Europas begehrtester Junggeselle Albert von Thurn und Taxis wird 40

Er ist des Oberhaupt des Hauses Thurn und Taxis: Fürst Albert feiert einen Runden Geburtstag. Einen Erben hat er bislang noch nicht, dabei wird auch Alberts Nachfolger ein Mann sein und direkter Nachfolger der Linie. Der Druck auf den Adeligen steigt – wer erbt, wenn er kinderlos bleibt?
„Sportlicher, junger Mann, groß, promoviert, gläubig und auch jenseits des eigenen Familienunternehmens wirtschaftlich erfolgreich sucht ...“ – so könnte sie aussehen, die Kontaktanzeige von Albert Maria Lamoral Miguel Johannes Gabriel Prinz von Thurn und Taxis, wie der zwölfte Fürst mit bürgerlichem Namen heißt. Am 24. Juni 1983 läuteten die Glocken von St. Emmeram und verkündeten den lange ersehnten Erben. Alteingesessene Regensburger werden noch wissen, was das damals für ein Drama war, bevor Albert endlich das Licht der Welt erblickte – und getauft wurde auf den Namen seines Urgroßvaters, der als Albert I. das Familienvermögen aus der Kaiserzeit über die Weimarer Republik und die NS-Herrschaft in die Adenauer-Republik gerettet hatte.
Sein Namensvetter und Nachfolger als Oberhaupt des Hauses lebt heute in Rom. Er hat seine Promotion an der Päpstlichen Universität Thomas von Aquin in Rom abgeschlossen, die in unmittelbarer Nähe zum Forum Romanum liegt. Seither hat er dort einen Lehrauftrag in Mittelalterlicher Philosophie. „Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn, weil er die Aufgaben, die er sich gibt, alle mit Bravour löst“, sagt Alberts Mutter Gloria von Thurn und Taxis. „Auch als Sportler ist er erfolgreich in seinem Team und dieser Ausgleich tut ihm gut!“ Albert ist leidenschaftlicher Rennfahrer. Mehr verrät man nicht im Hause Thurn und Taxis über das Privatleben des Fürsten. Auch er selbst schweigt gegenüber der Mediengruppe Bayern lieber. So wolle er seine Privatsphäre wahren. Wie er seinen 40. Geburtstag begeht, ist unbekannt.
Was kostet ein Schloss?
Kein Wunder also, dass die bunten Blätter spekulieren. Und das beginnt schon beim Vermögen des noch 39-Jährigen. Das US-Magazin Forbes hatte es noch 2012 auf 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Wenige Jahre später taxierten deutsche Medien den Fürsten noch auf 550 Millionen Euro. Verwunderlich ist das nicht: Einerseits besitzt Albert ein Schloss, das der Legende nach mehr Zimmer hat als der Buckingham Palace in London. Nachgeprüft hat das allerdings noch niemand. Und was ist das Schloss wert? 100 Millionen Euro? Oder null? Fest steht, derzeit müssen die größten Bauarbeiten seit Jahrzehnten am Schloss durchgeführt werden. Die Baukosten werden auf 13 Millionen Euro geschätzt. Der Besitz verursacht also auch hohe Kosten. Eigentum verpflichtet – und legt auch Fesseln an.
„Dauer-Single Fürst Albert von Thurn und Taxis in Begleitung seiner Schwester“: So stellte die Bild-Zeitung den berühmten Regensburger kürzlich vor. Und das auf der letzten Seite des Boulevardblattes, dessen Textchef immerhin Alexander von Schönburg heißt. Er ist Alberts Onkel. Anlass für den seltenen Auftritt in Deutschland war die Hochzeit von Prinz Ludwig von Bayern mit Sophie-Alexandra Evekin. Ob Albert aber wirklich Single ist, wissen nur wenige – es sind Spekulationen. Fest steht aber: Auch er braucht einen Erben. Überhaupt: das Erbe. Wer verstehen will, welche Last auf Alberts Schultern liegt, kommt nicht umhin, in die Geschichtsbücher zu blicken. Man lernt, dass für einen Erstgeborenen im Hause Thurn und Taxis alles anders ist als bei Bürgerlichen.
