Details vorgestellt: Große Vorfreude auf den Hochschulstandort im Landkreis Schwandorf

Ein „wegweisendes Projekt“, ein „Meilenstein“ oder gar ein „Leuchtturm“: An Superlativen herrschte kein Mangel, als am Montag in einer Pressekonferenz beim Zweckverband Müllverwertung erste Details zum geplanten Technologietransferzentrum (TTZ) vorgestellt wurden. Vom ersten Hochschulableger im Landkreis sollen vor allem lokale Unternehmen profitieren.
Wie berichtet, hatte die Staatsregierung Ende April grünes Licht gegeben. Das TTZ soll im Interkommunalen Gewerbegebiet an der A93 bei der OMV-Tankstelle entstehen, also zwischen Wackersdorf und Schwandorf. In unmittelbarer Nachbarschaft wird auch das Gründerzentrum angesiedelt, das die Nachfolge des bisherigen Mittelstandszentrums (MZM) antritt. Das MZM war zuvor lange Jahre in Maxhütte-Haidhof daheim.
Ministerpräsident Söder gab in Schwandorf den ersten Anstoß
Für den Schwandorfer Landtagsabgeordneten Alexander Flierl (CSU) ist das Projekt ein „Meilenstein für den Landkreis Schwandorf“. Die TTZ seien Teil der „Hightech Agenda Bayern“, die die Staatsregierung aufgelegt hat. Wer an Wissenschaftspolitik denke, der denke häufig an Ballungsräume und die großen Hochschulstandorte. „Das ist nicht unser Ansinnen“, sagte Flierl. „Wir wollen natürlich, dass der ländliche Raum davon profitiert.“
Vor allem kleineren Firmen soll das Projekte zugute kommen. Diese haben oft keine eigene Forschungsabteilung, müssen aber dennoch mit Wettbewerbern konkurrieren. Sie könnten beispielsweise einen Forschungsauftrag an das TTZ vergeben, wenn es um die Frage geht, wie sie ihr Produkt ressourcenschonend herstellen lassen, gab Landrat Thomas Ebeling (CSU) ein Beispiel.
Die ersten Signale hatte Ministerpräsident Markus Söder bereits vor über einem Jahr beim 50. Landkreisjubiläum gegeben. Deshalb haben der Landkreis, die OTH Amberg-Weiden, die OTH Regensburg und lokale Unternehmen eine gemeinsame Strategie ausgetüftelt. Deren Schwerpunkt liegt auf den Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Dabei stehen die Themenfelder Ressourcen, Energie und digitale Optimierung im Fokus.
Das TTZ wird eine gemeinsame Einrichtung der beiden OTHs werden. Das Gebäude soll eine Fläche von etwa 1500 bis 2000 Quadratmeter haben. Fürs Erste sind zehn Stellen geplant, darunter zwei Professoren und vier wissenschaftliche Mitarbeiter. Das Investitionsvolumen liegt bei 6,9 Millionen Euro. Nach einer fünfjährigen Anschubfinanzierung durch den Freistaat soll sich das TTZ selbst tragen.
Die Einrichtung solle eine „Drehscheibe“ für den Austausch von Wissen, Expertise und Technologie zwischen der Wissenschaft und Wirtschaft werden, sagte Ralph Schneider, Präsident der OTH Regensburg. „Unser Ziel ist es, Forschungsergebnisse und Innovationen gezielt in die regionale Wirtschaft zu übertragen.“ Man wolle Unternehmen unterstützen, „nachhaltige Lösungen zu entwickeln, Produktionsprozesse digital und effizient zu gestalten und Ressourcen zu schonen“.
18 Unternehmen signalisierten Interesse
Mittlerweile haben 18 Unternehmen aus dem Landkreis und der Oberpfalz ihr Interesse bekundet. „Transfer ist ein sehr weitreichendes Feld“, sagte Clemens Bulitta, Präsident der OTH Amberg-Weiden. Es gehe nicht allein um die Frage, wie man gute Ideen oder technische Lösungen in die Praxis bringen könne. Sondern es gehe auch um Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung.
Wichtig sei, so Bulitta, „dass die Aktivitäten hier am Standort passieren“. Dafür müsse man nicht warten, bis etwas gebaut ist. „Wir können schon vorher aktiv werden und weitere Maßnahmen umsetzen“, sagte er. Die Kontakte seien da. Nun freue man sich, einen Beitrag leisten zu können, um die Region und die Oberpfalz weiter voranzubringen. Die Entwicklung sei in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gewesen. „Vielleicht können wir noch einiges oben drauf setzen.“
Kein Wunder, dass auch der Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller und Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (beide CSU) in die Lobeshymnen einstimmten. „Mich freut es, diesen Leuchtturm mit etablieren zu dürfen“, sagte Feller. Auch Falter ist von dem Konzept überzeugt. Durch das TTZ erhoffe und erwarte er sich einen „enormen Schub auch für die Zukunft“, sagte er.
Die Wirtschaft steht ebenfalls hinter den Plänen. Von der IHK sei bereits länger angeregt worden, dass man in der Mitte des Landkreises ein Gründerzentrum bekomme, sagte Hubert Döpfer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Schwandorf. Dass nun beides gekoppelt werde, das Gründerzentrum und das TTZ, mache den „eigentlichen Gewinn für Schwandorf aus“, sagte er. Man müsse schauen, dass man für kleine Firmen von unten her etwas aufbaue, sagte er. Das sei für die Stadt und den Landkreis „enorm von Bedeutung“.
Auch Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, begrüßte den Ansatz. Die Corona-Pandemie, die Energiekrise, der Fach- und Arbeitskräftemangel sowie der Klimawandel würden „deutlich vor Augen führen“, dass man umdenken und sich anpassen müsse.
Der Bau des neuen TTZ braucht seine Zeit
Um diese Herausforderungen zu entschärfen und zu bewältigen, sei es wichtig, ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. „Genau aus diesem Grund sind Institutionen wie das geplante TTZ hier in Schwandorf so wichtig und so nachhaltig“, sagte der Präsident der Handwerkskammer. Die primäre Zielgruppe sei die „regionale, mittelständische Wirtschaft“.
Bis wann das Gebäude steht, ist bisher noch offen. Landrat Ebeling geht aktuell von einem Zeitrahmen von drei bis vier Jahren aus – das sei aber eine sportliche Schätzung. Doch die ersten Schritte können schon beginnen, lange bevor das Gebäude steht. Das Ziel ist, so wurde es bei dem Pressetermin deutlich, vielleicht schon mit den ersten Projekten in den Neubau einzuziehen.
