Erster Bau aus Recycling-Beton: Das Haus, das schon mal eine Mauer war

Von Johannes Schiedermeier · 20. Juni 2023 um 05:00

Keine Frage: So sehen zwei Bauunternehmer aus, die sich ihrer Sache sicher sind. Die Betonpumpe beginnt zu brummen. Läuft! – „Klar läuft’s!“ Christoph Althammer und Michael Müller lachen, während sich die Schalung der Grundplatte des Dreifamilienhauses in Haidhäuser bei Cham mit einem ganz besonderen Stoff füllt: Recycling-Beton. Dabei hatten ihnen manche Kollegen vorhergesagt, dass es nicht laufen würde.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat Althammer von seinem Traum erzählt: „Irgendwann nehme ich die Häuser beim Abbruch so auseinander, dass alles sortenrein und wiederverwertbar ist!“

Fertig geträumt. Heute ist er einen Schritt weiter: Er baut zurzeit in Haidhäuser ein Dreifamilienhaus, in dem erstmals im Landkreis Cham Bodenplatten und Zwischendecken aus 150 Kubikmetern Recyclingbeton bestehen.

Der Brecher und der Tüftler

Dazu hat sich der Abbruchspezialist aus Großbergerdorf mit dem Bauunternehmer Michael Müller aus Döbersing zusammengetan. Zwischen den beiden stimmt nämlich die Chemie. Das ist gut so, weil das auch beim Beton so sein muss.

Althammer sorgt für das Grundprodukt und Müller ist ein Tüftler. Es hat sechs Monate gedauert. Althammer bricht und siebt den Beton aus abgebrochenen Mauern und Gebäuden auf seinem Firmengelände, während Müller in seinem Betonlabor in Döbersing testet, welche Chemie man braucht und wie viel Reycling-Anteil so eine neue Bodenplatte verträgt. Derzeit sind es etwas mehr als 30 Prozent. „Das wird einmal Standard“, da ist sich Müller sicher.

Am Ende haben die beiden geliefert und die TU München hat das Endprodukt zertifiziert: leistungsfähig und uneingeschränkt praxistauglich. Da kommt es Althammer gerade recht, dass er in Haidhäuser selbst ein Dreifamilienhaus baut. Bodenplatte und Zwischendecke sind aus dem neuen Betonprodukt, das an diesem Morgen in der Flurstraße 1a problemlos aus der Pumpe zwischen die Schalung läuft.

Es ist ja nicht so, dass die beiden Unternehmer sich ihrer Sache nicht sicher gewesen wären. „Aber es hat schon einige gegeben, die gesagt haben, dass das nicht klappt“, sagt Althammer. „Klappt aber!“ Er ist sicher, dass eines gar nicht fernen Tages kein Häuslebauer mehr einen Zuschuss bekommen wird, wenn er nicht mit diesem nachhaltigen Beton baut.

Noch ist der Kubikmeter Recycling-Beton um rund 15 Prozent teurer als der herkömmliche. Allerdings sind sich die beiden Bauunternehmen sicher, dass die Zeit für sie spielt. Denn die Grundstoffe vom Sand bis zu Kies und sonstigen Beimischungen sind endlich und werden derzeit immer teurer.

„Es ist nachhaltig und es macht Sinn, Abbruch wieder als Baumaterial zu verwenden“, sagt Althammer. Und er rechnet es vor: 150 Kubikmeter Beton braucht man für Bodenplatte und Zwischendecken im Dreifamilienhaus. Der herkömmliche Beton kostet 150 Euro pro Kubikmeter. Das wären 22.500 Euro. 15 Prozent davon wären Mehrkosten von 3750 Euro für den Recyclingbeton. „Bei den heutigen Baukosten ist das nichts“, sagt Althammer. Und die Spanne werde immer kleiner werden, sagt er voraus.

Ein halbes Jahr lang haben die beiden getüftelt und das Ergebnis immer wieder getestet. Bruchfest muss das Ergebnis sein und mit wenig Luftporengehalt. Es muss sich gut ausbreiten lassen und durch eine Betonpumpe laufen. Wasserdicht sollte es natürlich auch sein. Althammer wird sein eigenes Haus als Referenz dafür verwenden, dass der neue alte Baustoff funktioniert.

„Morgen ist das begehbar!“

„Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit funktioniert. Viele reden davon, aber kaum einer tut es. Und für diese Idee habe ich jetzt einen guten Partner gefunden“, sagt Althammer und deutet auf Müller. „Morgen ist das begehbar wie normaler Beton!“ Da ist sich Althammer sicher und holt sich Bestätigung aus der Praxis. Sein Polier Tino Stautner sagt. „Es gibt keinen Unterschied in der Verarbeitung. Keinen.“

Die Bauunternehmer Christoph Althammer und Michael Müller haben den Recycling-Beton selbst entwickelt.
Die Vorstufe für die Herstellung des Recycling-Betons findet beim Abbruchunternehmen Althammer statt.