Radfahren, Rom und Unterricht: So tickt Rodings neuer Pfarrer Matthias Kienberger

Von Oliver Hausladen · 10. Juni 2023 um 15:00

Die Stimme von Rodings neuem Pfarrer Matthias Kienberger kennen einige Gläubige schon aus dem Radio: Regelmäßig ist er bei Charivari und AWN frühmorgens mit kurzen Meditationen zuhören. Den Glauben nach draußen zu tragen ist für ihn ohnehin ein wesentliches Anliegen, wie der 49-Jährige bei einem Besuch in seiner Noch-Wirkungsstätte in Alteglofsheim erzählt: „Ich will draußen sein bei den Menschen.“

Entspannt spricht Kienberger bei einem sehr guten, aus Italien importieren Kaffee über seinen Werdegang als Geistlicher, was ihm wichtig ist und wie er die neue Aufgabe ab 1. September in der großen Rodinger Pfarrei sieht: „Es ist sicher eine Herausforderung, aber ich freue mich schon darauf. Die ersten Eindrücke sind sehr positiv.“

„Ungezwungen ins Gespräch kommen“

„Ich bin kein Pfarrer sein, der sich hinter den Mauern der Kirche oder des Pfarrheims versteckt“, betont er. Ungezwungen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen sei ihm sehr wichtig. Das funktioniere unter anderem sehr gut, wenn er mit dem Rad unterwegs ist – was sehr oft der Fall ist. „Manche Leute glauben, ich hätte gar kein Auto“, erzählt er schmunzelnd. Hat der Geistliche aber – und wird es in seiner neuen Wirkungsstätte auch öfter nutzen müssen, da die Wege im Gebiet der Pfarrei Roding deutlich weiter sind als in seiner jetzigen Pfarreiengemeinschaft Alteglofsheim/Köfering. „Aber auch in Roding kann man viel mit dem Rad machen und es gibt sehr schöne Radwege am Regen“, hat sich der fitte Pfarrer schon informiert.

Spezielle Führungen in der ewigen Stadt

Eine Leidenschaft hat der Geistliche für Rom. Er studierte dort ein Jahr an der päpstlichen Universität Gregoriana. Die geschlossenen Freundschaften hält Kienberger noch immer aufrecht: Regelmäßig führt er als geistlicher Leiter für die Pilgerstelle der Diözese Reisegruppen durch Rom und den Vatikan. Auch organisierte er unter anderem schon eine spezielle Stadtführung für die bayerische Fußball-Klerikerauswahl, die gegen ein Team der Schweizer Garde antrat.

Ein weiteres Steckenpferd Kienbergers, der in Zwiesel das Licht der Welt erblickte und in Grafenau sowie Rattiszell aufwuchs, ist ist der Unterricht an den Schulen. „Es ist mir enorm wichtig, den Kindern schon früh ein positives Bild von Glaube und Kirche zu vermitteln“, erklärt er. Kindern und auch Eltern zu zeigen, dass der Pfarrer „ein ganz normaler Mensch“ sei, mit dem man sprechen könne, ist ihm ein großes Anliegen. Bisher war er in der Grundschule tätig, in Roding ist er für die 5. und 7. Klassen der Realschule eingeplant.

Begeisterung ist immer noch da

In Kienbergers Kindheit war er selbst seit der zweiten Klasse Ministrant,, „und bin es ja quasi immer noch“, lächelt er. Schon früh war das Interesse für Glaube und Kirche da. In der Kollegstufe am Gymnasium fasste er dann den Entschluss, ins Priesterseminar zu gehen und Theologie zu studieren. „Für mich war aber da noch nicht klar, dass ich Pfarrer werden würde“, blickt er zurück, „ich wollte prüfen, ob es das Richtige ist.“

Diese Prüfung des Glaubens halte bis heute an, „aber es war die richtige Entscheidung“, ist Kienberger überzeugt. Am 1. Juli 2000 wurde er zum Priester geweiht. Seine erste Stelle führte ihn als Kaplan von 2000 bis 2003 nach Eggenfelden. „Ich durfte sehr viel selber machen, eine Filialkirche war quasi meine eigene Pfarrei. Ich habe schnell gemerkt, dass Pfarrer sein das Richtige für mich ist“, sagt er, die Begeisterung habe auch bis heute nicht nachgelassen. Seit 2008 ist er Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Alteglofsheim/Köfering.

Seine jetzige Wirkungsstätte zu verlassen, falle ihm nicht leicht: „Man kennt so viele Leute, und es wurde viel Aufbauarbeit geleistet, als die Pfarreien zusammengelegt wurden.“ Dies sei vor allem anfangs nicht leicht gewesen, mittlerweile wurde aber viel erreicht.

Gezögert hat er trotzdem nicht, als das (für ihn überraschende) Angebot des Bischöfliche Ordinariats aus Regensburg kam, die Rodinger Pfarrei zu übernehmen. Diese hat mit ihren 8000 Katholiken etwa doppelt so viele wie Altegolfsheim/Köfering. „Wenn einem so etwas zugetraut wird, ist das schon eine Ehre und ein großer Vertrauensbeweis. Und irgendwann muss man als Pfarrer sowieso wechseln“, erzählt Kienberger, wieso er die neue Aufgabe dann doch gerne annahm.

Sehr positive erste Eindrücke von Roding

Nach den ersten Eindrücken und den Besuchen bei Pfarrer Kruschina ist Kienberger überzeugt, dass es ihm in Roding sehr gut gefallen wird: „Es wird angesichts der Größe der Pfarrei sicher eine Weile dauern, bis ich die Menschen kennenlerne, aber ich freue mich darauf“. Besonders die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrei möchte er möglichst schnell treffen, da er deren Arbeit enorm schätze: „Ohne sie könnte eine Pfarrei nicht funktionieren.“

Ein großer Vorteil für ihn sei, dass Kaplan Bastian Neumann noch ein Jahr in Roding bleibt: „Er ist seit zwei Jahren da und kennt deshalb Abläufe und Personen. Das ist sehr hilfreich.“

Pater Joseph übernimmt Pfarreiengemeinschaft

Nachfolge ist geregelt: Auch die Nachfolge von Matthias Kienberger für die Pfarreiengemeinschaft Alteglofsheim/Köfering steht fest: Pater Joseph Puthussery wird dort ab 1. September als Pfarrer tätig sein.

Geistlicher war bisher im Bayerischen Wald tätig: Der aus Indien stammende Geistliche ist bislang Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Kollnburg/Kirchaitnach bei Viechtach im Bayerischen Wald.

„Denke, das passt sehr gut“: Nach den ersten Gesprächen (es muss auch ein sogenanntes Übergabeprotokoll von den beiden Geistlichen erstellt werden) ist sich Matthias Kienberger sicher, dass seine bisherige Pfarrei bei Pater Joseph Puthussery in guten Händen sein wird: „Ich denke, das passt sehr gut.“