Matthias Schloderer und Chefdramaturg Ronny Scholz stellten Ablauf, Spielorte und Inhalte des künstlerischen Nachhaltigkeits-Experimentes am Wochenende in einem Preview vor.
Insgesamt, so Loher und Scholz, können an jedem der vier Spieltage 250 Personen teilnehmen, die sich Karten gesichert haben. Aufgeteilt auf sechs Gruppen, starten die Besucher auf der Bühne im großen Haus am Bismarckplatz. Von da geht es zu Fuß in die Wahlenstrasse, wo in einem ehemaligen Obstladen Duette aus „Cabaret“ geboten werden. Am Kohlenmarkt erklingt von mehreren Balkonen eine Uraufführung von Tom Woods. In der früheren Hypovereinsbank am Neupfarrplatz gibt es Tanz und Songs zum Thema Geld, während im Frauenzimmer „Alice im Wunderland“ nach dem passenden Outfit sucht.
Im Gloria, dem größten und vielleicht spannendsten Spielort neben dem eigentlichen Theater, wird mittig ein Tanzboden verlegt, dazu erklingt Musik von Arvo Pärt und ein Streichquartett von Phil Glass. Dann ist da noch das M26 in der Maximilianstrasse mit elektronischer Live-Musik und einer Schauspiel-Performance. Zu den einzelnen Spielstätten führen als Guides Mitglieder des Schauspielensembles, die eigens für das Projekt von David Gieselmann geschriebene Monologe aufführen. Eine Uraufführung im Vorbeigehen also.
Klimafreundliche Anreise wird belohnt
Einen besonderen Coup haben sich die Theaterleute ausgedacht, um das Publikum zu animieren, möglichst klimafreundlich anzureisen. Wer klimaneutral oder klimafreundlich mit Fahrrad, Bus oder Bahn anreist, erhält einen Teil des Eintrittsgeldes wieder zurück – die zuvor mit jedem Ticket erhobene „Klimakaution“ nämlich. Dazu Schloderer: „Mit der Klimakaution beschreiten wir nun neue Wege in Richtung eines nachhaltigeren Theaterbetriebs. Wer klimafreundlich anreist, wird vor Ort finanziell belohnt.“
Wie nachhaltig der Theaterbetrieb insgesamt zu bewältigen ist, wird gerade intensiv getestet. Die Grundlagen dafür bildet eine CO2-Bilanz, die für nahezu alle Bereiche aufgestellt worden ist. Ob allerdings die europaweite Suche nach einer „klimaneutralen Ananas“ für das „Wahrheiten“-Projekt als besonders klimafreundlich durchgeht, um dann im eigenen Fundus fündig zu werden, darf ebenso bezweifelt werden, wie der Wechsel des kompletten Corporate Designs bei jedem Intendantenwechsel.
Das soll nun keineswegs die Anstrengungen, die das Theater bereits gemacht und dafür sogar einen Preis bekommen hat, in Frage stellen. Ganz im Gegenteil, können so immer neue Anstöße gegeben werden, der CO2-Neutralität näher zu kommen „und Kommunikator für die Stadtgesellschaft zu werden“, wie es Ritschel formuliert hat. Karten können online gebucht werden: theaterregensburg.de/index/wahrheiten-2.html