Denn bei den Thurn und Taxis gilt nach wie vor die sogenannte Primogenitur: der Erstgeborene übernimmt. Zudem spielt das Fideikommiss eine große Rolle. Dieses Recht, das im 19. Jahrhundert häufig von adeligen Familien angewandt wurde, sollte verhindern, dass ein einzelner Erbe alles verschleudert. Bis heute gibt es eine eigene Gerichtskammer am Oberlandesgericht Nürnberg, das in Zweifelsfragen angerufen wird. Verkürzt besagt es, dass das Kernvermögen eines Hauses nicht angetastet werden darf. Tatsächlich wurde der Gerichtshof auch bereits unter Alberts Ägide im Hause aktiv: Die Hofbibliothek, untergebracht in einem von den Gebrüdern Asam gestalteten Saal, kostete bereits im Jahr 2004 stolze 300.000 Euro Unterhalt im Jahr. Sie ist mit 240.000 Bänden eine der größten Privatsammlungen der Welt. Veräußern darf der Fürst sie aber nicht – sie ist dem Fideikommiss-Vermögen zugeordnet. Gemeinnütziges hat Albert fortgeführt: Die Notstandsküche versorgt täglich bis zu 200 bedürftige Menschen mit einem Essen. Das Haus vergibt auch wissenschaftliche Stipendien.
Für Alberts Vater war das Erbe Last und Segen zugleich. Johannes von Thurn und Taxis, geboren 1926 auf Schloss Höfling im Landkreis Regensburg, galt bis in die 70er Jahre als begehrte Partie. Damals agierte Johannes als Erbprinz und lenkte die Geschicke des Familienunternehmens mit eigener Bank, Brauerei und Ländereien. Das Haus zählt bis heute zu den größten privaten Waldbesitzern Europas. Lange lebte Johannes ein Junggesellen-Leben, wurde als Party-Löwe in der internationalen Presse dargestellt. Mit 54 Jahren fand er endlich eine Braut: Johannes lernte die junge Mariae Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau im Café Reitschule, ein Treffpunkt der Münchner Schickeria, kennen. Gloria war bei der Hochzeit gerade 20 Jahre alt. Schon 1981 folgte die Geburt von Prinzessin Maria Theresia, im Jahr darauf wurde Elisabeth geboren. „Nach der Geburt von Elisabeth, unserer zweiten Tochter, meinte mein Mann allerdings, hoffentlich wird es das nächste Mal ein Junge“, erzählte Gloria in einem Interview. Am 24. Juni 1983 war es dann soweit: Albert von Thurn und Taxis wurde geboren. „Hochwohlgeboren“, titelte die Zeitschrift Bunte. „Dies ist das reichste Baby Deutschlands. Es heißt Albert von Thurn und Taxis. Der Junge wird vielleicht schon als 20-Jähriger die Regentschaft in Regensburg übernehmen. Immerhin ist sein Vater Fürst Johannes bereits 56 Jahre alt.“
Wer wäre der Erbe?
Seit dem Tod seines Vaters 1990, da war Albert 13 Jahre alt, ist er das Oberhaupt der Familie. Auch sein Sohn wird erben, weibliche Mitglieder der Familie werden abgefunden. Doch bislang fehlt es an einer Ehefrau. Einen offiziellen Erbprinzen des Hauses gibt es derzeit nicht. „Ohne Fürstenhochzeit und männliche Nachfolge geht das gewaltige Erbe auf die nächste Linie über“, stellte der Journalist Rudolf Reiser noch in seinem Buch „Die Thurn und Taxis“ fest. Die Nebenlinie geht auf Prinz Raphael Rainer (1906 - 1993) zurück. Er hatte einen Sohn, den 2020 verstorbenen Max Emanuel. Dessen Erstgeborener Hubertus, der in Füssen lebt und mit einer Friseurin verheiratet ist, wäre derzeit der nächste männliche direkte Nachkomme der Linie.


