Weniger Freisitze am Regensburger Brückenbasar in Stadtamhof

Von Evi Paleczek · 7. Juni 2023 um 05:00

Der Brückenbasar in Stadtamhof in Regensburg ist im Sommer einer der beliebtesten Plätze in der Stadt. Einheimische und Touristen lieben die Sonnen-Plätze, von denen es immer zu wenige gibt. Dass die Zahl der Freisitze nun gesunken ist, bedauern deshalb Gastronomen und Gäste.

Die Betreiber der Trattoria Marina sowie der gegenüber liegenden Cafés hatten aufgrund der guten Nachfrage nach den schönen Plätzen einen Weiterbetrieb der während der Pandemie genehmigten erweiterten Freisitzflächen vor ihren Lokalen beantragt. Zunächst mit Erfolg, erzählt Marina-Inhaber Andreas Espig. Im November habe er einen Antrag auf die zusätzliche vordere Reihe an Tischen und Stühlen gestellt. „Von Stadtseite bekam ich eine Zusage, es hat geheißen, das sei kein Problem“, berichtet der Gastronom.

Er habe sich bereiterklärt, eine Summe von 40.600 Euro für die imaginäre Ablöse von zwei Stellplätzen zu zahlen. Und er habe gleich zusätzliche Tische und Stühle bestellt. „Weil man bei solchen Dingen ja gerade mit zwei/drei Monaten Wartezeit rechnen muss“, erklärt Espig.

Vertrag mit Trattoria Marina war angedacht

Für einen Nachmittag im Februar sei die Vertragsunterzeichnung mit der Stadt angesetzt gewesen, erzählt der Inhaber der Trattoria Marina. Ein paar Stunden davor aber habe er Bescheid bekommen, das Ganze werde nun doch nicht genehmigt. „Es hat nur geheißen, unterhalb der Mauer will man nichts stehen haben“, berichtet der Gastronom. „Ich weiß nicht warum, eine Begründung gab es nicht.“

Espig empfindet das Vorgehen als Willkür. Überall auf den Plätzen der Altstadt seien die erweiterten Freisitze genehmigt worden. Und die zusätzlichen Reihen in Stadtamhof hätten sich auch noch auf Höhe der ohnehin dort stehenden Bänke befunden. Sie hätten nicht weiter in die sowieso breite Straße hineingeragt.

Da für den Februar noch die Corona-Ausnahmegenehmigung gegolten habe, habe es die zusätzliche Reihe bis zu diesem Zeitpunkt gegeben im Marina. In der ersten Märzwoche habe er die Möbel dann weggeräumt, berichtet Espig. Zurückgeben habe er sie nicht mehr können, sie stünden jetzt in einem Abstellraum. Dabei habe er die Tische und Stühle extra anfertigen lassen, damit sie zum vorhandenen Mobiliar passten.

Antrag vom La Strada auf Sondernutzung

Die allgemeine Wahrnehmung sei zunächst sogar gewesen, die während Corona genehmigten zusätzlichen Freiflächen könnten in diesem Jahr sowieso noch bestehen bleiben, erzählt Banu Tekkeci von der Café Bar La Strada. Dann habe es geheißen, man solle die Sondernutzung neu beantragen. Das habe sie gemacht, berichtet die Gastronomin. Die Antwort sei eine Genehmigung der Freisitzfläche in der Größe vor Pandemie-Beginn gewesen. „Es gab weder eine Ablehnung meines Antrags, noch eine Erläuterung, warum er nicht genehmigt wird, nur eine Widerspruchsfrist“, berichtet Tekkeci. „Ich dachte erst, das ist ein doofer Scherz.“ Sie habe bei der Stadt angerufen und man habe ihr erklärt, wenn ihre Freisitzfläche um ein Vielfaches größer sei als der Verkaufsraum innen, müsste sie eine Stellplatz-Ablöse zahlen, sagt die Betreiberin des La Strada. Das sei ihr dann aber gar nicht vorgeschlagen worden, man habe ihren Antrag lediglich abgelehnt.

Verstehen könne sie das nicht, betont die Gastronomin. In der Gesandtenstraße etwa seien die zusätzlichen Stellplätze auf der gegenüber den Cafés liegenden Seite der Kirche geblieben; dort gehe es sicher enger her als am angeblichen Nadelöhr Brückenbasar. Und auch andere Lokale in Stadtamhof hätten ihre erweiterte Zahl an Freisitzen behalten dürfen beziehungsweise seien es zum Teil sogar noch mehr geworden.

Großes Bedauern um den Wegfall der zusätzlichen Freizeit-Reihe

Sascha Almahmoud, Betreiber des Cafés Spital, bedauert den Wegfall der zusätzlichen Freisitz-Reihe ebenfalls. „Das bedeutet eine Stunde weniger Sonnenplätze“, erklärt der Gastronom, „und im Frühjahr merken wir das extrem.“ Das Lokal habe die Fläche durch die Bestuhlung zudem sauber gehalten und den Außenbereich zur Sperrzeit geräumt. Weniger Müll und Chaos durch kreuz und quer abgestellte Räder sowie weniger Lärm – das sei für alle Seiten, auch für die Stadt, positiv gewesen. Sicher habe man keine schöne Aufenthaltsfläche gewonnen, meint Almahmoud.

Wegfall der Freisitze ist ein großes Fragezeichen

Warum die Freisitze weggefallen seien, sei deshalb ein großes Fragezeichen für ihn. Sowohl von Stadtamhofern, als auch von Touristen habe er nur positives Feedback für den zusätzlichen Platz bekommen, berichtet der Betreiber des Spital. „Jeder wundert sich über die Entscheidung.“ Eigentlich würden Stadt und Gastronomen schon an einem Strang ziehen, damit Regensburg für Einheimische und Gäste attraktiv sei. Und die Stadt hätte ja auch zusätzliche Mieteinnahmen bekommen für die Flächen.

In allen Gestattungsverträgen für die Gastronomie am Brückenkopf stehe, dass nach Corona die Bestuhlung wieder hinter die „kleine Stützmauer“ gehöre, teilt Stadt-Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra mit. Diese Verträge seien den Antragstellern im Frühjahr zugegangen. Beschwerden dazu seien bis dato keine eingegangen.