Was bringt 49-Euro-Ticket auf dem Land? So kommt das Angebot im Landkreis an

Von Wolfgang Endlein · 8. Mai 2023 um 15:00

Seit gut einer Woche gilt das 49-Euro-Ticket. Kann es dem öffentlichen Nahverkehr im Landkreis Neumarkt einen Schub geben? Unsere Zeitung hat sich mit Fahrgästen unterhalten. Der Landkreis kündigt derweil an, möglicherweise weitere Fahrpreise zu senken.

Morgen am Neumarkter Bahnhof: Die Bahnsteige sind belebt. Gelegenheit, um sich umzuhören, wie das 49-Euro-Ticket angekommen ist. Für Klaus Krenauer ist die Antwort klar: Der Berchinger fährt regelmäßig mit Bus und Bahn. Er muss wegen einer medizinischen Behandlung an zwei Tagen in der Woche nach Nürnberg. Außerdem nehme er nach Neumarkt oft den Bus. „Dass das nun eine Ausgabe ist, ist natürlich sehr gut für mich.“

Seine Frau Jenny steht neben ihm. Die 29-Jährige erzählt, dass sie gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch sei. Falls sie den Job bekommen sollte, würde sie täglich Bus fahren – das Ticket würde sie deshalb sehr interessieren.

So viele 49-Euro-Tickets verkaufte VGN

Damit ist sie nicht allein: Im Bereich des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) wurde das Ticket mehr als 200000 Mal verkauft, wie ein Sprecher sagt. Die Deutsche Bahn erklärt, über ihre Vertriebswege bereits ca. 1,3 Millionen Tickets verkauft zu haben. Mit mehr als 60Verkehrsverbünden in Deutschland, die das Ticket vertreiben, können weitere Millionen Abos angenommen werden.

Vor allem für Berufspendler ist das Ticket attraktiv. So wie für Jörg Schlierf, der auf den Zug nach Nürnberg wartet. Für die Fahrt zum Arbeitsplatz habe er bislang rund 150 Euro gezahlt, sagt der Neumarkter. „Das ist jetzt natürlich schon eine große Ersparnis“, sagt Schlierf. Da ihm sein Arbeitgeber in Form eines Jobtickets unterstütze, sinke der monatliche Betrag sogar auf 27 Euro.

Das Bahnticket hat auch Autofahrer zu Bahnfahrern „konvertiert“. Beispielsweise Linus Sklenarz, seit Anfang 2022 Verwaltungsdirektor der Neumarkter Stadtverwaltung. Bislang sei er mit dem Auto gefahren, sagt Sklenarz, der im benachbarten Franken wohnt. Das 49-Euro-Ticket und der Nahe S-Bahn-Halt in Burgthann überzeugten den Mann, in dessen Verantwortungsbereich auch die Finanzen der Stadt fallen. Sein Urteil: „Unschlagbar günstig“.

Doch hat das 49-Euro-Ticket einen Effekt über die Bahnpendler hinaus? Zahlen dazu gibt es für den Landkreis nicht. Allerdings schätzt Michael Gottschalk von der Kreisentwicklung am Landratsamt: „Der Effekt wird überschaubar sein“. In den Bussen säßen vor allem Schüler und Azubis mit ohnehin speziellen Tickets. Lediglich auf den Linien zwischen Berching und Neumarkt bzw. Neumarkt und Amberg gebe es etwas Berufspendler.

Dann gibt es noch Rufbusse und Anrufsammeltaxis, für die das 49-Euro-Ticket ebenfalls gilt. Beim Anrufsammeltaxi wird lediglich der übliche Zuschlag fällig. Das Landratsamt denkt aber darüber nach, diesen abzuschaffen. Dass das neue Ticket allein nochmals erheblich die Fahrgastzahlen steigert, glaubt Gottschalk nicht. Diese waren zuletzt erfreulich stark auf rund 54000 gestiegen. Den Effekt des 49-Euro-Tickets sieht er vielmehr darin, dass die Berichterstattung darüber dem ÖPNV Aufmerksamkeit verschafft.

Senkt Landkreis Neumarkt Preise für Rufbusse und Anrufsammeltaxis?

„Menschen müssen das Angebot des ÖPNV ausprobieren, um davon überzeugt zu werden“, sagt Gottschalk. Deswegen soll das Angebot des Landkreises einfacher nutzbar und günstiger werden. Zum Jahresende erwartet Gottschalk, dass mit einer VGN-App alle Angebote an Rufbussen und Anrufsammeltaxis schneller zu finden und zu buchen sind.

Außerdem liege dem Landkreis aktuell ein Angebot des VGN vor, die Fahrpreise bei Rufbussen und Anrufsammeltaxis um rund 40 Prozent zu senken. Allerdings prüfe das Landratsamt noch, ob sich Aufwand und Ertrag ausgehen.

Denn eines ist für Gottschalk mit Blick auf den ländlichen Landkreis klar: Der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr lässt sich auch mit noch so viel Geld nicht unendlich erhöhen. Maximum sei wohl ein hohe einstellige Prozentzahl.