Der Herr der Kieselsteine: Im Garten von Bruno Englert sind die grauen Elemente ein Hingucker

Von Franziska Mahler · 8. Juni 2023 um 05:00

Geht es um Steine im Garten, spalten sich die Meinungen. Doch in Bruno Englerts Garten in Regenstauf wird durch Kieselsteine nicht auf Grünflächen verzichtet, sondern etwas besonderes geschaffen: Kunst.

Wenn Bruno Englert von Freunden am Telefon gefragt wird, wo er gerade ist, dann gibt es zwei Optionen: „Ich bin im Garten oder im Wald“, sagt er. Naturverbunden war der 69-Jährige schon immer. Die Begeisterung fürs Gärtnern entfachte aber erst, als Englert vom Spessart in den Landkreis Regensburg kam.

Eigentlich war es ein unschönes Ereignis, das Bruno Englert hierher verschlug: ein Arbeitsunfall. „Alles Schlechte hat auch etwas Gutes“, sagt der 69-Jährige heute. In den Eckert-Schulen in Regenstauf schulte der gelernte Fliesenleger zum Nachrichtengerätemechaniker um. Als Bruno Englert mit seiner Frau 1994 in ihre Eigentumswohnung im Regenstaufer Ortsteil Diesenbach zog, war der Garten alles andere als ein Wohlfühl-Ort. „Es wuchs kein Grashalm“, so der 69-Jährige. Stattdessen war die gesamte Fläche nur von einer Erdschicht bedeckt. Englert nahm also die Dinge selbst in die Hand – ganz ohne Vorkenntnisse.

Aller Anfang ist schwer

Beim Anpflanzen habe er klassische Anfängerfehler gemacht und ließ sich „von Etiketten in der Gärtnerei blenden“, sagt der Rentner. „Learning by doing“ war zunächst sein Motto. Irgendwann weitete er sein Wissen mit Büchern aus und holte sich zusätzlich Tipps.

Heute zieht sein 200 Quadratmeter großer Garten nicht grundlos die Blicke von Spaziergängern und Nachbarn auf sich. Er zeigt auf zwei farbenfrohe Gewächse in seinem Hangbeet. „Den habe ich erst kürzlich gepflanzt“, sagt er. Er meint einen rosafarbenen Flamingobaum. Dieser steht unweit der roten Glanzmispel mit dem ungewöhnlichen Namen „Dicker Toni“. Für weitere Farbkleckse in seinem Garten werden demnächst auch die sechs Hortensien sorgen. „Ich mag es bunt. Das Leben ist grau genug“, sagt Englert. Wichtig ist ihm dabei aber, dass die Farben abgestimmt sind.

Hinter Bäumen versteckt, liegt einer von Englerts Lieblingsplätzen: seine Lese-Ecke. Dort kann er die Ruhe im Garten auf einem Hängesessel genießen. Nebendran steht ein großer Sonnenschirm – eine Seltenheit in Englerts Garten, denn er bevorzugt eigentlich Bäume als natürliche Schattenspender.

Das eindrucksvollste in Englerts Reich sind allerdings seine Kunstwerke. Aus einfachen Kieselsteinen zaubert er kreative Motive. Schon in der Einfahrt, gegenüber seines Wohnhauses, stehen zwei Figuren. Das Gesicht fertigte er auf den Steinen an. Dazu nutze er bunte, zerschlagene Fliesen sowie runde Glas-Steine als Augen. Englerts Markenzeichen: ein Herzchen-Mund.

Oben schnitt er die Steine mit einer Flex auf und befestigte blaue, gelbe, grüne oder auch rote Glasstreifen – die Haare. Die weibliche Figur trägt ein Efeu-Rock und hält mit ihren Armen aus Tomatenstäben einen Blumentopf, aus dem weiße und violette Blümchen sprießen. Die männliche Figur hält in ihren Armen zwei weitere kleine Kieselsteine – die Kinder. Insgesamt ergibt Englerts Werk also eine Familie. Auch im Garten selbst stellte er eine Eulen-Familie mit Hilfe von Kieselsteinen dar. Sie, wie auch die anderen Werke, sind auf großen, dicken Ästen befestigt, die zum Teil mit vielen bunten Glassteinen versehen sind.

Eine mühsame Arbeit

Das Holz holt sich Englert aus dem Wald. „Nach einem Sturm bin ich als Erster dort, um Bruchholz zu holen“, sagt er. Von diesem trennt er dann sorgfältig die Rinde. Insgesamt braucht er für eine Figur mindestens 14 Tage.

Der 69-Jährige erschafft aber nicht nur Familien mit Kieselsteinen. Auf dem Dach seines dunkelgrünen Gartenhauses hat es sich ein großes Tier gemütlich gemacht: eine Schlange. Außerdem hat er die etwa 30 Meter lange Mauer gegenüber seines Wohnhauses mit zerschlagenen Fliesen in Mosaik-Optik gestaltet – ein Hingucker.

Eigentlich macht Englert alles in seinem Garten selbst und verbringt hier täglich viel Zeit. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt er. Ein absolutes No-Go für ihn: Plastik. Naturmaterialien sind ihm lieber.

Der Rentner nutzt seine Kreativität aber nicht nur für seinen heimischen Garten. Auch für das Thomas-Wiser-Haus fertigte er bereits mehrere Kunstwerke an – eine „Herzensangelegenheit“.

Bei dieser schwebenden Figur ummantelte Englert das Holz mit Metall und integrierte in der Mitte Mosaik-Elemente.
Kreativ gestaltete Englert die weibliche Figur mit einem Efeu-Kleid. Der Mann hält die Kieselstein-Kinder im Arm.