Schwarzenfeld: Junge Mutter erfüllt sich mit Second-Hand-Shop einen Traum

Jenny Dietmayr verkauft in Schwarzenfeld gebrauchte Mode für Babys und Kinder. Ihre Tochter Mia ist ihr „Wunderkind“ und Namensgeberin für das Geschäft.
Eine Krake, die ein Herz in den Tentakeln hält, und die Aufschrift „Wunderkind“ prangen seit Ende März an den Schaufensterscheiben neben der Schwarzenfelder Tauchschule. Hier, in der Amberger Straße, hat sich Jenny Dietmayr ihren Traum vom eigenen Geschäft erfüllt. Die 24-Jährige verkauft in ihrem Laden bereits getragene Mode für Babys und Kinder. Name und Logo haben für sie eine besondere Bedeutung – und erinnern an ein einschneidendes Erlebnis vor etwa zwei Jahren.
Das Familienglück schien perfekt. 2020 haben sich Jenny und ihr mittlerweile Verlobter Max ein Eigenheim in Schwarzenfeld eingerichtet, wenige Monate später erwarteten sie gemeinsam das erste Kind. Sie waren gerade dabei, das Kinderzimmer zu gestalten, Jenny kaufte das erste Plüschtier für den mit Freude erwarteten Nachwuchs. „Ich habe im Internet eine Plüschkrake gesehen und sofort war klar, dass ich die haben muss“, erinnert sie sich.
Doch die Schwangerschaft verlief alles andere als ideal. Jenny bekam eine Schwangerschaftsvergiftung, ihre Tochter musste bereits in der 31. Woche das Licht der Welt erblicken. „Sonst wäre ich gestorben“, bringt es Jenny auf den Punkt. Ihre Tochter Mia wog zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 1200Gramm, musste künstlich beatmet werden.
Plüschkrake bekommt eine besondere Bedeutung
Als die Kleine im Inkubator lag, entdeckte die junge Mutter zwei gehäkelte Plüschkraken, die dem Säugling beigelegt wurden. „Das sind sozusagen die offiziellen Tiere für Frühchen“, erklärt Jenny. Denn wenn die Babys schlafen, umklammern sie die Tentakeln häufig, weil sie der Nabelschnur ähnlich sind. Mit den Kraken sollen sie sich sicher und geborgen fühlen und dadurch ihre Atmung sowie den Herzschlag stabilisieren.
Ohne es zuvor zu wissen, hat sich auch Jenny bei ihrem ersten Plüschtier für Mia für eine Krake entschieden. Und Mia biss sich durch. Mittlerweile ist aus dem einst 1200 Gramm leichten Säugling ein quicklebendiges junges Mädchen geworden, das vor kurzem zwei Jahre alt geworden ist.
„Natürlich ist jedes Kind ein Wunderkind, aber es ist schon echt erstaunlich was Kinder wie meine Mia im jungen Alter schon leisten können“, sagt Jenny und küsst ihre geliebte Tochter behutsam auf die Stirn. Und weil vor allem kleine Kinder wie Mia schnell aus ihren Anziehsachen rauswachsen, die Klamotten häufig teuer und die finanziellen Möglichkeiten bei jungen Eltern oft eingeschränkt sind, kam Jenny die Idee zu einem Second-Hand-Shop, der bereits getragene Mode und benutzte Spielsachen speziell für Babys und Kinder im Angebot hat – und das möglichst preiswert.
Die Räumlichkeiten für ihr Vorhaben lagen auf der Hand. Denn in dem Haus, in dem das junge Paar wohnt, befand sich im Erdgeschoss die ehemalige Praxis der Tierärztin Nana Haug, die im Januar diesen Jahres in Rente ging. Der Umbau ging schnell von statten und schon Ende März konnte der Laden unter dem Namen Wunderkind eröffnet werden. Jenny und ihr Mann Max haben viel Herzblut in die neuen Räumlichkeiten gesteckt und diese nach und nach mit allerlei Kleidung, Spielsachen und Kinderwägen gefüllt.
Bekleidung von Größe 50 bis 152
Klamotten gibt es von Größe 50 bis 152, also ungefähr für Kinder im Alter von 0 bis zwölf Jahren. „Natürlich haben wir nicht immer alles da, weil ich die Sachen ja auch erst von anderen kaufen muss“, erklärt Jenny, die vor allem viel auf Portalen im Internet stöbert oder in Basargruppen nachfragt, ob jemand Sachen zuhause hat, die er nicht mehr braucht, die aber auch zeitgleich gut erhalten sind.
Mit dem Verlauf des ersten Geschäftsmonats ist die junge Unternehmerin den Umständen entsprechend zufrieden. „Wir waren eine Woche in einem bereits geplanten Urlaub und es waren auch Ferien. Aber es ging schon ein bisschen was“, bilanziert sie. Natürlich müsse sich das Geschäft erst einmal einen Namen machen, um auch dauerhaft bestehen zu können.
Derzeit ist der Laden an der Amberger Straße dreimal in der Woche geöffnet und zwar am Montag und Mittwoch von 8.30bis 12.30 Uhr und von 14bis17Uhr sowie am Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr. Weil Tochter Mia aber noch nicht in den Kindergarten geht, steht Jenny zu diesen Zeiten nicht dauerhaft im Laden. Wer etwas kaufen möchte, klingelt einfach an der Eingangstür und die junge Mutter kommt ins Geschäft.
Ob das Projekt Wunderkind Erfolg haben wird, kann die junge Gründerin freilich noch nicht prognostizieren. Sie habe aber auch immer die Option, in ihren erlernten Beruf als Altenpflegerin zurückzukehren. Geplant sei es aber, den Laden hauptberuflich zu führen und gegebenenfalls auch die Öffnungszeiten anzupassen, sobald das Töchterchen im September im Kindergarten ist und sofern der Laden läuft. „Ich freue mich über jeden Kunden, der kommt, und möchte, dass die Leute gerade in der schwierigen Zeit die Möglichkeit haben, Geld zu sparen und trotzdem schöne Sachen zu kaufen“, sagt sie.

