Webasto in Schierling: Batterien sind die Zukunft

Webasto in Schierling ist insbesondere bekannt als Zulieferer von Cabrio- und Panoramadächern für Autos. Doch die Zeiten ändern sich. Das Dachgeschäft wird weniger. Im Gegenzug mausert sich der Standort zum weltweiten Kompetenzzentrum des Unternehmens für Fahrzeugbatterien.
Es entstehen Akkus für namhafte Hersteller – gleichzeitig wächst die Zahl der Mitarbeiter. Und die Energieversorgung des Werkes wird wesentlich naturschonender.
Die Zukunft ist elektrisch, digital und grün. Während manche Bürger lieber fortfahren würden wie bisher und manche Politiker eine Wut- und Angstwelle reiten, sind viele Unternehmen längst weiter. Der Autozulieferer Webasto etwa hat sich dafür entschieden, seinen künftigen Schwerpunkt auf Elektromobilität und artverwandte Themen zu legen. Cabrio- und Panoramadächer sowie Lösungen zum Heizen und Kühlen wird das Unternehmen weiterhin anbieten. Sie steuern noch den Löwenanteil des Umsatzes bei. Doch bei den Neuaufträgen liegt seit heuer die Elektromobilität vorne. Ganz vorne dabei ist der Webasto-Standort in Schierling. Das Werk im Landkreis Regensburg hat sich zum globalen Kompetenzzentrum für die Batterieentwicklung im Unternehmen gemausert.
Wachsende Nachfrage nach E-Antrieben auf dem Bau
Noch ist die Batteriefertigung in Schierling eine eher zarte Pflanze, was die Stückzahlen betrifft. Für den Cityline-Bus von MAN entstehen in der Oberpfalz seit über drei Jahren einige Tausend Batterie-Packs (in Alu-Gehäusen verpackte Akkus) in Serie. Heuer sollen es 6000 werden, im nächsten Jahr 8000-9000.
Ein selbst entwickeltes Akkupaket mit 35 Kilowattstunden, von denen sich bis zu 18 Stück zusammenschalten lassen, tut Dienst etwa in Kleinstbussen des französischen Unternehmens Lohr, in Zugmaschinen an Flughäfen oder in Baumaschinen. Gerade am Bau wachse die Nachfrage nach E-Antrieben etwa bei Baggern enorm. Lärm und Abgase spielten eine zunehmende Rolle, erklärt Werkleiter Christian Gallner: „Abseits der Straße tut sich unheimlich viel in Richtung Elektrifizierung.“ Etwa 4000 Stück davon baut Webasto pro Jahr. In eineinhalb Jahren steht ein Generationswechsel an mit höherer Leistungsdichte.
Auf mehreren Beinen stehen
Der Eigenanteil des Werks liegt vor allem darin, Aluminiumgehäuse für zugekaufte Batteriezellen zu fertigen. Das sei herausfordernd, erklärt Gallner. Das gewählte Alu-Material sei sehr schwierig zu verarbeiten.
Robert Gantner, der bei Webasto die Geschäftseinheit Batteriesysteme leitet, beschreibt die Batterieaktivitäten so: „Wir werden zu Auftragsfertigern von Automobilherstellern“ – für kleinere bis mittlere Serien, welche die Hersteller nicht selbst bauen wollen oder können. Zudem baut man bei Webasto das Fertigungs-Know-how auf. Deshalb unterscheidet sich die Fabrik erheblich von durchautomatisieren Batteriewerken, wie etwa neuerdings bei BMW in Regensburg.
Stromspeicher für Häuser
Weil Webasto obendrein die eigenen Batterien baut, dazu weiterhin eine – wenn auch auf die Hälfte schrumpfende – Dachfertigung betreibt (Hauptkunden sind BMW und Bentley), Gebäude-Stromspeicher für den Anbieter Solarwatt und neuerdings auch Schnellladesysteme für Autos herstellt, stehe man auf mehreren Beinen. Als Automobilzulieferer weiß Webasto, wie wichtig das sein kann.
30000 Module für Solarwatt werden heuer in Schierling entstehen und so Photovoltaik- und Wärmepumpenanlagen ergänzen. Nächstes Jahr erwartet man 120000, 2025 dann 150000 Exemplare.
Gegenwärtig ist eine Halle leergeräumt. Hier wird eine für Webasto-Maßstäbe große Batteriepack-Produktion für einen namhaften süddeutschen Hersteller einziehen. Rund 55000 Packs diverser Größen sollen ab 2025 hier entstehen, mit bis zu 136 Kilowattstunden Kapazität. Das ist eine riesige Batterie, solche Exemplare sind nur für sehr große Fahrzeuge geeignet. Eine weitere Linie mit 5000 Jahreseinheiten wird parallel dazu errichtet, ebenfalls für einen süddeutschen Autobauer, der dem Vernehmen nach aber nicht in Bayern, sondern in einem westlich angrenzenden Bundesland sitzt...
Logistisch ist mit dieser Entfernung eine Grenze erreicht. Batterien sind groß und schwer, die Bahn schafft den Transport laut Gallner in absehbarer Zeit nicht. Deshalb müssen Batterien möglichst nahe beim Hersteller produziert werden.
Insgesamt koste der Umbau des Standortes Schierling bis 2027 mehr als 90 Millionen Euro. Entscheidend ist das Personal. Webasto hat hier nach eigenen Angaben bereits 70 Prozent der Mitarbeiter für die Elektroprodukte geschult. Das fiel manchen nicht leicht, die bislang etwa Kunststoff verarbeitet haben, räumt Gallner ein. Aber der Wille sei da. Ende des Jahres werde die Quote auf 80 Prozent gestiegen sein. Gleichzeitig wächst die Zahl der Mitarbeiter insgesamt. Derzeit seien 430 Menschen beschäftigt, 2026 sollen es 520 sein. Bis dahin sollen alle, die an Bord sind, für E-Produkte qualifiziert sein.
Rechtzeitig habe man damit begonnen, eigene Fachinformatiker auszubilden. „Das hilft unglaublich, denn wir müssen sehr schnell auf Probleme reagieren können“, betont Gallner. Die Schierlinger seien in der Lage, ihre Produktionslinien selbst zu warten.
Da Webasto zunehmend Stromprodukte baut und selbst nicht wenig Strom verbraucht, bemühen sich Unternehmens- wie Werkleitung auf mehreren Ebenen um eine möglichst umweltschonende Erzeugung und und Speicherung der Energie. Das beginnt bei der PV-Anlage mit bis zu 750 Kilowatt-Peak, die zumindest bilanziell die Batterieproduktion komplett versorgen könne. Die PV soll noch verdoppelt werden.
Gebrauchtakkus als Speicher
Weiterhin engagiert sich Gallner für den Bau von Windmühlen bei Schierling. Sechs bis zehn Stück davon könnten entstehen, schätzt er. Webasto wolle sich an den kommunalen Anlagen beteiligen.
Um die Schwankungen der erneuerbaren Quellen auszugleichen, baut Webasto einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von einer Megawattstunde. Verbaut werden dabei gebrauchte Webasto-Batterien aus Fahrzeugen. Ein Container steht bereits, zu zwei Drittel befüllt mit Akkus. Langfristig sollen Batteriespeicher mit fünf bis acht MW zur Verfügung stehen. Außerdem wird eben das Blockheizkraftwerk, das zwei MW Leistung liefert, mit einem neuen Motor modernisiert. Man bereitet sich auf die Verwendung von Wasserstoff vor.


