Mehr Gewalt, mehr Diebstähle: 2022 gab es alle dreieinhalb Stunden eine Straftat

Von Petra Schlierf · 16. Mai 2023 um 05:00

Mehr Gewaltdelikte und mehr Diebstähle verzeichnet der Sicherheitsbericht, den die Neumarkter Polizei am Montag vorgestellt hat. Insgesamt gab es 4,1 Prozent mehr Straftaten. Für Polizeichef Wolfgang Schüler ist diese Entwicklung aber keineswegs überraschend.

Zurück zur Normalität – das bedeutet für die Polizeiinspektion (PI) Neumarkt vor allem wieder mehr Straftaten. Nachdem alle Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben waren, verzeichnet die Kriminalstatistik für 2022 einen Anstieg.

Polizeichef Wolfgang Schüler ist mit der Gesamtentwicklung trotzdem zufrieden: „Wir haben zwar einen leichten Anstieg der Straftaten von 4,1 Prozent im Vergleich zu 2021, aber immer noch den zweitniedrigsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich.“ Insbesondere liege man unter dem Vor-Corona-Niveau. Dennoch ereignete sich alle dreieinhalb Stunden eine Straftat oder ein strafbarer Versuch, der polizeibekannt wurde – insgesamt 2537 Taten.

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Damit liege der PI-Bereich deutlich unter der Kriminalitätsbelastung der gesamten Oberpfalz. Unter den zwölf Gemeinden wiederum lebt es sich in Berngau mit Abstand am sichersten. Wegen des städtischen Umfelds ist die Belastung in Neumarkt am höchsten.

2022 konnten die Beamten ihre Aufklärungsquote von 71,5 Prozent aus dem Vorjahr nicht fortführen. Sie fiel auf 65,5 Prozent. „Die Aufklärungsquote hängt auch wesentlich mit davon ab, was die Bürger uns an Informationen und Hinweisen zukommen lassen“, erklärte der Polizeichef.

Zahl der Fahrrad-Diebstähle deutlich gestiegen

Dass die Corona-Zeit vorbei ist, bemerkten die Polizisten nicht nur bei der Gesamtzahl der Fälle, sondern auch bei einzelnen Deliktsarten, die wieder zunehmen.

Um gut 18 Prozent stiegen die so genannten Rohheitsdelikte (461 Fälle)an, also Gewaltstraftaten wie Mord, Totschlag, Körperverletzung, Raub, Nötigung, Bedrohung oder Stalking. Für die Beamten ist das eine fast schon logische Folge der Öffnungen nach der Corona-Pandemie, erklärte Martin Meier, Leiter des Sachbereichs Einsatz. 95 Gewaltdelikte gab es im vergangenen Jahr. „Das ist für uns der zweithöchste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich“, musste Meier feststellen. Jedoch wurden über 90 Prozent dieser Taten geklärt. Als außergewöhnlichstes Delikt in diesem Bereich hob er die Tötung eines 25-Jährigen im Oktober in der Weiherstraße hervor. Darüber hinaus gab es vier Fälle von versuchten Tötungen.

Um 29 Prozent nahmen die Diebstähle auf 738 Fälle zu. Davon wurden aber gut 39 Prozent geklärt. „Außergewöhnlich in diesem Sektor ist die Zahl der Fahrraddiebstähle, die in Neumarkt ein Problem darstellen“, sagt Meier. 170 Räder wurden im vergangenen Jahr gestohlen, im Vorjahr nur 98.

Zugenommen hat mit 491 Fällen (im Vorjahr 403) auch die Straßenkriminalität. Das Niveau von vor Corona hat die Zahl aber noch nicht erreicht. Meier betont: „Wir haben in Neumarkt keine Brennpunkte, aber eine Häufung solcher Taten im Bereich von Kneipen und Diskotheken.“

Den niedrigsten Wert seit 2017 verzeichnet die Statistik bei der Rauschgift-Kriminalität mit 194 Fällen. Echte Drogenbrennpunkte gebe es im Stadtgebiet zwar nicht, aber das heißt nicht, dass der Konsum illegaler Substanzen hier nicht stattfindet, weiß Meier: „Gerade während der Corona-Zeit hat sich ein großer Teil davon in die Wohnungen zurückgezogen und ist für uns schwer kontrollierbar.“

Viele Unfälle auch in Berching

Nicht in der Kriminalitätsstatistik enthalten sind Verkehrsunfälle. Für diese zog Polizei-Chef Wolfgang Schüler daher gesondert Bilanz. 2333 Mal krachte es im vergangenen Jahr im Dienstbereich, durchschnittlich also mindestens sechs Mal am Tag. Das seien zwar 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr, aber immer noch deutlich weniger als 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Der Löwenanteil sind Kleinunfälle und Blechschäden. Doch in 345 Fällen gab es auch Verletzte zu beklagen. Dieser Anteil sei einer der niedrigeren in den letzten zehn Jahren, betonte Schüler. Dennoch sei jeder Verletzte einer zu viel. Leider starben 2022 auch fünf Menschen bei Unfällen auf Straßen im Dienstbereich der PI, darunter zwei Motorradfahrer.

In Berngau gibt es übrigens die wenigsten Unfälle, in Berching – nach Neumarkt – die meisten.