Botschaften zum Tennet-Infozentrum in Wörth: Tempo, Transparenz, Bürgernähe

„Mir ist ein Gesicht lieber als eine Hotline“ sagte Elisabeth Kerscher, Bürgermeisterin der vom Bau der Stromautobahn Südostlink betroffenen Gemeinde Wiesent. Zumindest dieser Wunsch ging nun mit der Eröffnung des Erdkabelinformationszentrums im Wörther Gewerbegebiet Im Haslet in Erfüllung.
Dazu gaben sich am Montagabend Politiker, Tennet-Manager und Verbandsrepräsentanten die Klinke in die Hand. In den repräsentativ gestalteten Räumen sollen nun aber auch Bürger für Fragen und Sorgen einen Ansprechpartner finden, denn die Realisierung der Gleichstromleitung rückt näher. Die Planung für den Trassenverlauf ist fertig, nun soll die Genehmigung und im Sommer/Herbst 2024 der Baubeginn folgen.
Ein ehrgeiziges Vorhaben
Staatsminister Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, nannte als Zielvorgabe des gesamten Unternehmens „maximale Offenheit und Transparenz und maximale Beteiligung der Bürger“. Der Bau der Stromautobahn sei ein ehrgeiziges Vorhaben, auch ein realistisches. Das sei aber nicht mit der Brechstange zu schaffen, sondern nur mit der Akzeptanz der Bürger. „Nicht wegducken, nichts wegwischen, offen sein“, das war der Wunsch des Staatsministers für Bundesangelegenheiten und Medien.
Der Südostlink wird in Bayern zehn Millionen Haushalte mit Strom versorgen, unabhängig von Kohle und Atomkraft, und zu einem vernünftigen Preis, kündigte Thorsten Dietz, Direktor für alle Gleichstromprojekte der Firma Tennet, an. Dazu müsse die Gleichstromleitung allerdings so schnell wie möglich realisiert werden.
„Tempo, Tempo“ forderte auch Detlef Fischer, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft. Und der sprach Klartext. Um klimaneutral zu werden, müsse man die erneuerbaren Energien fünfmal schneller ausbauen als bisher. „Wir haben noch nie unsere gesteckten Ziele erreicht und müssen nun in vier Jahren aufholen, was seit 2019 versäumt wurde“, kritisierte Fischer.
„Seit 15 Jahren reden wir über Trassen, doch bisher gibt es nichts außer Papier.“ Die Politik müsse der Bevölkerung Lust auf die Energiewende machen, nicht Angst davor, forderte der Verbandschef und stellte klar: „Wir haben Null Bock, gegen die Bürger Projekte durchzuziehen. Wir können es auch bleiben lassen.“ Dem Ziel, in absehbarerer Zeit klimaneutral zu werden, erteilte Fischer trotz aller Bemühungen eine partielle Absage: „20 Prozent des CO2-Ausstoßes werden übrig bleiben. Das kriegen wir nicht weg.“
„Tempo braucht auch Akzeptanz“, gab MdB Peter Aumer zu bedenken. Sich vor Ort den Protesten der Bürger zu stellen sei nicht immer ganz einfach. Doch am Ende des Tages werde man das Große und Ganze sehen und den für die Region notwendigen Strom bekommen. „Der Landkreis Regensburg ist beim Strom rein rechnerisch zu 90 Prozent autark“, hielt Landrätin Tanja Schweiger dagegen und fragte sich, ob denn der Strom aus dem Norden unbedingt sein müsse. Seit zehn Jahren rede man über den Ausbau regenerativer Energien, doch dabei sei die Verteilnetzproblematik nie diskutiert worden.
Kapazität der Netze fehlt
Landwirte könnten längst mehr Solarstrom produzieren, Biogasanlagen Energie erzeugen, doch das scheitere an der Kapazität der vorhandenen Netze. Das zu vermitteln sei ein Problem. Sie verstehe jeden, der das nicht verstehe. Vom Südostlink seien elf der 41 Gemeinden im Landkreis betroffen, elf Hektar Wald müssten dafür gerodet werden, doch das alles spiele keine Rolle. Man wundere sich, sagte die Landrätin auch, wenn bei den Trassenplanungen Golfplätze ausgenommen und Bodendenkmäler unberücksichtigt blieben.
„Wir kriegen die Energie nicht weg, der Ausbau der Netze ist unglaublich wichtig“, stimmte Richard Böck, Bereichsleiter Energie und Umwelt der IHK Regensburg zu. Man zahle künftig den zweifachen Preis für Energie wie in Frankreich, derzeit noch das Vierfache. Wenn der Energiepreis so hoch bleibe, befürchtet Böck eine schleichende Deindustrialisierung der Region.
Bei Häppchen und einem „Get-Togehter“ hatten die geladenen Gäste anschließend Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Dabei gab es unter den Mandatsträgern aus der Kommunalpolitik Zustimmung für Landrätin Tanja Schweiger.
An der mangelnden Kapazität der lokalen Netze scheitern etliche Vorhaben für größere PV-Anlagen, berichteten Altenthanns Bürgermeister Harald Herrmann und Gerhard Schmautz, 2. Bürgermeister von Wörth. Und die Wiesenter Gemeindechefin Elisabeth Kerscher sieht angesichts von drei Großprojekten (Polder, Steinbruch, Südostlink) eine Gemengelage, die kaum mehr vermittelbar sei. Sie will Sprachrohr der Bürger sein und wird deshalb alle Hände voll zu tun haben.