Der Fall Rammstein: Theater Regensburg sucht Alternativen

Nach Vorwürfen gegen den Frontmann der Band Rammstein, Till Lindemann, hat das Theater Regensburg ein Musiktheater-Projekt mit Texten des Sängers gestoppt.
Das Theater hatte vergangene Woche mitgeteilt: „Die derzeitigen Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann nehmen wir sehr ernst und haben uns entschieden, bis zu deren Aufklärung das Projekt auf Eis zu legen. Intendant Sebastian Ritschel wird in der Mitteilung folgendermaßen zitiert: „Dies soll keine Vorverurteilung sein, sondern das Ernstnehmen schwerwiegender Missbrauchs-Anschuldigungen und das klare Bekenntnis zu unserem aktuellen Spielzeitmotto ,Wahrheiten‘.“ Der Hintergrund: Mehrere Frauen haben Vorwürfe gegen Lindemann erhoben: Bei Konzerten der Band sollen Frauen gezielt für Sex mit ihm rekrutiert worden sein. Gegen Lindemann ermittelt mittlerweile die Berliner Staatsanwaltschaft.
Das Theater Regensburg sucht Ritschel zufolge nach Alternativen. „Mein Herz brennt“ hätte am 12. Dezember Premiere feiern sollen. Das geplante Musiktheater basiert auf einem gleichnamigen Orchester-Liederzyklus von Torsten Rasch. Der in Dresden geborene Komponist hat Rammstein-Texte aus der sogenannten Schauerromantik-Phase der Gruppe für ein großes Orchester neu vertont und mit den Dresdner Symphonikern 2003 uraufgeführt. Für das Theater Regensburg sollte daraus nun eine Musiktheater-Version entstehen. Rasch sollte seine bestehende Komposition im musikalischen Umfang eines großen philharmonischen Orchesters mit den Rammstein-Lyrics für den Haidplatz für ein Kammerorchester umschreiben und um sechs neue Lieder erweitern, sagt Ritschel auf Anfrage. Bei den zusätzlichen Stücken handelt es sich um die Neuvertonung von sechs romantischen Volksliedern. Auch eine „Kommentarebene“ sollte laut Ritschel hinzugefügt werden.
„Es wird am 12. Dezember auf jeden Fall eine Premiere geben“site:s
Nun wurde das Projekt allerdings vorerst gestoppt. „Das Auf-Eis-Legen zum jetzigen Zeitpunkt“ ermögliche das Suchen nach Alternativen, sagt der Intendant. Er verspricht: „Es wird am 12. Dezember auf jeden Fall eine Premiere am Haidplatz geben.“
Was genau dann aber aufgeführt werden soll, ist aktuell noch unklar. Wahrscheinlich ist, dass Rasch auch bei der Alternative eine tragende Rolle spielen wird. Für „Mein Herz brennt“ als Teil der kommenden Spielzeit habe man sich wegen des „faszinierenden Höreindrucks von Raschs Komposition“ sowie der „schillernden, farbenreichen und auslotenden Musik“ entschieden, sagt Ritschel. Nun suche man „nach weiteren Texten oder Herangehensweisen, um diesen Komponisten in Regensburg zu Gehör zu bringen“. Tatsächlich war Rasch am Dienstag zu Gesprächen am Theater Regensburg. Auch beim Projektstopp soll er involviert gewesen sein: Der Umgang mit der Produktion wurde laut Ritschel im Haus in aller Offenheit und mit allen Beteiligten besprochen – auch mit dem Komponisten.
Der will sich zum Thema allerdings nicht weiter äußern. Auf Anfrage verweist das Theater auf ein Interview, das 2007 im Magazin „o-ton“ der Oper Köln erschienen ist. Darin heißt es, dass Rammstein von den Neuvertonungen Raschs „sehr angetan“ gewesen sei. Der Komponist nennt in dem Interview das Projekt „einmalig“: Die Gesangstexte würden eine völlige Neuinterpretation erfahren, „so, als ob ein Gedicht von verschiedenen Komponisten vertont wird.“
Ob Rasch den aktuellen Projektstopp gutheißt, ist nicht klar. Ritschel erklärte auf Nachfrage, die Änderung habe für das Theater keine finanziellen Negativ-Folgen – „weil wir rechtzeitig reagiert haben“.