NS-Zeitzeuge beeindruckt Schüler am Pater-Rupert-Mayer-Zentrum

Von Mittelbayerische Zeitung · 20. Mai 2023 um 09:00

Ernst Grube ist ein deutscher NS-Verfolgter und bekannter Vertreter einer aktiven Vergangenheits- und Aufarbeitungspolitik. Vor kurzem besuchte er das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum und berichtete den Schülern über seine Kindheit und die Vergangenheit unter den Nationalsozialisten.

Begleitet wurde er von Birgit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung, die das Buch „Die letzten Zeuginnen und Zeugen – Meine Arbeit mit Holocaust-Überlebenden" verfasst hat.

Gesamtleiterin Gerlinde Dubb erklärte den Schülern vorab den Hintergrund des Besuchs und auch den Zusammenhang mit Pater Rupert Mayer, der sich ebenfalls in München mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte und in seinen Predigten den Hass gegen Minderheiten bekämpfte. Gespannt hörten die Schüler der Mittelstufe zu. Ruhig und sachlich schilderte Grube die schrecklichen Ereignisse von damals und beeindruckte damit, eben nicht von Zorn und Verbitterung geprägt zu sein. Im Gegenteil: Bis heute setzt sich Grube unermüdlich für Menschenrechte und gegen Gewalt und Ausgrenzung ein – passend zu der Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, die dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum letztes Jahr verliehen wurde.

So konnten die Schüler einen Bezug zu heute herstellen, indem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden. Ernst Grubes Mutter war Jüdin, der Vater nicht; Grube wurde 1932 in eine Gesellschaft geboren, die bereits vom Denken der Nationalsozialisten geprägt war. Die Familie lebte in München in unmittelbarer Nähe zur Synagoge, die 1938 abgerissen wurde. Unter dem Druck der Verfolgung wurden Ernst und seine beiden Geschwister schließlich von den Eltern im jüdischen Kinderheim in München untergebracht. Dort waren sie zunächst gut versorgt, spürten aber die zunehmende Ausgrenzung, durften keine normale Schule besuchen und mussten den gelben Judenstern tragen.

Im November 1941 setzten die Deportationen in die Vernichtungslager im Osten ein; Grubes Tanten und ihre Familien fielen dem Massenmord zum Opfer. Für die verbliebenen Juden wurde die Lage immer bedrohlicher. Im Februar 1945 wurden die Kinder der Familie zusammen mit der Mutter in das Konzentrationslager Theresienstadt nahe Prag deportiert, dort aber am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit.

Die Schüler waren sichtlich beeindruckt, selten war es so still und auch die vielen im Anschluss an Ernst Grube gestellten Fragen zeigten ihr großes Interesse an seinen Erlebnissen. Auf die Frage eines Schülers „Was haben Sie nach der Befreiung als Erstes gemacht?“, antwortete Grube: „Ich wollte erzählen, aber keiner hörte mir zu.“ Heute hören viele Menschen zu, was auch bei seinem Vortrag im Pater-Rupert-Mayer-Zentrum deutlich wurde.

„Wir wollen nicht, dass sich die Zeit wiederholt und doch begegnen wir immer wieder rechten Gedanken und Meinungen. Wir dürfen nicht schweigen, sollen Partei ergreifen, im Leben auf Dinge achten, hinschauen und die Dinge entsprechend verteidigen“, sagte Ernst Grube zum Abschluss.