Boomsport bald in Cham: TC Rot-Weiß holt Padel-Tennis in den Landkreis

Von Tanja Fenzl · 16. Juni 2023 um 05:00

In Spanien, Italien oder Belgien ist es schon längst weit verbreitet, bei uns steckt Padel-Tennis noch ziemlich in den Kinderschuhen. „Padel – was?“, ist die häufigste Frage, wenn es um den Boomsport der letzten Jahre geht. Der TC Rot-Weiß Cham will jetzt den Trend in den Landkreis holen.

Da, wo heute kurz vor dem Ortsschild Altenmarkt friedlich Pferde grasen, sollen im kommenden Jahr zwei Padel-Courts entstehen. Das 2000 Quadratmeter große Grundstück der Stadt Cham, das jetzt noch an das Parkhotel verpachtet ist, wird ab August an den benachbarten Tennisclub übergehen. „Das passt, weil da früher schon Tennisplätze der DJK Altenmarkt waren“, sagt TC-Rot-Weiß-Vorsitzender Markus Weichselmann. Gleich nebendran befinden sich die sechs Sandplätze des TC, ideale Bedingungen für eine Erweiterung des Tennis-Geländes.

In Spanien kommt Padel-Tennis gleich nach Fußball

„Wir wollen unser Spektrum erweitern“, erklärt Weichselmann das Vorhaben. In südlichen Ländern sowie im Norden Europas ist Padel-Tennis längst kein Randsport mehr. In Spanien ist es inzwischen sogar nach Fußball die zweitbeliebteste Sportart. „In Schweden kommt auf 3000 Einwohner ein Padel-Court, in Deutschland sind einer auf 600000 Menschen“, veranschaulicht Weichselmann den großen Unterschied.

Hier gibt es ein kurzes Video über Padel-Tennis:

Doch der Sport hat großes Potenzial: In Deutschland gibt es inzwischen in mehr als hundert Städten Padel-Courts. Fußball-Bundestrainer Hansi Flick ist Co-Betreiber mehrere Padel-Anlagen in großen deutschen Städten. Auch Fußballtrainer Jürgen Klopp setzt auf den Trendsport und betreibt eine Padel-Halle in Berlin. Padel-Funktionäre haben schon jetzt das große Ziel ausgeschrieben: Der Sport soll olympisch werden.

Padel-Tennis: Mix aus Tennis und Squash

Die Mischung aus Tennis und Squash, die in einem Plexiglas -umrandeten Court im Modus Zwei gegen Zwei als eine Art Tennis mit Bande gespielt wird, ist nach allgemeiner Meinung leichter zu erlernen als Tennis. Der größte Tennis-Club im Landkreis Cham will damit auch bei uns in der Region neue Zielgruppen für den Ballsport begeistern.

Zuvor müssen allerdings noch ein paar Hürden genommen werden. Natürlich müsse man noch Förderzuschüsse zu den Bauanträgen abwarten, aber man hoffe, das Projekt bereits im Laufe des kommenden Jahres umzusetzen.

Padel-Tennis in Cham ab 2024

„Ob wir natürlich gleich zu Saisonbeginn oder erst im Lauf der Jahres starten können, hängt von verschiedenen Faktoren ab“, räumt Weichselmann ein. Mitte, Ende 2024 hält er als Zielvorgabe für wahrscheinlich.

Die Padel-Plätze haben damit auch Vorrang vor den Hardcourtplätzen, die der TC ebenfalls in Planung hat. „Das haben wir erst einmal zurückgestellt, denn der Tennis-Boom in Corona-Zeiten ist jetzt doch deutlich abgeebbt“, sagt Weichselmann. Während der Pandemie hatten viele mit dem Tennis angefangen, weil es eine Sportart war, die immer recht früh von Beschränkungen befreit wurde. „Jetzt machen die Leute auch wieder mehr andere Sachen“, hat nicht nur Weichselmann beobachtet.

TC Rot-Weiß Cham plant Hardcourtplätze

Mit den sechs Sandplätze n sei der Verein derzeit gut gerüstet. Für die Zukunft seien aber Hardcourtplätze eine gute Alternative, um zum Beispiel die Saison auszuweiten. „Wenn es rund um Silvester an die 20 Grad hat, dann kann man auf Hardcourt auch im Winter gut spielen.“ Sandplätze seien im Unterhalt aufwendiger, weil sie in trockenen Zeiten schwer feucht zu halten sind. „Viele Vereine wechseln deshalb zu Allcourtplätzen, diese Beläge gefallen uns aber nicht.“

Große Investition für den TC Rot-Weiß Cham

Gut sechsstellig wird die Investitionssumme sein, die für die Padel-Anlage in die Hand genommen werden muss. Mit 150000 bis 200000 Euro rechnet Weichselmann vorsichtig. Immerhin: Die Erschließung des Geländes werde relativ unaufwendig, weil das Grundstück bereits hochwasserfrei ist und der Untergrund von den früheren Tennisplätzen her optimal vorbereitet sei.

