Wilde Feiern am Baggersee in Sengenthal – jetzt wird aufgeräumt

Die Party am Dienstagabend war gut und ging lang – am Mittwoch rückte erstmals in der Geschichte der Schulabschlussfeiern ein organisierter Trupp Schülerinnen und Schüler der Neumarkter FOS/BOS am Baggerweiher in Sengenthal an, um aufzuräumen. Dabei allein soll es nicht bleiben.
Denn der Müll, der nach Schülerfeten liegen bleibt, ist jedes Jahr aufs Neue ein Ärgernis. Mechthild März vom Arbeitskreis Umwelt und Natur Sengenthal räumt seit Jahren mit mal mehr, mal weniger Helfern nach all den Schülerpartys auf – heuer war sie im Vorfeld auf die Schulen zugegangen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.
Lieber Aufräumen statt in die Schule
Bei den Lehrerinnen Charlotte Ripper und Daniela Böhm-Guzman stieß sie dabei ebenso auf offene Ohren wie beim Busunternehmen Dörfler, das die Schüler am Mittwochmorgen kostenfrei nach Sengenthal kutschierte und wieder abholte. Die Teilnahme war freiwillig – die Schüler konnten wählen, ob sie lieber in die Schule oder zum Praktikum gehen wollten oder an den Baggersee zum Aufräumen. Knapp 20 Elftklässler, im Übrigen fast alle aus dem sozialen Zweig, entschieden sich für den Aufräum-Ausflug.
Dass die Elftklässler aufräumten und nicht die feiernden Zwölftklässler hat zwei Gründe: Einerseits sind die Elftklässler auch in andere Aufgaben bei den Abschlussfeiern eingebunden, andererseits kommt die Schule an die Zwölftklässler nicht mehr wirklich heran, wenn die erstmal ihre Prüfungen geschrieben haben. Das Prozedere will die FOS/BOS auch künftig so beibehalten.
Für den 18-jährigen Maximilian Gründer und die 17-jährige Luisa Kippes, die am Dienstag noch selbst mitgefeiert hat, klingt das nach einem fairen Deal. Auch das Aufräumen fällt ihnen nicht schwer – denn dass der Müll wieder weggeräumt werden muss, ist für sie logisch.
Mit Neumarkter Gymnasien in Verhandlungen
Auch für Mechthild März ist es das eigentlich – doch mit den Gymnasien, deren inoffizielle Abschlussfeiern am Böglweiher demnächst anstehen, ist sie noch in Verhandlungen. Sie würde sich wünschen, dass das Aufräumen mit den Gymnasiasten ebenso läuft wie mit der FOS/BOS. Denn gegen das Feiern im Prinzip hat sie nichts, für die Schüler, die aufräumen, hat sie sogar ein Kilo Gummibärchen im Rucksack dabei.
Die Realschulen übrigens werden in diesem Jahr wohl gar nicht am Baggersee feiern – der Circus Sambesi gastiert am 8. und am 15.Juli am Bögl-Weiher und darum soll der Bereich schon ab Ende Juni für den Zirkus abgesperrt werden.
Die Schülerinnen und Schüler der FOS/BOS hatten am Mittwoch übrigens nur bedingt viel zu tun – die Eltern von Linda Bikiri, die in direkter Nähe des Sees den Dönerimbiss Baba Kebab betreibt, waren schon früh am Morgen unterwegs und sammelten zwei Stunden lang Müll ein, um den Gästen keinen störenden Anblick zumuten zu müssen. „Man unterstützt die Kinder ja immer, wo es nur geht“, sagt der Vater. Davon, dass ein Schülertrupp kommen würde, wusste er nichts. „Aber macht nichts, wir laufen sowieso jede Woche ein-, zweimal durch und nehmen Müll mit, der herumliegt.“ Das machen auch viele andere Sengenthaler, bestätigt Mechthild März. Erwachsene, Familien, Vereinsgruppen mit Kindern. Ihr Ziel ist es, Schulen durch Patenschaften dauerhaft in die Pflege des Platzes miteinzubeziehen.
Das sagt die Firmengruppe Max Bögl:
Abschlusspartys:Die Firmengruppe Max Bögl hat am Baggersee präventiv wieder einen Abfallcontainer aufgestellt. „Wir hoffen, dass bei möglichen Feiern es nicht wieder so eskaliert, wie wir es schon mehrfach erleben mussten“, sagt Firmensprecher Jürgen Kotzbauer. Man appelliere an die Nutzer, mit dem Seeufer sorgsam und umweltbewusst umzugehen, so dass dies auch weiterhin unfallfrei von allen genutzt werden könne – ohne dass etwa die Gefahr besteht, in Glasscherben zu treten.
Infrastruktur:Häufig wurde von Badegästen schon in der Vergangenheit der Wunsch nach Toiletten oder besserer Infrastruktur wie an anderen Badeseen geäußert. Dem gegenüber steht das Unternehmen allerdings kritisch: „Für die Firmengruppe ist der Max Bögl Baggersee nach wie vor ein Rohstoffbetrieb und kein Badesee“, sagt Kotzbauer. Die öffentliche Nutzung im renaturierten Bereich sei weiter erlaubt. „Darüber hinaus werden aktuell keine Planungen zum weiteren Ausbau des Badebetriebes verfolgt.“
