„Meilenstein“ für das geplante Parkhaus im Regensburger Ostpark

Zum Start des Bürgerfests am Freitagabend war das Establishment aus Politik, Stadtverwaltung und Ehrengästen vor der Bühne am Domplatz versammelt, um der Eröffnungsrede der Oberbürgermeisterin zu lauschen. Ganz selbstverständlich mittendrin: Jakob Friedl.
Nach seinen ersten drei Jahren im Stadtrat gehört der Einzelkämpfer der Ribisl-Partie eben irgendwie auch dazu. Das zeigt sich an Oberflächlichkeiten wie dieser Sitzordnung, in erster Linie aber an den Akzenten, die er setzt. Bei der heutigen Sitzung des Planungsausschusses zum Beispiel kann ein Herzensprojekt von Friedl die nächste wichtige Hürde nehmen: das Parkhaus im Ostpark.
Die frühere Gartenamtsunterkunft dort soll zu einem Gemeinschaftshaus mit Kiosk umgebaut werden. Vor zwei Jahren ist Friedl mit dieser Idee erstmals an die Öffentlichkeit gegangen, jetzt wird dem Stadtrat das Konzept vorgestellt.
Ein Verein fungiert als Bauherr
Die Umsetzung erfolgt durch den eigens gegründeten Verein Parkhaus e.V., der zum Vertragspartner der Stadt und schließlich zum Bauherrn wird. Bis Herbst, so die Zielsetzung des Vereins, soll alles unterschrieben sein. Der planmäßige Baubeginn wäre dann im Frühjahr 2024.
„Der zu erwartende Beschluss im Planungsausschuss ist ein wichtiger Meilenstein für das Projekt, weil die Verwaltung dadurch ermächtigt wird, die vertraglichen Regelungen mit uns zu verhandeln“, sagt die Vereinsvorsitzende Sabine Kowoll. Dieses „Uns“ ist in den vergangenen zwei Jahren zu einer beachtlichen Menge an Mitstreitern angewachsen. Neben etwa 25 Einzelmitgliedern gehören auch Institutionen wie der Architekturkreis Regensburg oder der Bürgerverein Südost dem Verein an, der wiederum unter dem Dach der Sozialen Initiativen agiert.
Allein diese Verflechtung macht deutlich, welche Kreise die ursprüngliche Idee Friedls gezogen hat. Es gibt bereits lange vor dem Umbau zahlreiche Gedanken für die künftige Nutzung des Hauses, für das die Stadt bislang nichts übrig hatte. „Das Amt für Gebäudeservice wollte es wegreißen“, erzählt der Stadtrat und schüttelt über diese Achtlosigkeit den Kopf. Dabei hat die 125 Jahre alte Immobilie als Bestandteil des ehemaligen Latrinenturms der früheren Von-der-Tann-Kaserne historischen Wert, wie Friedl betont: „Das ist ein Identifikationspunkt fürs ganze Viertel.“
Durch vielfältige niederschwellige Nutzungen soll dieser Status erneuert und gefestigt werden. Doch nicht nur in inhaltlicher Hinsicht hat das Gebäude in Friedls Augen großes Wachstumspotenzial – er hält auch einen späteren Ausbau für möglich: „Das war ein Turm und es kann auch wieder ein Turm werden. Das Projekt ist entwicklungsfähig.“
Vereinschefin Kowoll bremst an dieser Stelle ein bisschen. Sie ist erst einmal froh darüber, künftig ohne große Umstände stundenweise einen Schlüssel von der Stadt zu bekommen. „Am Donnerstag dürfen wir als Verein tatsächlich zum allerersten Mal ohne Aufsicht rein. Wir müssen noch einmal neu vermessen“, sagt sie und verweist auf viele offene Detailfragen. Da die Stadt das Haus (wie den gesamten Park) erst im September 2022 vom Freistaat erworben hat, war es bislang nicht unter den Fittichen des städtischen Objektmanagements.
Die möglichen Macken des Gebäudes sind also unbekannt. Das birgt für den Verein ein gewisses Überraschungspotenzial und auch das Risiko, dass die aktuell prognostizierten Kosten von gut 250 000 Euro für den Umbau (bis zu 60 Prozent davon werden vom Freistaat gefördert) möglicherweise höher werden.
Das Risiko der Mehrkosten
„Etwaige Mehrkosten werden vom Verein selbst getragen“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage. Nicht nur wegen dieser Verantwortung baut Sabine Kowoll darauf, künftig von der Stadt als Partner auf Augenhöhe behandelt zu werden – auch im Hinblick auf sonstige Gestaltungsfragen im Ostpark.
„Die offenen Fragen zum Zustand des Gebäudes hätte man in den letzten zwei Jahren längst klären können. Doch leider hat man nichts getan“, kann sich Friedl eine kleine Kritik an der Stadt nicht verkneifen. Er und seine Mitstreiter vom Vorgartenamt und Erwachsenen-Kaufladen in der nahen Guerickestraße haben die Zeit hingegen genutzt, um ihre Strukturen als Fixpunkt des Bürger-Engagements im Stadtosten weiter auszubauen. Von hier aus soll nun das Parkhaus als zweiter Pol entwickelt werden.
