Regensburger Stadtrat will Sperrzeit kippen

Eine Mehrheit des Regensburger Stadtrats fordert, dass alle Lokale in der Stadt bis 5 Uhr morgens öffnen dürfen. Eine Anwohnervertreterin ist entsetzt.
Schon ab Juli sollen alle Lokale in Regensburg bis fünf Uhr morgens öffnen dürfen: Das fordert ein Antrag, den eine große Mehrheit der Regensburger Stadträte unterstützt. Dann soll die Sperrzeitenregelung für die Innenstadt, die vorsieht, dass Lokale um zwei Uhr schließen müssen und Discos um drei oder vier, für ein Jahr ausgesetzt werden.
Alexander Irmisch, SPD-Stadtrat, Gastronom und Mitinitiator des Antrags, sagt: „Das sollte alles entzerren.“ Dann müssten nicht mehr alle zur gleichen Zeit die Lokale verlassen. Die bisherige Regelung sei „sehr restriktiv“, eine der strengsten in Bayern. Nun erhoffe er sich einen „Aufschwung“ für die Gastronomie. Diese habe unter Corona gelitten, heißt es im Antrag, zugleich habe die Pandemie gezeigt, was passiere, wenn ihre „ordnende Rolle“ wegfalle: Es komme zu Eskalationen auf öffentlichen Plätzen.
CSU-Stadtrat und Kreischef Michael Lehner engagierte sich bereits als Chef der Jungen Union für eine Lockerung der Sperrzeit. Jetzt sagt er: „Ich glaube, man hat eine gute Mischung gefunden.“ Der CSU sei wichtig gewesen, dass die Aussetzung von Polizei und Ordnungsdienst begleitet werde. Zudem gelte sie nur für Innenräume und könne die Lage draußen verbessern. „Schlimmer als jetzt kann es nicht werden. Wenn sich der Lärmpegel massiv erhöht oder die Zahl der Straftaten, muss man es halt wieder einstampfen.“
Stadträte greifen Petition für Aussetzung der Sperrzeit auf
Eine Petition der Grünen Jugend hatte sich bereits im vergangenen Jahr für eine Aussetzung der Sperrzeit eingesetzt. Diesen Impuls hätten die an dem Antrag beteiligten Stadträte gern aufgenommen, sagt Anna Hopfe, Vize-Chefin der Grünen-Fraktion; neben CSU, SPD und Grünen beantragen auch die Brücke, die Freien Wähler, die Stadträte der FDP, Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger), Linken-Stadträtin Irmgard Freihoffer und Jakob Friedl (Ribisl-Partie) die Aufhebung der Sperrstunde. Die AfD wollte das fraktionsübergreifende Bündnis nicht dabei haben, ÖDP und Stadtrat Ingo Frank (Die Partei) hätten nicht unterzeichnet. Grünen-Stadträtin Hopfe sagt: Wichtig sei jetzt, dass eine Informationskampagne komme und alle Betroffenen einbezogen würden. „Dann bestehen gute Chancen auf Erfolg.“
Johanna Bayer-Riepl, die im Stadtkern zu Hause ist und die Anwohner am Runden Tisch Altstadt und im Bündnis „Fair feiern“ vertritt, schließt das aus. „Das ist auf keinen Fall eine Verbesserung“, sagt die 68-Jährige. Der Antrag sei „sehr populistisch“, ergänzt sie, und kritisiert: „Wenn ich mir dieses Schreiben anschaue, sehe ich, dass es vor allem um die Förderung der Gastronomie geht.“ Die Altstadtbewohner kämen darin kaum vor. Dass sie nicht einbezogen worden seien, finde sie nicht in Ordnung. Bei der jüngsten Sitzung von „Fair feiern“ sei das Thema nur angesprochen, nicht aber diskutiert worden. „Ziel müsste sein, dass man die Altstadt sauber und bewohnbar hält, dass man den Lärmpegel nachts in den Griff kriegt.“ Den Sicherheitskräften gelinge das jetzt nicht, und künftig könnten die Gäste noch länger von Kneipe zu Kneipe ziehen. Dass sich die Aufhebung der Sperrzeit nur auf Innenräume bezieht, beruhigt sie nicht. „Ich habe auch schon erlebt, dass manche Kneipen die Fenster aufmachen.“
Wie viele Gastronomen öffnen länger?
Gastronomen dagegen betonen, dass sie sich über die neue Freiheit freuten, aber kaum jemand diese ausreizen werde –schon wegen des Personalmangels. So sagt Phuc Huynh, Mitinitiator der Astra Kiezbar: „Der Trend ist generell gegenläufig: dass viele Gastronomen die Öffnungszeiten verkürzen.“ Sophia Ramm, Betreiberin der Bar Kosmonaut und Sprecherin der Altstadtgastronomen, sagt, sie kennen niemanden, der immer bis fünf Uhr öffnen wolle und habe das auch selbst nicht vor: „Wenn um zwei viel los ist, werden wir den Abend einfach ausklingen lassen.“