Und sogar einen Trainer hat der TC Rot-Weiß bereits an der Hand. ATP-Tennisprofi Jeroen Vanneste, Tennispartner und Freund des Chamer Star-Spielers Peter „Pete“ Heller, ist ausgebildeter Padel-Tennis-Trainer. Als Belgier kommt er aus einem Land, wo die Boomsportart bereits sehr weit verbreitet ist. Er habe sich bereit erklärt, sich beim TC Rot-Weiß in Sachen Padel-Tennis einzubringen und Kurse zu geben, freut sich Weichselmann.

In Plattling trainieren die Padelfans schon

Ein bisschen weiter als in Cham ist man in Sachen Padel-Tennis in Plattling (Landkreis Deggendorf). Dort sind im weiten Umkreis die einzigen Padelcourts. „Wir sind gerade in unserer zweiten richtigen Saison“, sagt Padel-Vorsitzende Sabine Gebel.

Die Sporttherapeutin lernte die Sportart 2020 in einem Italien-Urlaub kennen und lieben. Auf einem alten Tennisplatz neben den Tenniscourts des TC Plattling wurden schon im folgenden Jahr zwei Padel-Courts gebaut. „Ende 2021 waren die Plätze fertig, da haben wir nur noch unter Freunden einfach gaudimäßig gespielt“, sagt Gebel. Im letzten Jahr begannen die Padel-Anhänger in Plattling bereits, sich an Turnieren zu beteiligen.

Trainermangel in Plattling

„Derzeit sind 14 Clubmitglieder in Italien bei einem Workshop“, sagt Gebel. „Leider ist es in Niederbayern und überhaupt auf dem Land eher schwierig, Trainer zu finden. Es gibt noch nicht viele, und die wenigen arbeiten in den größeren Städten.“ Vorteil: Cham.

Dort hat man mit Jeroen Vanneste, einem gebürtigen Belgier, einen ausbewiesenen Padel-Trainer zur Verfügung, der auch noch in Cham lebt.

Derweil wächst in der niederbayerischen Stadt Plattling die Padel-Fangemeinde kontinuierlich an. Und es sind nicht nur Ältere, die den Trendsport für sich entdecken.

Auch die vier Kinder von Gebel, alle zwischen 20 und 26 Jahren, und Kinder von Vereinsmitgliedern trainieren und spielen inzwischen regelmäßig auf dem Padelcourts. Bei einem Feriencamp machten heuer bereits zehn Kinder mit, regelmäßig ins Training kommen vier, fünf, Nachwuchsspieler. Vorteil: Plattling.

Padel: Sport für jung und alt

Was gefällt Gebel, die eigentlich vom Volleyball kommt, besonders gut am Padel-Tennis? „Es ist einfach viel leichter zu lernen als Tennis, das deutlich techniklastiger ist. Alt und jung kann miteinander spielen, das macht sehr viel Spaß“, wirbt die 57-Jährige für den Sport. Eine Konkurrenz sieht sie in den Chamer Plänen für eigene Padelcourts übrigens nicht – im Gegenteil: „Das wäre schön, wenn das Padel-Tennis noch mehr Anhänger bei uns in der Region findet. Wir freuen uns auf die Chamer! Vielleicht kann man dann einmal Freundschaftsspiele ausmachen und gemeinsam trainieren...“

Padel-Tennis: die Regeln

Regeln: Padel wird ausnahmslos im Doppel – zwei gegen zwei – gespielt. Die gegeneinander spielenden Teams stehen sich auf den durch das Netz geteilten Spielfeldhälften gegenüber.

Spiel: Es beginnt mit einem Aufschlag „von unten“. Dazu darf der Ball maximal einmal auf dem Boden aufsetzen. Volleys sind natürlich erlaubt, jedoch kann der Ball nach dem Aufsetzen im Spielfeld auch an eine oder mehrere Seitenwände prallen gelassen und anschließend, solange er nicht den Boden berührt, weitergespielt werden. So kommt es oft zu langen und spannenden Ballwechseln, die für Spielspaß sorgen.

Match: Die Padel-Regeln ähneln im Wesentlichen denen des Tennis-Doppelspiels. Ein Match wird je nach Turnierform durch zwei oder drei gewonnene Sätze entschieden. Um ein Spiel zu gewinnen sind mindestens vier Punkte erforderlich. Dazu werden jedoch mindestens zwei Punkte Vorsprung benötigt. Gezählt wird in der Reihenfolge 0, 15, 30, 40, Spiel. (Quelle: /www.dpv-padel.de).

Er ist Trainer für Padel-Tennis, wird Kurse leiten: Jeroen Vanneste Belgischer ATP-Tennisprofi. Foto: TC Rot-Weiß Cham
Grundstück: Direkt am Ortsrand von Altenmarkt werden die neuen Padelplätze gebaut – später vielleicht auch noch zwei Hardcourt-Tennisplätze. Hinter den Bäumen ist das Gelände des TC Rot-Weiß mit sechs Sandplätzen. Foto: Fenzl
Er freut sich auf den Boomsport in Cham: Markus Weichselmann, Vorsitzender de TC Rot-Weiß. Foto: TC Rot-Weiß Cham