Leerstände in Neutraubling bereiten Stadtrat Kopfzerbrechen

Mehrere Geschäfte im Schlangenbau stehen seit geraumer Zeit leer. Bürgermeister Harald Stadler erklärt, warum der Stadt die Hände gebunden sind.
Viele Schaufenster in der Sudetenstraße in Neutraubling sind leer, manche sogar zugeklebt. Nachfolger für die Geschäfte sind aktuell nicht in Sicht. Dabei hätte der sogenannte Schlangenbau in der Innenstadt und in direkter Nähe zum Neutraublinger See das Zeug zur Fußgängerzone, wenn es nach der Stadtverwaltung geht. Doch der seien bei vielen Objekten die Hände gebunden, wie Bürgermeister Harald Stadler in der jüngsten Stadtratssitzung erneut klarmacht. Denn die Stadt ist nicht Eigentümer der Gebäude.
Im Rahmen der Leerstandserfassung Stadtmitte stellte Thomas Kästle vom Neutraublinger Projektbüro die verwaisten Geschäfte der Stadt vor. Was auffällt: Besonders geballt sind die Leerstände in der Sudetenstraße im sogenannten Schlangenbau. „Es ist eine unangenehme und triste Situation“, stellt Kästle fest. Ändern könne die Stadt daran allerdings so schnell nichts. Der Schlangenbau sei für die nächsten Jahrzehnte per Erbpacht an die Wohnungsbaugesellschaft Dawonia vergeben.
Stadt Neutraubling muss Fördermittel zurückgegeben
Das Ärgerliche: Die Stadt Neutraubling hätte Ideen und auch Geld, um etwas gegen die Leerstände zu unternehmen. „Uns waren Fördermittel im sechsstelligen Bereich zugesagt“, erklärt Bürgermeister Stadler. Damit hätte man einen Kümmerer für den Schlangenbau, eine mögliche Zwischenmiete und kleinere Renovierungsarbeiten bezahlen können. Weil die Gespräche mit der Dawonia bislang ins Leere liefen, wurde die Fördersumme jedoch nicht abgerufen.
Für Stadler ist das Dilemma bei den Leerständen klar: „Wir haben in Neutraubling nicht das Problem des Mieters, sondern des Vermieters.“ Die Nachfrage − sprich mögliche Interessenten für die leerstehenden Geschäfte – seien da. „Wenn sich es ein Vermieter leisten kann, einen Teil seines Gebäudes über lange Zeit leerstehen zu lassen, verstehe ich die Welt nicht mehr“, sagt der Bürgermeister. Bei der Dawonia Real Estate GmbH & Co. KG sieht man die Sache anders. „Wir bemühen uns seit längerer Zeit um eine Vermietung der Geschäfte, was sich aber an diesem Standort als sehr schwierig gestaltet“, erklärt Unternehmenssprecherin Maren Holtermann auf Anfrage.
Die Stadt hätte konkrete Ideenfür die Flächen in der Innenstadt, wie Thomas Kästle erklärt: „Man könnte die Räume beispielsweise an Vereine vermitteln oder an Kulturschaffende und Start-ups vermieten.“ Ohne die Gesprächsbereitschaft des Vermieters seien das allerdings nur Gedankenspiele.
Fünf bunte Sitzmöbel für Neutraubling
Einen kleinen Schritt, um die Innenstadt attraktiver zu machen, hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen. So sollen fünf bunte Sitzmöbel am See und auf dem Marktplatz künftig zum Blickfang werden und zum Verweilen einladen. Vorbild seien beispielsweise die Stadt Wien oder auch die Stadt Regensburg. Aus dem Sonderfonds „Innenstädte beleben“ erhält Neutraubling einen Zuschuss von 60 Prozent für die Anschaffung. Der Stadt bleiben für die Sitzgelegenheiten Kosten von insgesamt 4800 Euro. Zunächst gab es im Neutraublinger Gremium noch Bedenken zum Thema Vandalismus. So war sich Stadtrat Edwin Schicker von den Aktiven Bürgern sicher: „Wenn wir die Möbel am See aufstellen und diese nicht schwimmen können, liegen sie bald auf dem Grund.“ Stadler erinnerte, dass es immer wieder Anfragen aus der Bevölkerung gibt, die mehr Sitzgelegenheiten in der Stadt fordern. Am Ende stimmte der Stadtrat einstimmig für die Beschaffung der Möbel ab, eine Mehrheit fand sich für das futuristische Modell Enzo.
Stadtrat Neutraubling beschließt: Mauer muss weg
Einen kleineren Schönheitsfehler – allerdings selbstverschuldet – beseitigt die Stadt nun in der Balthasar-Neumann-Straße. Dort hatte ein Bauherr eine Mauer zur Straße hin errichtet, um sich vom Verkehr abzuschirmen. Von der Verwaltung erhielt er die mündliche Zusage, dass es keinen Bebauungsplan gibt, der das verbietet. Später fiel einem anderen Verwaltungsmitarbeiter auf, dass es sich um eine Falschaussage handelte. „Es ist klar, dass der Fehler bei uns liegt“, gibt Bürgermeister Stadler zu.
Der Stadtrat wollte nun aber keinen Präzedenzfall für künftige Bauherren schaffen und man war sich einig, dass die Mauer nicht gerade ein Hingucker sei. So entschied das Gremium einstimmig, die Einfriedung wieder entfernen zu lassen – auch wenn die Stadt in Kauf nimmt, möglicherweise auf den Kosten für die Maßnahme sitzen zu bleiben.
Betreuung und Wasser werden teurer
Die Stadt erhöht zum 1. September die Gebühren für Kindergärten, den Kinderhort und die Mittagsbetreuung. Die Gebühren für die Kinderkrippe bleiben unverändert. Bei den Kindergärten bewegt sich die Erhöhung jeweils unter zehn Prozent, beim Kinderhort steigen die Gebühren durchschnittlich um zehn Euro und bei der Mittagsbetreuung um fünf bis zehn Euro. Deutlich mehr müssen Eltern für die Ferienbetreuung zahlen. Die Buchungszahlen hätten hier extrem zugenommen und das Personal könne das kaum mehr leisten.
Ebenfalls teurer wird die Wasserversorgung und das Abwasser für die Neutraublinger. Grund sind zum Beispiel höhere Einkaufskosten durch die Energiekrise. Der Stadt bleibe jedoch kein Handlungsspielraum bei der Preisbestimmung, weil man kostendeckend arbeiten müsse, wie Bürgermeister Harald Stadler betont. Die Niederschlagswassergebühr steigt auf 87 Cent pro Quadratmeter, die Schmutzwassergebühr auf 1,80 Euro pro Kubikmeter (1000 Liter) und die Verbrauchsgebühr steigt auf 1,99 Euro pro Kubikmeter.