Oliver Rong von Huber SE: „Die Wasserknappheit ist für uns wie ein Turbo“

Von Bernhard Neumayer · 3. Juni 2023 um 05:00

Ein Parkhaus, zwei Hallen, zwei Bürogebäude: Die Firma Huber SE investiert mehrere Millionen Euro für ihre 850 Mitarbeiter in Erasbach. Warum das Unternehmen trotz weltweiter Krisen wächst und wohin sich die Firma noch entwickeln soll, erzählen Firmenchef Georg Huber und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Oliver Rong im Interview.

Corona, Krieg, Energiekrise: Trotzdem investiert Huber SE weiter massiv. Bereiten die Krisen der Firma überhaupt keine Sorgen, Herr Huber?

Georg Huber:Die Nachfrage nach unseren Produkten ist trotz der angesprochenen Krisen nach wie vor groß. Daher sehen wir die Notwendigkeit, die Kapazitäten zu erweitern und zu investieren.

40 Millionen Euro in ein neues Werk in den USA zu investieren, ist eine Hausnummer.

Huber:Das ist für uns ein sehr großes Investitionsvolumen, über das wir lange diskutiert haben. Die USA sind für uns der größte Markt neben Europa und es wird für uns langfristig gesehen nur funktionieren, wenn wir vor Ort produzieren.

Und die genannten Krisen?

Huber:Natürlich hatten diese Auswirkungen, aber wir haben unsere langfristigen Entscheidungen davon nicht abhängig gemacht. Zum Teil hat uns die Krise auch geholfen.

Inwiefern?

Oliver Rong:Wir sind im Bereich Abwasser und Schlammbehandlung tätig. Und diese Themen werden immer wichtiger. Wasserknappheit ist ein globales Problem. Das trägt dazu bei, dass Abwasser immer wichtiger wird.

Wie kann man es nutzen?

Rong:Man kann Abwasser so reinigen, dass man es wiederverwenden kann. Dadurch spart man Frischwasser. Der globale Trend der Wasserknappheit ist für uns wie ein Turbo.

Inwiefern?

Rong:Weil unsere Produkte und Verfahren weltweit benötigt werden. Dadurch können wir wachsen. Wir sind seit Jahrzehnten in diesem Markt tätig und weltweit aktiv. Jedes Planungsbüro auf der Welt, das sich mit Abwasserreinigung beschäftigt, kennt die Firma Huber.

Hat die Firma wegen der Krisen an Umsatz einbüßen müssen?

Rong:Wir haben so viele laufende Projekte während der Krisen in petto gehabt, dass wir das relativ gut kompensieren konnten.

Was heißt das konkret in Zahlen?

Huber:Wir hatten keinen Umsatzrückgang. Wir sind auch in den letzten Jahren gewachsen, sowohl in der SE in Erasbach als auch im Konzern, wo wir 2022 einen Umsatz von 300 Millionen Euro erzielt haben.

Rong:Der Umsatz ist vergangenes Jahr deutlich zweistellig gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. Ausschlaggebend war die Schlammbehandlungsanlage in Ägypten, die wir 2022 mit 35 Millionen Euro verumsatzt haben.

Mit der Anlage hat die Firma auch zwei Weltrekorde aufgestellt.

Rong:Es handelt sich um die größte Schlammbehandlungsanlage der Welt und die größte Wasseraufbereitungsanlage der Welt.

Neben Investitionen in Ägypten und in den USA vergrößert sich Huber SE auch in Erasbach.

Rong:Mit derHalle P3, die gerade fertig geworden ist, ergänzen wir unsere Produktionshallen. Wir benötigen zum einen mehr Platz für neue, größere Maschinen, um in einem neuen Markt Fuß fassen zu können. Zum anderen müssen wir unbedingt mehr Platz für neue Arbeitsplätze schaffen. Und um die Schichtarbeit bei den Schweißern größtenteils auflösen zu können.

Um welchen Markt handelt es sich dabei?

Rong:Es geht um Maschinen für die Entnahme von Oberflächenwasser. Der neue Produktbereich heißt Water Intake.

Und dann geht es schon mit der vierten Halle weiter?

Rong:DerPlan für die P4ist bei der Stadt Berching bereits eingereicht. Weitere Detailplanungen laufen derzeit. Auch hier sprechen wir von etwa 11Millionen Euro für den Neubau – wie auch bei der P3.

Was ist in der vierten Halle geplant?

Rong:Dort ist die Verarbeitung und Montage von Kunststoffkomponenten zu Filtersegmenten vorgesehen. Des Weiteren wird ein neuer Bereich für die Endmontage von Schlammtrocknerkomponenten aufgebaut. Das wird etwa die Hälfte der Halle ausmachen. Die andere Hallenhälfte soll als Lager- und Logistikhalle für die Abwicklung von Großprojekten genutzt werden. Insgesamt wird die P4 etwa 6000Quadratmeter groß (Anm. d. Red.: Die P3 ist auch etwa 6000 Quadratmeter groß).

Wie sieht der Zeitplan für die P4 aus?

Rong:Der Baubeginn ist für Mitte des Jahres 2023 geplant. Vermutlich im zweiten Quartal des Jahres 2024 soll die Halle fertig sein.

Und hinter der P4 plant Huber SE ein Parkhaus für Mitarbeiter?

