Familie durfte Verstorbenen nicht mehr sehen: Ehefrau schildert schwierigen Fall am UKR

Ein verstorbener Patient war am Universitätsklinikum Regensburg in die Pathologie gebracht worden - die Familie hatte aber noch Abschied nehmen wollen. Die Ehefrau lässt der Vorfall nicht los.
Was passiert ist, kann Larissa Rossmeier immer noch nur kaum begreifen. Am 27. Mai, zu Beginn des langen Pfingstwochenendes, ist ihr Ehemann im Universitätsklinikum Regensburg verstorben. Der Straubinger hatte da schon einen längeren Leidensweg hinter sich, kämpfte unter anderem mit einer Herzinsuffizienz. Nach einem Aufenthalt im Straubinger Klinikum war er schließlich am 23. Mai ins Regensburger Uniklinikum gekommen.
Drei Tage nach der Einlieferung erreichte die Familie dann ein Anruf, dass sich der Zustand des Patienten rapide verschlechtert habe. Rossmeier erzählt, dass sie daraufhin am Abend noch einmal ins Krankenhaus fuhr und einige Stunden bei ihrem Mann blieb. „Als ich mich verabschiedet habe, habe ich ihm ein Bussi gegeben und gesagt, wir sehen uns später wieder“, sagt sie.
Kein Abschied mehr möglich
Was die Straubingerin da noch nicht ahnt: Wiedersehen wird sie ihren Ehemann in der Klinik nicht mehr. In der Nacht erhielt sie einen Anruf der diensthabenden Ärztin, die ihr die Nachricht vom Tod des Patienten überbrachte. „Die Ärztin hat am Telefon gesagt, dass wir kommen und uns zu jeder Zeit verabschieden können – und dass wir uns Zeit lassen sollen“, erinnert sie sich.
Am Morgen fuhr die Familie dann von Straubing nach Regensburg. Im Klinikum angekommen wurde ihr jedoch mitgeteilt, dass sie den Verstorbenen nicht mehr sehen könnten – dieser sei bereits in die Pathologie gebracht worden. Auch nach einigen Diskussionen sei von Seiten der Pathologie nicht mehr gestattet worden, sich zu verabschieden. Weder die diensthabende Ärztin noch ein hinzugezogener Pfarrer habe daran etwas ändern können. So schildert Rossmeier die ganze Situation. Aus ihrer Sicht ist es unverständlich, warum man ihren Mann nicht noch einmal aus der Pathologie habe bringen können. „Er hatte doch keine ansteckende Krankheit. Meiner Kenntnis nach gibt es da auch einen Vorraum, wo Verstorbene aufgebahrt werden können“, sagt sie.
Vorfall lässt Familie nicht los
Der diensthabenden Ärztin, die sie auch über den Todesfall informiert hatte, will sie dabei keinen Vorwurf machen. „Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Ärzte und Pfleger“, betont sie. Generell seien alle im Klinikum „immer sehr nett und fürsorglich“ gewesen.
Wie in dieser Ausnahmesituation mit ihrer Familie umgegangen worden sei, lässt Rossmeier trotzdem nicht los. „Bürokratie darf nicht über der Menschlichkeit stehen“, sagt sie. Wiedergesehen haben sie und ihre Söhne den verstorbenen Ehemann und Vater erst im Bestattungsinstitut, kurz vor der Einäscherung. „Der Bruder meines Mannes konnte gar nicht mehr Abschied von ihm nehmen – und seine Schwiegertochter auch nicht“, fügt Rossmeier hinzu.
Von der Klinik würde sich die Straubingerin eine Entschuldigung wünschen. „Für die Falschauskunft und für die Entbehrungen, die entstanden sind“, sagt sie. Mit dem Schritt, ihre Geschichte öffentlich zu machen, will sie verhindern, dass andere Angehörige ähnliche Erfahrungen machen müssen. Ihrer Ansicht nach sei „irgendwo ein Fehler“ passiert. „Vielleicht wird das wieder so passieren. Ich will nicht, dass noch einmal jemand diesen Schmerz erleben muss“, sagt sie.
Klinik äußert sich
Auf Nachfrage unserer Zeitung gibt das Universitätsklinikum an, dass „zum Schutz der Persönlichkeit des Verstorbenen und aus Datenschutzgründen“ keine Auskunft gegeben werden könne. „Gerne können sich die Angehörigen, falls weiterhin Klärungsbedarf besteht, direkt an das Universitätsklinikum Regensburg wenden“, heißt es in der schriftlichen Erklärung weiter.
Zufrieden ist Rossmeier mit dieser Rückmeldung nicht. „Von mir aus werde ich nicht noch einmal auf die Klinik zugehen“, sagt sie, „ich erwarte, dass sich das Krankenhaus bei uns meldet.“