Kneipen auf dem Land: Ist das Dorfwirtshaus noch zu retten?

Von Alexander Frimberger · 11. Juni 2023 um 11:15

Auf dem Land ist der Stammtisch selten geworden. Immer mehr Dorfwirtshäuser sperren zu. Die Gründe sind mannigfaltig. Doch es gibt auch positive Beispiele und sogar Ansätze einer Renaissance.

Zusammen sein und im Dorfwirtshaus zusammen kommen, das war früher gang und gäbe. „Man ist am Stammtisch gesessen und hat die Geschichten des Alten gehört“, sagt Christian Lankes, Vorsitzender des Vereins Bundesbierschutz Lixenried. Auch in ihrem Heimatdorf und den Orten im Umkreis ist das Dorfwirtshaus weitgehend verschwunden. Schmerzlich für eine Truppe, die sich als Vereinszweck „Die Liebe zum Bier, die Freude, Feste zu feiern und die Geselligkeit “ auf die Fahne geschrieben hat. Wo die Gründe genau liegen, kann Lankes auch nur vermuten. „Ein privates Wirtshaus wird sich einfach finanziell nicht mehr lohnen.“

Regionaler Wirtschaftsmotor

Frank-Ulrich John, Geschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), beobachtet ebenfalls seit Jahren, dass das Dorfwirtshaus auszusterben droht. Die Zahlen klingen dramatisch. „Nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hat Bayern zwischen den Jahren 2006 und 2015 fast ein Viertel seiner Schankwirtschaften verloren und befindet sich damit auf Rang zwei des größten Gaststättenrückgangs in Deutschland. Bereits jetzt besitzen 73 bayerische Gemeinden kein Wirtshaus mehr.“ Die Gründe dafür sind vielschichtig. „In der Tat ist es so, dass Vereinsmitglieder nicht mehr traditionell in die Kneipe gehen.“ Häufig hätten die sich Vereinsheime gebaut oder würden privat feiern. Auch wenn es inzwischen keine große Rolle mehr spielen würde, weil es einfach schon zu lange her ist, habe das Rauchverbot anfangs schon zum Kneipensterben beigetragen. „Ich sehe es ja an mir selbst. Auch wenn ich Nichtraucher bin, habe ich festgestellt, dass gesellige Runden im Kreis von Rauchern einfach lustiger sind.“ Außerdem wurde in den Raucherkneipen früher mehr konsumiert. „Wo heute nur noch ein Bier getrunken wird, waren es früher zwei oder drei.“

Der gesellschaftliche Wert des Dorfwirtshauses steht für John außer Frage. Dort sei die Diskussionskultur deutlich besser gewesen als in den viel kritisierten anonymen sozialen Medien. Hier haben sich Jung und Alt getroffen, „die Großkopferten und die einfachen Leute.“ Das Wirtshaus ist in Johns Augen das Wohnzimmer eines Ortes, hat eine hohe soziale Bedeutung.

Dehoga: „Wo die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort“

Doch das Wirtshaus auf dem Dorf sei auch ein wichtiger regionaler Wirtschaftsmotor. Der Wirt kauft beim Bauern, Metzger, Bäcker und der Brauerei vor Ort, ist außerdem ein Tourismusfaktor. Urlaubsgäste suchen die lokale Gastronomie vor Ort. Deswegen ist John überzeugt: „Wir brauchen das Dorfwirtshaus unbedingt. Wo die Wirtschaft stirbt, stirbt der Ort.“ Doch auch wenn derzeit noch ein deutlicher Rückgang zu beobachten sei, prophezeit der Dehoga-Geschäftsführer eine Renaissance des Dorfwirtshauses. „Das Thema ist nicht durch, auch wegen oder trotz der sozialen Medien.“

Dazu brauche es aber Ideen, „nur Speisen und Getränke verkaufen wird schwer werden.“ Früher habe man beispielsweise ins Wirtshaus gehen müssen, wenn man telefonieren wollte, weil es nur dort einen Apparat gab. Heute gibt es an Wochenenden Grillgut am Automaten, Pakete könne man im Buchladen aufgeben und das Bier von der Tankstelle holen. „Es braucht Ideen, auch wenn sie vielleicht etwas verrückt klingen.“ Auf der Internetseite Wirtshauskultur Bayern sind unterschiedlichste Beispiele aufgeführt: Kochen für Kinder, Kunst im Wirtshaus, Bier zum selber zapfen oder sein Fleisch selbst grillen, vieles ist denkbar, um wieder mehr Leute ins Wirtshaus zu locken.

Unterhaltung ist wichtig

Doch es gibt auch in der Region positive Beispiele. So behauptet sich Elvira Fischer von der Naturfreundehütte in Furth im Wald mit ihrer besonderen Art. „Ich habe für jeden Gast ein nettes Wort, vor allem wer alleine kommt, soll sich auch willkommen fühlen.“ Ein bisschen Spaß geht immer. „Die Leute wollen unterhalten werden.“ Die Gäste danken es ihr. Sie hat viele Stammgäste, die bei ihr in gemütlicher Runde zusammen sitzen.

Bayerischer Lügner

Elvira Fischer, Wirtin der Naturfreundehütte, ist einem Hochstapler aufgesessen. Mit erfundenen Geschichten hat er sie und andere zum Narren gehalten. Um ihrem Ärger Luft zu machen und auf Drängen ihrer Tochter hat sie das Buch „Der bayrische Lügner - ein Hochstapler unterwegs“ geschrieben. Humorvoll und spannend erzählt sie die Geschichte einer lustigen Wirtin und eines bayerischen „Bazis“. Das Buch aus dem Jahr 2021 wird unter anderem auf dem Regensburger Bürgerfest vom 16. bis 18. 6. vorgestellt.

Elvira Fischer, Wirtin aus Leidenschaft. Foto: Frimberger