Huber:Ja, wir haben aufgrund der hohen Anzahl an Neuanstellungen ein Parkplatz-Problem. Daher haben wir uns Gedanken gemacht und mehrere Optionen geprüft.

Und der Standort hinter der P4 ist die beste Option?

Rong:Richtig, das ist ein guter Platz für ein Parkhaus. Das dortige Grundstück befindet sich am Hang. Eine Fertigung im Verbund mit den übrigen Hallen ist dort aufgrund des starken Höhenunterschieds nicht sinnvoll möglich.

Huber:Ein weiterer Grund war, dass wir in Zukunft weitere Büroflächen benötigen. Aktuell ist dafür der passendste und schönste Bereich mit Parkplätzen belegt.

Wann sollen aus dem aktuellen Parkplatz Büroflächen werden?

Huber:Im Laufe von 2024, im Anschluss an den Parkhausbau. Es sollen zwei Gebäude für etwa 150 Mitarbeiter entstehen.

Zurück zum Parkhaus: Wann ist Baubeginn?

Huber:Die Zeit drängt etwas. Wir sind derzeit über der Planung und werden den Bau ohne weiteren Verzug umsetzen.

Wie groß wird das Parkhaus?

Huber:Die Planung läuft derzeit. Es wird zwei Ausbaustufen geben, in der ersten sprechen wir von rund 600 Parkplätzen.

Und dann könnte man sich ja auch noch auf der Fläche erweitern, die sich auf der anderen Seite der Staatsstraße befindet.

Rong:Richtig, die Fläche nördlich der Staatsstraße ist sehr groß und bietet noch enorme Erweiterungsmöglichkeiten. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht – abgesehen von einer Beize, die wir bereits auf diesem Gelände planen.

Und was ist mit der bestehenden Beize?

Rong:Die bleibt. Unsere aktuelle Beize läuft bereits im Drei-Schicht-Betrieb und ist an der Grenze. Die neue Beize auf der anderen Straßenseite wird zur Erweiterung und als Backup der ersten Beize benötigt.

Wie konkret sind die Überlegungen zur neuen Beize?

Rong:Die zweite Beize wird kommen, aber der Zeitpunkt ist noch nicht geklärt. Die Beize muss erst noch genehmigt werden. Und das dauert bei einem chemischen Prozess deutlich länger als bei der neuen Montage- und Logistikhalle. Deshalb planen wir frühzeitig.

Plant die Firma auch, sich ein eigenes Windrad errichten zu lassen?

Huber:Wir beziehen seit vielen Jahren zu 100 Prozent grünen Strom aus Wasserkraft. Momentan sind zwei Photovoltaikanlagen in Planung. Auch Windenergie ist interessant, entweder durch die Errichtung eines eigenen Windrades oder durch die Zusammenarbeit mit lokalen Windkraftanlagenbetreibern. Es gibt dazu aber im Moment keine konkreten Pläne. Ich weiß auch gar nicht, ob es passende Standorte gäbe.

Stichwort: Standort. In der Firmenzentrale in Erasbach arbeiten rund 850 Mitarbeiter. In welchen Bereichen suchen Sie am dringendsten Mitarbeiter?

Rong:Wir benötigen in allen Bereichen Mitarbeiter. Aber im Bereich Fertigung und Service ist der Bedarf sehr groß. Die reine Anzahl der Personen ist bei den Schweißern am größten. Wir könnten sofort 20 bis 25 Mitarbeiter im Bereich Schweißen einstellen.

Um erfolgreich zu sein, investiert die Firma viel in Personal.

Huber:Natürlich. Auch wir müssen uns dem Wettbewerb um die Fachkräfte stellen. Dass wir im Umweltbereich tätig sind, hilft, aber man muss es auch nach Innen leben.

Welche Märkte wollen Sie in Zukunft noch erschließen?

Huber:Neben dem angesprochenen Bereich der Oberflächenwasserentnahme sehen wir aus dem Markt ein starkes Interesse an unserem ThermWin-Verfahren. Dabei wird die im Abwasser befindliche thermische Energie mit Hilfe von Wärmetauschern dazu genutzt, Gebäude zu heizen und im Sommer auch zu kühlen.

Mit der Energie des Abwassers wird in Baden-Württemberg ein Neubaugebiet versorgt. Die Technik dafür liefert Ihre Firma.

Huber:Ja, in Schallstadt entstehen in einem Neubaugebiet 200 Wohnungen und Häuser. Durch die Nähe zu einem vorhandenen Abwasserkanal kann das energetische Potenzial des Abwassers zum Betrieb des Nahwärmenetzes genutzt werden und so die Häuser kühlen und heizen. Brennstoffe kommen dabei nicht zum Einsatz.

Ist das auch bei neuen Baugebieten im Landkreis Neumarkt denkbar?

Huber:Das ist überall denkbar und auch umsetzbar. Man braucht dazu lediglich einen Abwasserkanal mit einer gewissen Menge Abwasser und Abnehmer in der Nähe. Diese Projekte werden bundesweit umgesetzt, in Bayern haben wir etwa das Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg damit ausgestattet.

Nicht nur in Regensburg setzt die Firma Huber Projekte um, sondern weltweit. Wo sehen Sie das Unternehmen in zehn Jahren?

Rong:Wir sindderWeltmarktführer im Bereich der Abwasser- und Schlammbehandlung – und der wollen wir auch noch in zehn Jahren sein.