Eigentümer des Möbel-Wagner-Areals gestalten Stadtrand völlig neu – Warum das Jahre dauert

Die Eigentümer des ehemaligen Möbel-Wagner-Areals gestalten den östlichen Regensburger Stadtrand völlig neu. Schon seit einigen Jahren entwickeln sie hier ein urbanes Wohngebiet. Wann kommt es?
Auf dem Areal am östlichen Stadtrand, auf dem immer noch das ehemalige Möbelhaus Wagner steht, sollte das erste Wohnquartier dieser Art entstehen: Ein „urbanes Gebiet“, dicht und bunt gemischt gebaut. 2018 gab es einen Architektenwettbewerb, der Siegerentwurf sollte „in einem beschleunigten Verfahren“ umgesetzt werden. Fast fünf Jahre später läuft dieses immer noch. Und die Gegend, in der viele Flüchtlinge leben, gilt nach wie vor als heruntergekommenes Eck. Das soll sich radikal ändern – aber erst in ein paar Jahren.
Der Regensburger Architekt Manfred Stockinger entwickelt das 1,3 Hektar große Gelände an der Grunewaldstraße mit einem Geschäftspartner. Die Pläne zeigen drei Gevierte mit grünem Innenhof in der Mitte und grünen Dachterrassen, verbunden durch zwei etwas höhere Wohntürmchen und mit zwei Hochhäusern an den Enden. Die Gebäude sind bewusst lückenlos miteinander verbunden, „dadurch wird der zur Landshuter Straße erforderliche Schutz vor Verkehrslärm gesichert“, so heißt es im Entwurf des Bebauungsplans. Zwischen vier und acht Stockwerke sollen diese Gebäude mit insgesamt circa 240 Wohnungen haben. Dazu kommen mehrere Dutzend Studentenwohnungen in einem bis zu elfstöckigen Turm im Süden. Der Turm im Norden mit bis zu 14 Etagen könnte mit bis zu 49,80 Metern Höhe Regensburgs höchstes Bürogebäude werden.
50 Prozent geförderter Wohnraum
Die Stadt rechnet damit, dass hier einmal rund 460 Menschen einziehen. 50 Prozent des Wohnraums sollen laut Stockinger öffentlich gefördert sein und damit auch für Regensburger mit geringem bis mittlerem Einkommen erschwinglich.
Der Planungsausschuss des Stadtrats schickte den Bebauungsplan kürzlich einstimmig in die öffentliche Auslegung. Grünen-Stadtrat Hans Teufl, selbst Architekt, äußerte allerdings die Befürchtung, dass das Wohngebiet „in dem sehr heruntergekommenen Eck“ mit „wahnsinnig vielen Ein-Zimmer-Apartments“ neben Erstsemestern vor allem Sozialhilfeempfänger und Menschen mit anderen Problemen anziehe. „Ich hab ein bisschen die Bedenken, dass wir da schick anfangen und nach zehn Jahren weniger schick enden.“
Stockinger hält das für ausgeschlossen. Der Aufschwung in der Gegend habe mit dem neuen, markant geschwungenen Mercedes-Gebäude begonnen. Das neue Quartier werde es weiter aufwerten. Vorgesehen seien verschiedenste Wohnungsgrößen, bis hin zur Vier-Zimmer-Wohnung. „Wir mischen das kunterbunt“, kündigt er an. „Da ist der Siemens-Ingenieur drin und die Kindergärtnerin.“ Die Zeiten, als viele nur in beste Lagen im Westen wollten, seien vorbei.
Wenige Auto-Parkplätze und viele für Fahrräder
Auch Gewerbe soll das Quartier beleben. Einen kleinen Nahversorger, Räume für Handwerksbetriebe, in denen sich Wohnen und Arbeiten verbinden lassen, eine Pflegestation und ein Fitnessstudio lässt der Bebauungsplan zu. Auch eine Kita ist geplant und in Erdgeschoss und Tiefgarage wollen die Bauherren ein Mobilitätskonzept verwirklichen, das mit mindestens 289 Parkplätzen für Autos auf relativ wenige Kfz-Stellflächen und viele andere Angebote setzt. Es soll viel mehr Fahrradparkplätze geben, einen Lastenradverleih, Car-Sharing und ein „Infotainmentsystem“, das in die Abfahrtszeiten im öffentlichen Nahverkehr anzeigt.
Auch wegen der vielen Nutzungen zieht sich laut Stockinger die Realisierung so lange hin, allein an den Schallschutz gebe es verschiedene Anforderungen. „Die Pandemie hat uns bestimmt zwei Jahre gekostet“, sagt der Bauherr. Bei einem so komplexen Vorhaben seien digitale Treffen nicht so ergiebig wie analoge. Vieles sei Neuland. Derzeit sei die Finanzierung schwierig. „Wenn die Baukosten und die Zinsen nicht runtergehen, wird es schwer.“ Verbesserten sich die Rahmenbedingungen, sei ein Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte 2024 möglich. Er rechnet mit einer Bauzeit zwischen drei und fünf Jahren.
Das erste urbane Gebiet in Regensburg wird das Areal an der Grunewaldstraße dann nicht sein. Auf dem östlichen Zuckerfabrikgelände wird schon gebaut. Weitere urbane Quartiere sollen an der Kirchmeierstraße sowie der Lilienthalstraße und am Hochweg im Westen entstehen; sie sind allerdings erst in Planung.

