Von der Bundeswehr in die eigene Hausarztpraxis: Thorsten Schmidt behandelt jetzt in Schwandorf

Bisher habe er keinen Arzt gebraucht, aber wenn dies erforderlich wäre, würde er zu Thorsten Schmidt kommen, meinte Stadtpfarrer Christian Kalis bei der Eröffnung der neuen Hausarztpraxis. Schmidt hatte am Mittwochabend in die Räume in der Paststraße 10 eingeladen.
Dort behandelt der 43-jährige Allgemeinmediziner ab dem 13.Juni seine Patienten. Schon jetzt können die vorab online einen Termin buchen. Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU) freute sich, dass es nun einen weiteren Hausarzt in Schwandorf gibt. Dass es auch von der Bank grünes Licht für die Einrichtung der Praxis gegeben habe, sei laut Wopperer Beleg genug, dass es einen Bedarf nach zusätzlichen Hausärzten in der Großen Kreisstadt gebe.
KVB: Es gibt Anträge für freie Sitze – Entscheidung steht bald an
Im Planungsbereich Schwandorf sind laut Kassenärztlicher Vereinigung Bayern (KVB) aktuell 38 selbstständige und angestellte Hausärzte tätig, davon aber nicht alle in Vollzeit. Im Januar hatte der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen 3,5 freie Sitze festgestellt. Von denen seien in der März-Sitzung des Zulassungsausschusses bereits zwei Sitze vergeben worden, teilte Michael Stahn von der KVB mit. Für die verbliebenen 1,5 Sitze gebe es zwei Anträge. In seiner nächsten Sitzung wird der Zulassungsausschuss über beide Anträge entscheiden, kündigte der Fachreferent an.
Einen freien Sitz übernahm nun Thorsten Schmidt. Der 43-Jährige war bis Ende Mai als Bundeswehrarzt tätig, nebenbei betrieb er seit 2016 eine private Hausarztpraxis in Maxhütte-Haidhof. Seine Ära als Zeitsoldat endete nach 23 Jahren, so Schmidt. Berufssoldat zu werden und damit noch länger bei der Bundeswehr zu bleiben, sei für ihn keine Option gewesen. Vielmehr wollte er sich mit einer eigenen Praxis selbstständig machen.
Bisherige Privatpraxis war zu klein
Seine bisherigen Praxisräume in Maxhütte-Haidhof waren dafür nicht geeignet, begründete Schmidt den Wechsel nach Schwandorf. Seine Privatpraxis befand sich im eigenen Wohnhaus und war gerade mal 35Quadratmeter groß. Die Fläche in Schwandorf ist um einiges größer. Es gibt allein drei Behandlungsräume, ein großzügiges Labor und Extra-Zimmer für Akupunkturen und Infusionen. Auch über eine Kältekammer verfügt die neue Hausarztpraxis. Es sei laut Schmidt die einzige in Schwandorf. In dieser „Eissauna“ können sich die Patienten bei minus 110 Grad Celsius zwei bis sechs Minuten behandeln lassen. Andreas Wopperer testete die Kältekammer bei der Eröffnung gleich aus. Stadtpfarrer Kalis erklärte seinerseits, dass er gerne mal eine Akupunktur machen würde. Das Ausprobieren verschob er aber auf einen späteren Zeitpunkt.
Stadtpfarrer Christian Kalis segnete die Praxis
Man solle den Arzt schätzen, weil man ihn brauche, auch ihn habe Gott erschaffen, meinte Kalis in seiner kurzen Ansprache. Nach den geistlichen Worten segnete er die Praxis, indem er in verschiedenen Räumen sein Weihwasser verteilte.
Das geweihte Wasser hatte Kalis diesmal nicht vergessen. Anders als bei der ersten Segnung nach seiner Ankunft in Schwandorf. Diese fand beim Bayernwerk statt und damals habe er nicht daran gedacht, das Weihwasser mitzunehmen, so der katholische Seelsorger.
Kalis wünschte dem neuen Hausarzt, dass viele Patienten in seine Praxis kommen. Das dürfte ein Wunsch sein, den der Allgemeinmediziner gerne hört, denn er muss seinen Patientenstamm neu aufbauen.
In den Räumen in der Paststraße 10 gab es zwar schon früher eine Praxis, allerdings die eines Hautarztes. Rudolf Frankerl hatte bis vor zwei Jahren in dem Gebäude praktiziert. Sein damaliger Abschied nach 34Jahren sorgte für großes Bedauern, denn er war nur einer von zwei Hautärzten in der Stadt.
Arzt-Tradition wird fortgesetzt
Wopperer bedankte sich denn auch bei Thorsten Schmidt, dass er die Tradition einer Arztpraxis in diesen Räumen weiterführe. Er zolle ihm Hochachtung und Respekt, dass er sich mit einer eigenen Praxis selbstständig mache, so der Bürgermeister. Heutzutage gebe es viele junge Ärzte, die lieber als angestellte Mediziner tätig sein wollen.
Diesem Wunsch will Thorsten Schmidt nachkommen und in Zukunft weitere Hausärzte in seiner Praxis beschäftigen. Es sei der feste Plan, bis zu dreieinhalb Kassensitze abzudecken, erklärte der Allgemeinmediziner.
