Rathausdach in Parsberg: Historischer Dachstuhl verhindert Photovoltaikanlage

Rathaus und Kläranlage – dass die Dächer dieser Gebäude bis heute nicht mit Photovoltaikanlagen belegt sind, bringt Martin Selch von der Solarinitiative Herrnried auf die Palme. Verspricht der Dachflächenkataster des Landkreises doch satte Gewinne. Dafür dass Parsberg diese nicht realisiert, gibt es aber Gründe.
Rathaus:Selch behauptet in einem Leserbrief, man „könnte gigantische Stromkosten sparen“ und erinnert in diesem Zusammenhang an den Vorschlag, das Dach des Rathauses mit Photovoltaik zu belegen. Bürgermeister Josef Bauer wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass dies beim Rathausdach „aufgrund von statischen Gegebenheiten nicht realisierbar ist“.
Doch das lässt Selch nicht gelten: „Da stellt sich doch dann automatisch die Frage, ob bei der Dachstuhlsanierung (2016 bis 2018/ Anmerkung der Redaktion) schon die entsprechende Weitsicht gefehlt hat?“ Er habe sich bei einem Statiker erkundigt und erfahren, dass es jederzeit möglich wäre, einen Dachstuhl entsprechend zu verstärken, wenn man das nur wolle.
Technisch möglich wäre es sicherlich gewesen, sagt dazu Stefan Schmidmeier, Geschäftsleiter der Stadt Parsberg. Allerdings zu einem hohen Preis. Damals wurde entschieden, das historische Gebälk zu erhalten, weil es in gutem Zustand ist und weil es – auch wenn es nicht unter Denkmalschutz steht – ein Zeugnis aus der Vergangenheit ist, das man nicht zerstören wollte. Die Balken wurden deshalb nur gereinigt. Das Dach wurde nur neu belegt und gedämmt.
Neuer Dachstuhl würde hohe Kosten verursachen
Die statischen Berechnungen hätten damals ergeben, dass das Dach keine Mehrlasten trage. Auch um 40 Prozent leichtere Photovoltaikmodule, wie sie Kathrin Kimmich, Klimaschutzmanagerin des Landkreises, als Lösung ins Spiel bringt, wären laut Schmidmeier bereits zu schwer. Sprich: „Wir hätten damals oder müssten heute einen neuen Dachstuhl bauen.“ Und dies sei wirtschaftlich nicht zu vertreten.
Hier sei er beim grundlegenden Punkt. „Wir machen keine rein ideologischen Projekte. Wir installieren überall dort Photovoltaik, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt Schmidmeier, der darauf darauf verweist, dass Bürgermeister, Stadtrat und Stadtverwaltung verantwortungsvoll mit den ihnen anvertrauten Steuergeldern umgehen müssen. Als Beispiel nennt er das Sportheim. Weil hier ein neues Dach nötig war, wurde es gleich mit Photovoltaikmodulen bestückt.
Kläranlage:Bezogen auf die Kläranlage hatte Bauer darauf hingewiesen, dass hier aufgrund der Lage zu wenig Erträge erzielt würden. Dies sei von unabhängigen Experten geprüft worden. Darauf entgegnet Selch: „Diese Angaben des Bürgermeisters sind schlichtweg Unfug und kann man so einfach nicht stehen lassen! Solarexperten, Professoren und Solarfirmen vertreten einheitlich die Ansicht, dass es aufgrund der jüngst extrem gestiegenen Strombezugskosten auf nahezu allen Dächern sinnvoll und wirtschaftlich ist, Strom zum Eigenverbrauch zu erzeugen.“
Gegen diese allgemeine Darstellung wehrt sich Schmidmeier. „Technische Ingenieure haben geprüft, ob es sinnvoll ist, hier Photovoltaikanlagen zu installieren“, sagt er. Aufgrund der vielen kleinen und zergliederten Dachflächen und der beschatteten Lage sei eine solche Anlage aber nicht rentabel. Diese Prüfung sei auch nach dem Anstieg der Strompreise wiederholt worden und hätte kein anderes Ergebnis gebracht.
Anders schätzt Klimaschutzmanagerin Kimmich die Lage ein. Sie hat die Wirtschaftlichkeit für die Kläranlage berechnet und kommt zu dem Schluss: „In meinen Augen ist eine Beplanung der Kläranlage mit Photovoltaik tatsächlich sinnvoll.“ Sie sehe das aber nicht als Forderung. Ihre Berechnung werde sie der Stadt zur Prüfung weitergeben.
Und auch die Stadt will bei der Kläranlage noch aktiv werden: „Wir werden auch prüfen, ob eine sinnvolle Möglichkeit besteht, die neu zu bauende Klärschlammentwässerung mit Modulen zu bestücken“, kündigt Schmidmeier an.