Neumarkts Arbeitsmarkt verändert sich – Work-Life-Balance wird immer wichtiger

Work-Life-Balance, die Möglichkeit zum Homeoffice und vier Tage statt fünf pro Woche arbeiten: In Neumarkt befindet sich der Arbeitsmarkt im Wandel. Der Fachkräftemangel zwingt Arbeitgeber dazu, sich für Bewerber attraktiv zu machen. Besonders mittelständische Unternehmen sehen sich dadurch großen Herausforderungen ausgesetzt.
Kommentar zum Text:Fachkräfte aller Länder, vereinigt euch!
„Bei uns gab es schon immer flexible Arbeitszeiten und 2003 habe ich deshalb noch einen Preis für Familienfreundlichkeit bekommen. Heute wird das größtenteils vorausgesetzt“, erklärt Andreas Krause, Geschäftsführer von dem Marketingunternehmen Mr. Pixel. Der Informatiker nimmt einen Kulturwandel auf dem Arbeitsmarkt wahr, an dem er positive wie auch negative Seiten erkennt.
„In unserem Unternehmen waren Regeln nie etwas, was von oben nach unten verordnet wurde, sondern aus der Mitte aller Mitarbeiter kam“, sagt Krause. Deshalb glaubt er, dass viele Kämpfe der Arbeitnehmer in der Vergangenheit sehr wichtig gewesen seien, da sie für die Mitbestimmung hätten kämpfen müssen. „Aber der Zenit ist jetzt langsam überschritten.“ Immer häufiger nehme er wahr, dass Arbeitnehmer ihren Chefs vermitteln, sie sollen froh sein, dass sie überhaupt erscheinen.
Aktionen und Familien – Das machen Unternehmen in Neumarkt
„Bei uns gehört die Familienfreundlichkeit zu den Grundwerten des Unternehmens“, teilt ein Unternehmenssprecher von Spangler Automatics mit. Das Unternehmen automatisiert Anlagen. „Das bezieht sich dabei auf alle Lebensabschnitte, nicht nur auf Mitarbeiter mit kleinen Kindern.“Beide Unternehmen legen schon seit langer Zeit viel Wert auf den Wohlfühlfaktor für ihre Mitarbeiter.
Bei Spangler gibt es ebenso flexible Arbeitszeiten wie auch eine firmeninterne Notfallkinderbetreuung. Außerdem werden immer wieder Aktionen veranstaltet, über die auch die Belegschaft mitbestimmen kann, wie Koch- oder Spanischkurse, firmeneigene E-Bikes und gemeinsame Ausflüge. „Das wird in Zukunft noch wichtiger, besonders mobiles Arbeiten oder auch ein papierloses Büro sind Dinge, die heute oft gefordert werden“, so der Unternehmenssprecher. In großen Unternehmen und bei Bürotätigkeiten sind die neuen Arbeitskonzepte bereits vielerorts angekommen. Sind sie aber auch auf andere Branchen, beispielsweise im Handwerk, anwendbar?
Die Vier-Tage-Woche ist in Neumarkt angekommen
Alexander Kaiser hat diese Frage klar beantwortet. Er ist Inhaber des Metallbaubetriebs Kaiser aus Deining und hat im vergangenen Jahr die Vier-Tage-Woche eingeführt – und das mit großem Erfolg. „Alle Mitarbeiter waren von der Idee begeistert.“ Zuerst hatte Kaiser eine Frist gesetzt, in der er ausprobieren wollte, wie die Veränderung funktioniert. „Aber wir haben uns ganz schnell dazu entschlossen, es langfristig einzuführen.“
Es sei in dem mittelständischen Betrieb zu Verbesserungen gekommen, mit denen der Metallbauer gar nicht gerechnet hatte. „Wir sparen beim Strom und Gas in der Werkstatt wie auch beim Benzin, um auf die Baustellen zu kommen.“ Sogar von den Urlaubstagen hätten seine Mitarbeiter mehr, erklärt Kaiser, da Brückentage oft auf Freitage fallen und die gehörten in seinem Unternehmen nun zum Wochenende.
Was spricht bei einer solchen Bilanz noch gegen eine Vier-Tage-Woche? „Die Leute vergessen oft, dass mehr Freizeit auch mehr Geld kostet“, sagt Andreas Krause von Mr. Pixel. „Die Losung vieler lautet: Weniger Arbeit für das gleiche Geld. Eigentlich müsste sie aber weniger Arbeit für mehr Geld heißen.“
Die Menschen wünschen sich mehr Geld und Freizeit
Dass das Gehalt das wichtigste Thema für Arbeitnehmer ist, hat sich auch in einer Online-Umfrage betätigt, die unser Medienhaus geführt hat. 40Prozent gaben an, dass ihnen ein gutes Gehalt besonders wichtig ist. 35Prozent gaben an, eine ausgeglichene Work-Life-Balance sei ihnen wichtig. Gleichzeitig ist die Vier-Tage-Woche die Veränderung , die die meisten Menschen (50Prozent) attraktiv fänden. „Man merkt definitiv, dass die Abteilungen, die früher Feierabend machen, beliebter werden“, sagt Laura Full. Sie ist 19 Jahre alt und absolviert ein duales Studium im Baumanagement bei der Unternehmensgruppe Max Bögl.
„In meinem Alter denke ich, dass die Mehrheit gewisse Dinge wie unbezahlte Überstunden, nicht mehr akzeptiert, wenn eine Mehrheit etwas nicht akzeptiert, dann verändert sich auch etwas.“ Für Laura Full steht fest, dass die Vier-Tage-Woche in Zukunft häufiger anzutreffen sein wird. „Jetzt haben die Arbeitnehmer auch die Chance mehr Wünsche zu äußern. Denn alle suchen nach Fachkräften.“